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Todesgefahr für Radler durch Lkw-Rechtsabbieger | BR24

© picture-alliance/dpa

Fahrradunfall

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    Todesgefahr für Radler durch Lkw-Rechtsabbieger

    Ein neun Jahre altes Mädchen ist gestern von einem Lastwagen erfasst und tödlich verletzt worden. Immer wieder kommt es in deutschen Großstädten durch abbiegende Lkw zu schlimmen Fahrradunfällen. Von Stefanie Wagner

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    An ihrem 30. Geburtstag, am 21. September 2016, starb Anton Schnürers Tochter Sylvia bei einem Verkehrsunfall mit einem Lkw in München.

    "Fahrradfahren war ihr natürlich sehr wichtig. Sie war auch sehr sportlich und ist mit dem Fahrrad praktisch über die Ampel, sie hatte grün, und der Lkw-Fahrer hat sie beim Rechsabbiegen übersehen." Anton Schnürer

    Weißes Fahrrad erinnert an seine Tochter

    Ein weiß lackiertes Fahrrad, ein sogenanntes Ghost-Bike, hat Anton Schnürer als Erinnerung an seine tote Tochter aufgestellt. An der Stelle, wo sie starb, an einer Kreuzung am Olympia-Einkaufszentrum. Die Idee zu den Ghost-Bikes stammt von der ÖDP-Fraktion im Münchner Stadtrat. Gemeinsam mit dem Fahrradclub ADFC wollen die Mitglieder damit auf die vielen verletzen und getöteten Fahrradfahrer in München aufmerksam machen. 2017 waren es fünf Tote, mit dem tragischen Unfall eines erst neun Jahre alten Mädchens im Münchner Norden, sind es dieses Jahr schon zwei tödliche Fahrradunfälle.

    "Diese Unfälle sind vermeidbar und ich kann nur sagen, wie ich das gehört habe von dem neunjährigen Mädel. Ich habe so einen Kloß in der Brust, weil, ich habe auch Kinder. Ich finde das eines der schlimmsten Dinge, die man sich vorstellen kann und deswegen engagiere ich mich hier bei dieser Radsicherheit ganz enorm. Weil ich will, dass diese Unfälle in Zukunft nicht wieder vorkommen in dieser Stadt." Sonja Haider, Mitglied der ÖDP-Stadtratsfraktion

    Zwar habe der Stadtrat vor kurzem beschlossen, das Ziel "Vision Zero", also null Verkehrstote, ins städtische Verkehrssicherheitskonzept aufzunehmen, doch nun müssten auch entsprechende bauliche Maßnahmen folgen, fordert Haider.

    "Ich werde zum Anlass nehmen heute, dass ich nachfragen werde: Was ist in den letzen drei Jahren bei all den Unfällen, da wo wir die Räder aufgestellt haben, was ist da passiert?" Sonja Haider

    Klarere Fahrbahnmarkierungen, besser geschaltete Ampeln, breitere Radwege und Abbiegespuren - mit solchen Anregungen wollen ÖDP und Fahrradclub das Radfahren in München sicherer machen.

    Auch Lkw müssen sicherer gemacht werden

    Doch auch die Speditionen stehen in der Verantwortung. Sogenannte Abbiegesysteme können die Lkw-Fahrer auf Personen im Toten Winkel aufmerksam machen, etwa durch lautes Piepsen, erklärt Professor Wolfram Hell. Er erforscht seit Jahren an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität das Thema Verkehrssicherheit:

    "Für was wir plädieren, wäre auf jeden Fall bei LKW, die in die Stadt fahren, also wo Konflikte passieren mit den Radfahrern, dass die verpflichtend ein Toten-Winkel-Erkennungssystem haben müssen. Und wenn das vorgschrieben würde, würde das auch sehr schnell umgesetzt werden, dann würde selbst der letzte Spediteur in Tschechien oder in Polen diese Systeme installieren müssen, weil sonst dürfte er ja gar nicht mehr rein." Prof. Wolfram Hell, LMU München

    Nutzen eines Toten-Winkel-Assistenzsystems umstritten

    Nicht einmal ein Prozent aller Lkw in Deutschland haben solche Abbiegesysteme eingebaut, gesetzlich vorgeschrieben sind sie bislang nicht. Hell schätzt, dass die Nachrüstung pro Lkw zwischen 300 und 1.000 Euro kosten würde. Zum Vergleich: Die Anschaffung eines Lkw kostet um die 95.000 Euro. Ulrich Pfaffenberger, Sprecher des Landesverbands der bayerischen Spediteure, bezweifelt die Zuverlässigkeit solcher Systeme. Technik allein biete keine hundertprozentige Sicherheit.

    "Die Daten, das Wissen, das wir heute haben, deutet darauf hin, dass diese Assistenten ein schönes Versprechen sind. Aber es ist nicht nachweisbar, dass sie auch genau den Zweck erfüllen, den man sich wünscht, dass sie den erfüllen." Ulrich Pfaffenberger, Sprecher des Landesverbandes der bayerischen Spediteure

    Eine eindeutige gesetzliche Vorgabe würde der Verband aber begrüßen, so Pfaffenberger. Selbstverständlich würden die Speditionen dann auch entsprechend nachrüsten. Darauf will Anton Schnürer nicht länger warten.

    "Es gibt die Systeme und die kosten nicht die Welt. Ein Menschenleben kostet mehr." Anton Schnürer

    Und an die Stadt appelliert er:

    "Da könnte München mal endlich eine Vorreiterrolle einnehmen, nicht immer nur hinten nach. Man macht ja immer hinten nach, wenn was passiert. Das ist ja dann zu spät." Anton Schnürer