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"Paradise Papers": Unterschiedliches Recht für Arm und Reich | BR24

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© pa/dpa/H. Wilhelmy

Bankenviertel in Nassau (Bahamas)

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"Paradise Papers": Unterschiedliches Recht für Arm und Reich

Ein Jahr nach den "Panama Papers" offenbaren die "Paradise Papers", wie 120 Politiker, Sportler und Unternehmer ihr Geld in Steueroasen verstecken. Der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn sagte, sie verdeutlichten die Kluft zwischen Arm und Reich.

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"Es gibt eine Regel für die Superreichen - und eine andere für den Rest, wenn es um das Zahlen von Steuern geht", erklärte Corbyn in London. Der in Russland lebende US-Whistleblower Edward Snowden twitterte: "Leak day is my favorite day" ("Ein Datenleck-Tag ist mein Lieblingstag"). 2013 hatte Snowden massenhaft Dokumente des US-Geheimdienstes National Security Agency (NSA) gestohlen und an Journalisten weitergegeben.

Auch deutsche Unternehmer und Erben auf Liste

Wie die "Süddeutsche Zeitung" gemeldet hatte, verfügt sie über 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen, die Steuertricks um Briefkastenfirmen von einer Anwaltskanzlei auf den Bermudas und einer Firma in Singapur offen legen. Auch zu Geschäftspraktiken einiger Weltkonzerne gebe es darin Informationen, ebenso zu bekannten deutschen Unternehmern und Firmenerben.

Die Offshore-Industrie mache die Armen ärmer und vertiefe die Vermögensungleichheit, sagt Brooke Harrington, Autorin des Buches "Kapital ohne Grenzen", der "Süddeutschen Zeitung". Das System der Steueroasen ermögliche es nicht nur, Steuern zu vermeiden, sondern auch, Gesetze gezielt zu umgehen, die Reichen nicht passen. "Für die Superreichen gibt es eine Welt außerhalb des Rechts", so Harrington. 

Appleby beklagt "Cyber-Angriff"

In den Daten sollen insgesamt ein Dutzend Berater und Großspender von US-Präsident Donald Trump auftauchen. Auch Vermögenswerte der britischen Queen Elizabeth II. sollen den Berichten zufolge eine Rolle spielen - Geld soll in einer Kaufhauskette angelegt worden sein, die bei Ratenzahlungen Wucherzinsen verlangt habe. Zudem taucht eine Verbindung zum argentinischen Finanzminister Luis Caputo auf. Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos soll unter anderem Chef einer auf Barbados registrierten Holding gewesen sein, bevor er im Jahr 2000 Finanzminister Kolumbiens wurde. Genannt wird auch U2-Sänger Bono.

Die auf den Bermudas ansässige Anwaltskanzlei Appleby hatte vor wenigen Tagen eingeräumt, dass möglicherweise illegal Datenmaterial dem weltweiten Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) zugespielt worden sei; man habe entsprechende Medienanfragen bekommen. Die Firma betont, auf legale Offshore-Praktiken zu setzen und im Einklang mit den Gesetzen zu handeln. Man nehme alle Vorwürfe aber "extrem ernst". Nach sorgsamer und intensiver Prüfung sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass es keinerlei Belege für Fehlverhalten seitens der Firma oder ihrer Klienten gebe. Appleby sprach nicht von einem Datenleck, sondern von einem illegalen "Cyber-Angriff".