Männer in traditionellen Gewändern aus dem Jahre 1500 halten Speere und Spieße in die Luft.
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Die Mindelheimer spielen die Geschichte der Stadt um das Jahr 1500 nach und feiern ihren Stadtherren und Landsknechtführer Georg von Frundsberg.

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Mindelheimer fiebern darauf hin: Das Frundsbergfest beginnt

Gaukler, Marketenderinnen, Landsknechte: beim Frundsbergfest gehört ihnen die Stadt. Bis zum 2. Juli feiert das schwäbische Mindelheim seinen Stadtherren Georg von Frundsberg. Der Ritter-Darsteller und seine Familie gehen gemeinsam auf Zeitreise.

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19 Zentimeter ist er lang - der Bart von Wolfgang Streitel. Er spielt den Ritter Georg von Frundsberg. Und der hatte einen Vollbart. "Ich trage normal keinen Bart. Maximal einen Dreitagebart. Und ich habe mich am 22. Dezember 2022 das letzte Mal rasiert. Das ist genau ein halbes Jahr vor dem Fest", sagt Streitel. Doch viel länger schon dreht sich bei den Streitels alles um das Frundsbergfest. "Seit 2019 bereiten wir uns als Familie auf unseren Einsatz als Hauptdarsteller auf dem Frundsbergfest vor", sagt Ehefrau Regina Streitel.

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Sechs Monate hat sich Wolfgang Streitel nicht rasiert. Und jetzt sieht er dem echten Georg von Frundsberg (rechts) schon ziemlich ähnlich.

Aus den Streitels wird Familie Frundsberg

Sie spielt Frundsbergs zweite Frau Anna von Lodron. Tochter Cara-Valentina mimt Siguna, eine Tochter von Georg von Frundsberg. Die drei haben heuer Premiere als Hauptdarsteller. Das Frundsbergfest erinnert an den damaligen Stadtherren und Landsknechtführer Georg von Frundsberg (1473 bis 1528). Und dazu reist vom 23. Juni bis zum 2. Juli ganz Mindelheim ins Mittelalter. In den Gassen der Mindelheimer Altstadt sind Lager aufgebaut. Dazu gibt es ein umfangreiches Festprogramm: Tänze, Theater, Mittelaltermarkt, Fahnenschwinger und vieles mehr. Mitzumachen hat man offenbar im Blut: "Im Mindelheimer Blut mit Sicherheit. Man wächst als Mindelheimer, was wir alle drei gebürtig sind, mit dem Fest auf. Und man fiebert alle drei Jahre, wenn das Fest kommt darauf hin", sagt Wolfgang Streitel.

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Regina, Wolfgang und Cara-Valentina Streitel sind die Hauptdarsteller beim Frundsbergfest.

Nicht nur alle drei Jahre beim Frundsbergfest haben die Streitels Einsätze als Familie Frundsberg. Auch dazwischen treten sie bei Veranstaltungen in Mindelheim auf oder reisen zu anderen Mittelalterfesten. Der Plan für die nächsten zwei Wochen ist ziemlich voll und gut durchgetaktet. Vor allem für das Anlegen der historischen Gewänder muss entsprechend viel Zeit eingeplant werden. Das blaue Samtkleid von Regina Streitel hat 30, das grüne von Tochter Cara-Valentina 50 Hacken. "Mit diesen wird das Kleid hinten historisch verschlossen. Und da brauchen wir tatsächlich immer jemanden, der uns rein hilft und wieder raus. Alleine können wir unsere Kostüme nicht anziehen", sagt Regina Streitel.

Im extra eingerichteten Ankleidezimmer im Haus der Streitels werden alle Kostüme, Hüte und Schmuck aufbewahrt. Reginas Hauptkostüm ist das blaue Samtkleid. Es ist mit goldenen Bordüren und unzähligen Perlen verziert und wiegt um die sieben Kilo. Mit den langen Ärmeln und dem schweren Stoff sieht es herrschaftlich aus, aber auch sehr warm. Regina Streitel hebt den Arm des Kleides hoch und verrät: "Man schwitzt unangenehm, ja. Aber ich habe hier ein paar Lüftungsschlitze eingebaut, hier unter der Achsel. Die helfen schon ein bisschen, aber wenn es 30 Grad hat, hilft nur viel trinken."

Frundsbergs Rüstung wiegt 35 Kilo

Weiter hinten im Zimmer steht eine glänzende Ritterrüstung. 35 Kilo wiegt das Teil. Zwei Mal, bei den großen Festumzügen an den Sonntagen, muss Wolfgang Streitel sie auf dem Fest tragen. Sein Kostüm für offizielle Anlässe ist aber auch nicht viel luftiger: eine sogenannte Schaube. Das ist ein mit Pelz besetzter Umhang. Alles soll so authentisch wie möglich sein. Die Mitwirkenden beim Frundsbergfest achten auf jedes Detail. Die Mitwirkenden tragen keine Uhren und - wenn es möglich ist - keine Brillen. Für die Streitels ist das Frundsbergfest ein Hobby. "Wir haben uns als Familie gemeinsam dazu entschieden das zu machen und haben so auch immer eine gemeinsame Zeit, die wir verbringen und das macht es für unsere Familie so besonders", sagt Regina Streitel.

Lager in der Altstadt

Während des Festes wird die Familie viel Zeit in ihrem Lager in der Mindelheimer Altstadt verbringen. Ein großes Team an Helfern hat in den letzten Jahren jeden Samstag daran gearbeitet. Entstanden ist ein mittelalterliches Lager, das Georg von Frundsberg mit seinem Hofstaat auf Feldzügen aufgebaut hat. Mit dabei: eine Küche, Schlafplätze und ein riesiges Zelt, in dem Freunde und Gäste empfangen werden können.

Am Freitag um 19 Uhr beginnt das "Historische Altstadtfest". Ab dann tummeln sich Gaukler, Marketenderinnen und Landsknechte in den Straßen der Mindelheimer Altstadt. Und die Streitels mittendrin. Sie freuen sich jetzt schon auf die zweiwöchige Zeitreise ins Mittelalter.

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