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Nach Meinung des Bund Naturschutz in Bayern ist 2021 ein Entscheidungsjahr für den Gesundheits- und Klimaschutz. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie stark die Verbreitung von Krankheiten mit der Ausbeutung unberührter Lebensräume zusammenhänge.

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Corona-Krise als Chance: Bund Naturschutz Bayern zieht Bilanz

Seine jährliche Abschlussbilanz verbindet der Bund Naturschutz Bayern im Corona-Jahr mit einer Warnung: 2020 habe in erschreckender Art und Weise gezeigt, wie verwundbar unsere Welt und unser Lebensstil sind. Das müsse Allen klar werden.

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Von
  • Rika Dechant

In seinem jährlichen Abschlussbericht zieht der Bund Naturschutz Bayern eine mahnende Bilanz: Das Jahr 2020 habe in erschreckender Art und Weise gezeigt, wie verwundbar unsere Welt und unser Lebensstil sind. Der Gesellschaft müsse klarer gemacht werden, wie eng Klima- und Gesundheitsschutz miteinander zusammenhängen. Dies sei eines der Hauptziele für das kommende Bundestagswahljahr.

Für den Bund Naturschutz war 2020 zunächst ein gutes Jahr: Erstmals wurde die Schwelle von 250.000 Mitgliedern und Förderern in Bayern überschritten. Auch konnte der Verein trotz der Corona-Maßnahmen weiter im Einsatz für den Amphibienrettungsschutz und die Energiewende tätig sein.

Krise als Chance für Mobilitätswende

Die durch die Corona-Krise geänderte Mobilität sehen die Naturschützer sogar als Chance: Viele haben statt gewohnter Flugreisen wieder die Naherholung für sich entdeckt. So sind eine intakte Natur und die Rettung der Landschaften vor neuem Straßenbau und Zerschneidung weitere Ziele für die kommenden Jahre.

Gesundheits- und Klimaschutz gehen einher

Gesundheits- und Klimaschutz seien dabei keine separaten Gebiete. Laut Bund Naturschutz hängt nämlich "alles mit allem zusammen".

"Wir wissen, dass Viren leichter übertragen werden können, wenn der Mensch in die Wildnis eindringt. Wenn wir, um billig Fleisch zu produzieren, Sojaplantagen im Regenwald anlegen, dann kann natürlich die Übertragung stattfinden, und deswegen müssen wir die natürlichen Gesetzmäßigkeiten beachten und müssen wieder achtsam mit Natur und Umwelt umgehen." Richard Mergner, Landesvorstand Bund Naturschutz Bayern

Das Jahr 2020 hat erneut gezeigt, dass Dürreperioden, im Wechsel mit Starkregen, statt zur Durchfeuchtung des Bodens zu Überflutungen führen. Bei den zunehmenden Hitzewellen heizen sich die Städte auf. Die Klimakrise bringt Wetterveränderungen, die massiv unsere Gesundheit beeinträchtigen.

Mehr Grün sorgt in Städten vor allem im Sommer für besseres Klima

Nicht nur auf dem Land, sondern gerade in Städten sind Bäume wichtig für den Menschen. Alleen sind vor allem im Sommer eine ganz natürliche grüne Klimaanlage, erklärt BN-Artenschutzreferent Kai Frobel. Ein einzelner Baum verdunstet 400 Liter am Tag, was bedeutet, dass eine Allee oder dichte Bepflanzung gerade in Hitzeperioden gut kühlt.

"Es gibt neue Studien, die der Bund Naturschutz ausgewertet hat, dass viel Stadtgrün, viele alte große Bäume tatsächlich auch die Lebenserwartung erhöhen und dass die Zahl der Herzkreislauferkrankungen zurück geht. Letztendlich sind die Bäume auch Schadstofffilter: Wenn in nur einer Allee die Bäume entfernt würden, hätte man ein Drittel mehr Luftschadstoffbelastung." Kai Frobel, BN-Artenschutzreferent

Treibhausgase reduzieren, Erderwärmung verringern

Mit Blick in die nahe Zukunft bleiben die Ziele des BN die alten: Treibhausgase reduzieren, Erderwärmung verringern. Das gilt für die Mobilität wie für die Energieerzeugung zuhause. Hier gibt es vor allem in Franken eine Hochkultur: Viele Bürgerenergiegenossenschaften beteiligen sich an Windkraftanlagen. Im Nürnberger Land würden jetzt noch zwei davon gebaut, was laut BN Ausnahmefälle seien, weswegen die Abstandsregelung dringend reformiert werden müsse.

Klima- und Denkmalschutz kein Widerspruch

Auch dort, wo der Klimaschutz bislang oft schwierig erscheint, wie bei denkmalgeschützten Häusern, ist energetische Sanierung möglich. Ein Musterbeispiel ist die Bauernfeindsiedlung in Nürnberg. Das Stadtgebiet aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts steht eigentlich unter Denkmalschutz. Jedoch konnten diese alten Häuser mit einem Wärmeverbundsystem erst mal fit gemacht werden, so dass sie weniger Energie brauchen. Zudem wurden auf dem Dach Solaranlagen zur Stromerzeugung angebracht.

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Richard Mergner, Landesvorstand Bund Naturschutz Bayern vor der energetisch sanierten Bauernfeindsiedlung in Nürnberg

Erzielte Erfolge auf europäische Ebene heben

Bislang erzielte Erfolge wie das Volksbegehren "Rettet die Bienen" will der BN noch auf Europäische Ebene gehoben sehen. Beim Naturschutz müsse größer als landesweit gedacht und gehandelt werden. Mit der Bundestagswahl will der BN 2021 zum Entscheidungsjahr machen und auf Allianzen setzen: Mit der IG Metall, weil beim ökologischen Umbau das Soziale nicht vergessen werden dürfe, und mit der Industrie, da es für die neue Energiegewinnung modernste Technik brauche.

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