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    Streit um waidgerechte Drückjagd

    Ein Jäger aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck hat die Stadt München verklagt, weil sie in einem ihrer Reviere eine Drückjagd auf Rehwild durchgeführt hat. Sein Vorwurf: Das sei unwaidmännisch. Darüber ist ein Streit entbrannt. Von Tobias Chmura

    Von
    Anja WahnschaffeAnja Wahnschaffe

    Jäger Alexander Frank hat in seinem Revier in Jesenwang bei Fürstenfeldbruck vor einigen Wochen eine grausige Entdeckung gemacht.

    "Im Grunde war das eine Katastrophe, weil dem Stück Wild bei lebendigem Leibe die Keule rausgefressen worden ist. Man hat es weit schreien hören, im Grunde unerträglich." Alexander Frank, Jäger

    Die Schuldigen: Jagdhunde aus dem benachbarten Revier. Das gehört der Stadt München. Dort waren Jäger gerade auf Drückjagd.

    Wann ist eine Drückjagd waidgerecht?

    Bei einer Drückjagd treiben Hunde das Wild aus dem Dickicht sozusagen direkt vor die Flinten der Jäger. Die Kreisgruppe der Jäger in Fürstenfeldbruck sagt: Diese Methode sei nicht waidgerecht, erst recht nicht in einem so kleinen Revier von 160 Hektar, wie in Jesenwang.

    Nun hat Alexander Frank Strafanzeige gestellt. Denn schon im Januar gab es einen ähnlichen Fall.

    Zwar sind Jagdhunde dafür ausgebildet, ein angeschossenes Reh durch einen gezielten Biss in die Kehle zu erlösen. Einem noch gesunden Tier aber das Bein ausreißen - das sollte nicht passieren:

    "Mir geht’s halt darum, dass das Tier nicht unnötig Leiden erleiden muss. Wenn ich ungeeignete Hunde einsetze, kommt das natürlich soweit. Das ist natürlich ein wahnsinniger Stress und Tierquälerei, man kann das hier einfach anders regeln." Alexander Frank, Jäger

    Die Forstverwaltung München hält ihre Jagdhunde aber auf jeden Fall für geeignet. Außerdem könnten die relativ kleinen Hunde kaum ein gesundes Reh einholen, sagt der Betriebsleiter der Münchner Forstverwaltung, Jan Linder:

    "Warum das jetzt in diesem Fall passiert ist, ist mir selber unerklärlich, es kommt vor, aber ganz selten. Aus meiner Sicht muss das eine Verkettung unglücklichster Umstände gewesen sein!" Betriebsleiter der Münchner Forstverwaltung, Jan Linder

    Dafür hat Alexander Frank in Jesenwang kein Verständnis. Er jagt Rehe lieber von der Kanzel aus statt auf Drückjagden – auch wenn das länger dauert.

    München ist auf "Drückjagd angewiesen"

    Bei der Münchner Forstverwaltung heißt es jedoch: In den insgesamt 5.000 Hektar Wald der Stadt sei man auf die Drückjagd mit Hunden angewiesen. Denn München bewirtschaftet seine Wälder naturnah, ist sogar öko-zertifiziert.

    Das bedeutet: Der Mensch greift nur wenig in die Natur ein. Stattdessen pflanzen sich die Bäume überall selbst fort und bilden so einen dichten Wald. Mit Folgen für die Jäger, erklärt Jan Linder von der Forstverwaltung:

    "Wir bewegen uns hauptsächlich mit unseren Jagden im Wald mit unserer Verjüngung, die Sie hier sehen. Das heißt, das Wild ist sehr heimlich, das Wild hat super Versteckmöglichkeiten und wir spüren es ohne Hunde nicht auf." Betriebsleiter der Münchner Forstverwaltung, Jan Linder

    Drückjagden mit Hunden soll es deshalb weiterhin geben. Und der Streit um die richtige Form der Jagd wird wohl in die nächste Runde gehen.

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