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Prekäre Jobs: Wie Arbeit auf Abruf zermürbt | BR24

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Prekäre Jobs: Wie Arbeit auf Abruf zermürbt

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    Prekäre Jobs: Wie Arbeit auf Abruf zermürbt

    Viele Menschen leben in prekären Arbeitsverhältnissen. Was sie verdienen, reicht nicht zum Leben. Die häufige Folge: Sie müssen mehrere Jobs annehmen oder arbeiten auf Abruf. Von Antonia Böhm

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    Katharina muss nebenher Zeitungen austragen, um zusätzlich Geld zu verdienen. Das kann sie nur nachts machen, und das ist anstrengend und beeinträchtigt das Privatleben.

    Sie muss das so machen, weil sie in der Bekleidungsbranche arbeitet, auf Abruf. Das heißt: Sie hat nur eine geringe Anzahl an Stunden fix, der Rest ist auf Abruf. Immer warten, immer das Handy bereit - denn man will ja mehr arbeiten, sonst reicht das Geld am Ende des Monats nicht. 

    Gesetze werden bei Arbeit auf Abruf nicht eingehalten

    Laut Gesetz muss der Arbeitgeber vier Tage vorher Bescheid geben, wenn er seine Arbeitskräfte einsetzen will. Daran hält sich aber fast keiner. Nur ein Drittel der auf Abruf Beschäftigten weiß vier Tage vorher Bescheid, sagt eine Studie. Oft wird am Abend vorher oder am selben Tag angerufen. Im Einzelhandel hören wir immer wieder davon.

    Laut Verdi spart der Arbeitgeber sich damit Geld, etwa 30 Prozent Personalkosten aufs Jahr gesehen. Die Arbeitnehmer machten das mit, weil sie ja darauf angewiesen seien, mehr zu arbeiten und Angst hätten, beim nächsten Mal übergangen zu werden.

    280.000 Menschen in Bayern arbeiten auf Abruf

    Viele Kolleginnen von Katharina haben ein ähnliches Schicksal: Manche bekommen nur acht Stunden, andere mehr. Sie müssen ständig warten, und am Ende reicht das Geld nicht. Sie können nichts auf die hohe Kante legen. Einen Zweit-Job anzunehmen, geht auch nicht. Denn sie leben unter dem ständigen großen Druck, immer bereit sein zu müssen. Und nach Katharinas Erfahrung wird die Bitte um mehr Arbeitsstunden immer abgelehnt. 

    Nicht nur im Einzelhandel ist das ein häufiges Geschäftsmodell, sondern auch in der Gastronomie oder in der Verkehrsbranche. In Bayern sind über 280.000 Menschen auf Abruf beschäftigt. Die Gewerkschaft Verdi fordert: Arbeitsstunden müssen klar geregelt sein. Arbeitszeiten müssen verlässlich planbar sein.

    Katharina und ihre Kollegin hoffen, dass sich ihre Situation irgendwann verbessert. Mit dem ständigen Warten und Hoffen auf den Anruf, dem Bangen gegen Monatsende - leben können sie so nicht gut.