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Elektroschock-Waffe für bayerische Polizei | BR24

© pa/dpa

Bayerische Polizei testet Taser

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    Elektroschock-Waffe für bayerische Polizei

    Die Bayerische Polizei wird spätestens ab dem nächsten Jahr Elektroschockpistolen testen. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks sollen die sogenannten Taser an mehreren Orten erprobt werden, unter anderem in Regensburg und Straubing.

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    Eine US-Militärpolizistin mit Kurzhaarschnitt schreit auf: Gestützt von Kameraden in Tarnuniform kippt sie vornüber wie gelähmt. Ihre Muskeln zucken. Ein Ausbilder hat einen Taser auf sie abgefeuert - eine Art Elektroschockpistole. Dokumentiert ist das auf einem Videokanal der Armee im Internet.

    Auch im bayerischen Polizeialltag könnten Szenen wie diese bald Realität werden. Nach BR-Informationen sollen Polizisten die Waffen in Kürze testen. Spätestens ab Januar 2018 sollen Taser bei allen bayerischen Unterstützungskommandos (USK) sowie in vier Einsatzzügen in Aschaffenburg, Kempten, Regensburg und Straubing erprobt werden. Bisher haben nur Spezialeinsatzkommandos der Bayerischen Polizei Taser eingesetzt. Eine Antwort des Innenministeriums auf eine BR-Anfrage steht aus.

    50.000 Volt sollen Muskulatur lähmen

    Die Waffen verschießen zwei kleine Nadeln über eine Maximaldistanz von rund zehn Metern. Die Nadeln hängen an dünnen Drähten, über die Strom fließt. 50.000 Volt sollen die Muskulatur von Getroffenen kurzzeitig lähmen und sie so über eine sichere Entfernung außer Gefecht setzen. Damit schließen Taser aus Sicht der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) eine Lücke in der Bewaffnung von Polizeibeamten in Bayern. Bislang sind diese mit Pistolen, Schlagstöcken und Pfefferspray ausgerüstet.

    "Setzt man einen Schlagstock ein, muss man ein Gegenüber sehr nah an sich heranlassen. Dann besteht Verletzungsgefahr für beide Seiten. Pfefferspray hingegen wirkt in gewissen Situationen überhaupt nicht. Zum Beispiel, wenn jemand in einem psychischen Ausnahmezustand ist oder wenn jemand stark alkoholisiert ist. Dann haben wir noch die potenziell tödliche Schusswaffe. Die Lücke zwischen den drei Waffen schließt aus unserer Sicht der Taser. Anders als die Pistole wirkt er nicht tödlich." Michael Hinrichsen, Stellvertretender Landesvorsitzender DPolG

    Keine Auswirkungen auf Risikogruppen

    Zwei von österreichischen Behörden in Auftrag gegebene Studien der Technischen Universität Graz kommen zu dem Ergebnis, dass Taser-Beschuss keine Auswirkungen auf Menschen einer Risikogruppe habe. Das Hessische Innenministerium, das die Waffen ebenfalls testen lässt, hält lebensbedrohliche Verletzungen in Einzelfällen für möglich. Also Risikogruppe gelten für das Innenministerium Personen mit (kardialen) Vorerkrankungen, Schwangere, Kinder, Ältere und Personen mit Intoxikationen. Belastbare Erkenntnisse lägen aber nicht vor, heißt es weiter.

    Hemmschwelle könnte gesenkt werden

    Zu den Kritikern von Taser-Einsätzen zählt etwa die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Sie warnt, dass Taser wegen ihrer vermeintlichen Ungefährlichkeit die Hemmschwelle von Beamten senken, überhaupt eine Waffe zu ziehen. "Es besteht das Risiko, dass Taser unverhältnismäßig eingesetzt werden", sagt Amnesty-Waffenexperte Mathias John.

    Sendung

    Mittags in Niederbayern und Oberpfalz

    Von
    • Kilian Neuwert
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