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Mythos Kibbuz: Das Ideal vom besseren Leben | BR24

© B5 Reportage

Mythos Kibbuz: Das Ideal vom besseren Leben

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Mythos Kibbuz: Das Ideal vom besseren Leben

Israel wird 70 Jahre alt. Als Ideal galt den Staatsgründern damals ein Leben im Kibbuz, wo alle gleich sind und es kein Privateigentum gibt. Immer noch stehen die Dörfer für die einstigen Träume. Einer aber ist bis heute unerreicht.

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Als Israel vor 70 Jahren entstand, lebte etwa jeder zwölfte Bürger in einem Kibbuz. Es gab kein Privateigentum. Alle waren gleich. Das Motto lautete: Der Kibbuz soll besser sein als die übrige Welt. In der Zwischenzeit veränderte sich einiges. Heute leben nur noch die wenigsten in einem Kibbuz.

Zeitzeugin: "Israel ist der Kern, der das jüdische Volk vereint"

Ruth Keren ist 88 Jahre alt. Sie war von Anfang an dabei im Kibbuz Tsuba, wenige Kilometer von Jerusalem entfernt. Sie lebt hier seit ihrem 18. Lebensjahr, es ist ihr Zuhause. "Ich habe hier geheiratet, und hier habe ich fünf Mädchen zur Welt gebracht."

Ruth Keren wurde 1930 in Berlin geboren. Drei Jahre später wanderte ihre jüdische Familie in das damalige Palästina aus. In jenem Jahr, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen.

"Während der gesamten Geschichte war das jüdische Volk auf der Welt zerstreut. Israel ist ein Kern, der das jüdischen Volk vereint." Ruth Keren, 88, lebt im Kibbuz Tsuba

Direkt nach der Staatsgründung begannen die Kämpfe

1948 war Ruth Keren Teil des Palmach, jener Miliz, die später in der israelischen Armee aufging. "Wir tanzten auf den Straßen und freuten uns", erinnert sie sich an die Staatsgründung am 14. Mai 1848, "aber sofort begannen die Kämpfe. Ich habe dabei auch Freunde verloren."

Armeen von fünf arabischen Ländern griffen Israel an. Einen jüdischen Staat im Nahen Osten wollten sie um jeden Preis verhindern. Israel gewann den Krieg. Doch noch heute, 70 Jahre später, haben die meisten arabischen Länder den jüdischen Staat in ihrer Nachbarschaft nicht akzeptiert. Der Traum vom eigenen Staat hat sich erfüllt, aber bis heute gibt es keinen Frieden mit den direkten Nachbarn der Israelis: Den Palästinensern.

Frieden im Nahen Osten bleibt bis heute ein Traum

Für Israelis ist der 70. Geburtstag ihres Staates ein Feiertag. Für die meisten Palästinenser ist es die "Nakba", eine Katastrophe. Hunderttausende Palästinenser flohen damals aus dem Gebiet, das heute Israel ist. Oder sie wurden vertrieben.

Wo heute der Kibbuz Tsuba steht, war früher ein palästinensisches Dorf. Die heutigen Bewohner berufen sich darauf, dass in der Bibel steht, hier sei zur Zeit des Königs David eine jüdische Siedlung gewesen.

Yael Kerem ist gebürtige Südafrikanerin und kam vor 40 Jahren nach Tsuba. Sie räumt ein, dass es nicht einfach sei zu sagen, dass dort, wo sie heute lebt, Araber waren, die vertrieben wurden und jetzt nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren können. Deshalb gebe es seit 70 Jahren keinen Frieden. Dennoch sagt sie: "Aber für das jüdische Volk ist die Bedeutung eines jüdischen Staates erst recht nach dem Holocaust das Wichtigste."

Schriftsteller Amos Oz erhebt sein Glas auf Israel

Auch der israelische Schriftsteller Amos Oz hat eine Kibbuzgeschichte. Mit 14 Jahren zog er von Jerusalem in den Kibbuz Hulda im Zentrum von Israel. Dem Staat Israel bringt er gemischte Gefühle entgegen. Amos Oz hat einmal gesagt: "Ich liebe Israel". Aber er kritisiert den ungelösten Konflikt mit den Palästinensern. Trotzdem kündigte Oz an, er werde den 70. Geburtstag von Israel am 14. Mai feiern.

"Ich werde mein Glas erheben. Es ist nicht so, dass ich die heutige Zeit als Paradies empfinde. Aber ich wurde in der Zeit von Nazi-Deutschland geboren, von Hitler, Stalin, Mussolini. Ich wurde in einer kleinen Enklave geboren, in der sich verängstigte Juden befanden. Wir waren damals nur eine halbe Million. Wir hatten Hoffnungen, ja, aber keine klare Perspektive." Amos Oz, israelischer Schriftsteller