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Weihnachtsmann mit außerirdischem grünen Männchen und fliegender Untertasse auf dem Weihnachtsmarkt am Münchner Flughafen (Archivbild).
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Weihnachtsmann mit außerirdischem grünen Männchen und fliegender Untertasse auf dem Weihnachtsmarkt am Münchner Flughafen (Archivbild).

Neben den Männern mit rot-weißem Pelzmantel oder Bischofsgewand tummeln sich in den Regalreihen vieler Supermärkte die Schneemänner, Weihnachtswichtel und goldenen Bärchen. Und damit nicht genug: Glühwein und gebrannte Mandeln kann man sich hier und da auch auf sogenannten Winter- oder Lichtermärkten schmecken lassen. Einigen vergeht da glatt der Appetit, denn sie fürchten um den Bestand des sogenannten christlichen Abendlandes. Der Flughafen München etwa bekam vor ein paar Jahren heftige Kritik ab, als er seinen Weihnachtsmarkt in "Wintermarkt" umbenannte - schließlich dauerte er über die Weihnachtszeit hinaus.

Um die christliche Tradition, die zur Weihnachtszeit gerade angeblich verloren geht, trauern auch einige BR24-User. Auf Facebook schreibt eine Nutzerin unter unseren Artikel zu den schönsten und ungewöhnlichsten Christkindlmärkten in Bayern: "Leider muss ich nun feststellen, dass Weihnachtsmärkte wegen Wintermärkten verschwinden müssen. […] In der nächsten Generation wird kaum mehr einer den Ursprung von St. Martin, St. Nikolaus und Weihnachten kennen."

Der Weihnachtsmarkt als Event: Kein Symptom einer Entchristlichung

Großes Brauchtum und lange Traditionen auf unseren heutigen Christkindl-, Advents- oder Weihnachtsmärkten also? Die Antwort lautet ganz klar: nein. Denn mit ihren mittelalterlichen Vorläufern haben sie ebenso wenig zu tun wie die neuen "Wintermärkte". Der Theologe und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti sagt:

"Weihnachtsmärkte waren früher angesetzt, um das zu beschaffen, was man selber nicht hatte, aber für Weihnachten brauchte. Das war Kleidung, das waren Gewürze für die Gebäcke und Speisen und drittens war es eventuell noch Spielzeug, das man kaufen musste, weil man es nicht herstellen konnte. Und deshalb waren die Weihnachtsmärkte relativ kurz, zwei oder drei Tage und dann gab’s auch nichts mehr." Manfred Becker-Huberti, Theologe und Brauchtumsforscher

Schnee-Eule neben Nikolaus. Winter- neben Christkindlmarkt. Das habe weder mit der Säkularisierung noch mit einer vermeintlichen Entchristlichung zu tun, so Becker-Huberti. Der Weihnachtsmarkt als Event kam in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg auf, als es mit der Wirtschaft wieder bergauf ging, die Gabentische voller, das Angebot an Essen und Trinken reichhaltiger wurde. Entsprechend vielfältiger wurde auch das kommerzielle Angebot rund um Advent und Weihnachten.

"Das liegt nicht an der Säkularisierung, sondern das liegt daran, dass, wenn ein Brauch kommerziell nutzbar ist, dass dann die Geschäftsleute das mit allen Tricks ausweiten und so lange das funktioniert, wird der Brauch erweitert, bis er irgendwann platzt, weil es den Leuten auf den Geist geht und ihnen nicht mehr passt. Dann ist die Geschichte auch zu Ende." Manfred Becker-Huberti, Theologe und Brauchtumsforscher

Flughafen München: "Winter- und Weihnachtsmarkt"

Hinter unserem bunten Weihnachtsrummel stecken vor allem wirtschaftliche Interessen. Deshalb hat auch der Münchner Flughafen seinen Weihnachtsmarkt schon vor mehr als zehn Jahren in "Wintermarkt" umbenannt und über einen längeren Zeitraum geöffnet. An der Bezeichnung störte sich lange niemand, doch 2015 brach ein Shitstorm über die Facebookseite des Münchner Flughafens herein. Losgetreten hatte den eine rechtspopulistische Website. Die Bezeichnung Wintermarkt, so der verquere Vorwurf damals wie heute, sei Zeugnis einer schleichenden Islamisierung unserer Gesellschaft.

Auch als Reaktion auf diese Kritik heißt der Markt am Münchner Flughafen mittlerweile "Weihnachts- und Wintermarkt". Als Einknicken will der Pressesprecher die erneute Umbenennung aber nicht verstanden wissen. Der neue Name umfasse nun beide Ideen: Zum einen finden die Besucher einen Wintermarkt, der länger als über die traditionelle Weihnachtsmarktsaison geöffnet habe. Zum anderen spiegele sich nun der weihnachtliche Aspekt im Titel wider, so der Sprecher. Beschwert habe sich über den Markt am Münchner Flughafen seitdem niemand mehr.