Der Sarg von Königin Elizabeth II. auf einer Lafette gezogen von Marinesoldaten am Montag.

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Queen findet nach historischem Ereignis letzte Ruhestätte

Queen findet nach historischem Ereignis letzte Ruhestätte

Kommentatoren sprechen von einem beispiellosen Spektakel in der jüngeren britischen Geschichte: das Staatsbegräbnis für Queen Elizabeth II. Die königliche Familie folgte ihr auf der letzten Reise, Hunderttausende säumten die Straßen.

Die Ausgestaltung dieses Tages hatte die Queen zu Lebzeiten noch mitbestimmt: Am Montag nahmen Großbritannien und die Welt nun Abschied von Elizabeth II. Mit einem königlichen Jahrhundertereignis erwiesen zahlreiche Staatsoberhäupter und Hunderttausende Menschen auf den Straßen ihr die letzte Ehre.

Sarg in königliche Gruft herabgelassen

Am Nachmittag fand ein Trauergottesdienst im kleineren Kreis statt. An der Feier in der St. Georges-Kapelle des Schlosses nahmen 800 Gäste teil, darunter neben Mitgliedern der Königsfamilie und Politikern auch ehemalige Mitarbeiter der Queen. Anschließend wurde der Sarg der Queen in die königliche Gruft unter der St.-Georges-Kapelle auf dem Gelände von Schloss Windsor hinuntergelassen. Es war das Ende des öffentlichen Teils des Staatsbegräbnisses. Zuvor waren die Insignien, Krone, Zepter und Reichsapfel vom Sarg genommen und auf dem Altar platziert worden.

Am Abend wurde die Queen dann im engsten Kreis ihrer Familie in der kleinen King-George-VI.-Gedenkkapelle, einer Seitenkapelle beigesetzt. Damit wurde sie wieder mit ihrem langjährigen Ehemann Prinz Philip vereint, wie aus einer Mitteilung der königlichen Familie hervorgeht. Philip war im vergangenen Jahr im Alter von 99 Jahren gestorben. Auch die Eltern, "Queen Mum" und König George VI., sowie die Urne ihrer jüngeren Schwester Prinzessin Margaret, die auf eigenen Wunsch - entgegen der Tradition - kremiert wurde, liegen dort.

Zahlreiche Menschen verfolgen Prozession

Auf den Straßen war die Anteilnahme den Tag über groß: Unzählige Arme hielten Handys in die Höhe, um die feierliche Prozession prächtig gewandeter Militärs, Trommler und Vertreter der königlichen Familie zu filmen, die den Sarg an diesem Tag begleitet. Auch der neue König und Sohn der Queen, Charles III. wirkte ergriffen: Bilder ließen Tränen in den Augen des 73-Jährigen erahnen.

Gottesdienst in der Westminster Abbey

Bereits um die Mittagszeit brachten Sargträger den in die königliche Standarte gehüllten Sarg in die Westminster Abbey. Dort nahmen etwa 2.000 Gästen an einem einstündigen Gottesdienst teil. Gut ein Dutzend Königinnen und Könige, dazu Sultane und sogar der japanische Kaiser Naruhito, der sonst nie an Beisetzungen teilnimmt, waren dabei. US-Präsident Joe Biden war ebenso angereist wie der französische Staatschef Emmanuel Macron und Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er rechne in nicht allzu ferner Zukunft mit einem Besuch des neuen britischen Königs in Deutschland, sagte Steinmeier dem ZDF.

Auch die sechs noch lebenden britischen Ex-Premierminister sowie die amtierende Regierungschefin Liz Truss nahmen an dem Staatsakt teil. Truss übernahm ebenso eine der Lesungen wie die Generalsekretärin des Staatenbunds Commonwealth, Patricia Scotland. Blumenschmuck und Musik waren eigens wegen ihrer Symbolik für die Queen ausgewählt worden.

Gäste singen "God Save the King"

Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, erinnerte in seiner Predigt an die viel beachtete Rede der Queen an die Nation während der Corona-Pandemie. Elizabeth II. sprach ihren Untertanen damals Mut zu und sagte: "Wir werden uns wiedersehen." Zum Abschluss des Gottesdienstes ertönte das Signal "The Last Post". Nach zwei Schweigeminuten trug der Dudelsackpfeifer der Queen das Stück "Sleep, dearie, sleep" vor. Schließlich wurde die Nationalhymne in der neuen, männlichen Version "God Save the King" gesungen.

Sarg zieht mit Botschaft von Charles durch London

Nach dem Gottesdienst zog der Leichnam der Queen durch die Stadt: Etliche Soldaten in Galauniform schritten mit dem Sarg an den Stätten von Elizabeths 70-jähriger Herrschaft wie dem Buckingham-Palast vorbei. Viele Uniformen und das Zeremoniell erinnerten viele Betrachter an das einstige britische Empire, das während Elizabeths Regentschaft weiter zerbröckelte.

Ziel war der Triumphbogen Wellington Arch, wo der Sarg in den Leichenwagen umgebettet wurde. Auf dem Sarg thronte den Tag über neben Staatskrone, Reichsapfel und Zepter auch ein persönlicher Brief von Charles an seine Mutter. "In liebevoller und treuer Erinnerung. Charles R." Das "R." steht dabei für Rex, das lateinische Wort für "König".

Blumen für die Queen

Einige Trauernde warfen vom Rand Blumen auf die Straße, als der am oberen Teil verglaste, extra angefertigte Leichenwagen die Königin zum letzten Mal aus der britischen Hauptstadt zur Beisetzung in ihre 35 Kilometer entfernte, geliebte Residenz Schloss Windsor brachte. Wer nicht anreiste, konnte die Trauerfeier übertragen in Kinos, vielen Kirchen und auf Leinwänden an öffentlichen Orten verfolgen. Die Queen war am 8. September im Alter von 96 Jahren auf ihrem Landsitz Schloss Balmoral in den schottischen Highlands gestorben.

"Pomp und Zeremonien - das können wir Briten wirklich gut"

Die Nachrichtenagentur AFP zitierte eine pensionierte Krankenschwester, die vor vier Jahren aus New York nach London gezogen war: "Ich wusste, dass es gut sein würde, aber es war noch besser als ich dachte", sagte sie. "Ich hatte Tränen in den Augen und Gänsehaut." Es sei ein kaum zu beschreibendes Gefühl, "wenn man den Sarg der Queen vorbeifahren sieht".

Eine 41-jährige Logistikmanagerin hielt fest: "Pomp und Zeremonien - das können wir Briten wirklich gut." Für einen letzten Blick auf den Sarg der Queen versammelten sich bereits im Morgengrauen hunderte Menschen im Zentrum Londons.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt

Für die Behörden war das Staatsbegräbnis eine enorme Herausforderung: Polizei, Geheimdienste und Anti-Terror-Einheiten koordinierten dafür die wohl größte Sicherheitsoperation, die die Stadt je erlebt hat. Derweil stand das Land still - fast überall blieben Schulen und Universitäten sowie Geschäfte geschlossen.

Mit Material von AFP und dpa.

Trauerfeier für die Queen

Bildrechte: BR

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