Franken - Zeitgeschichte


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Zimmerau/Rieth Ein Turm und ein Trabbi am Grenzstreifen

434 Grenztürme standen an der deutsch-deutschen Grenze. Nahe Zimmerau (Lkr. Rhön-Grabfeld) steht ein Aussichtsturm, der vom Westen aus einen Blick über die Grenze ermöglichte. Manfred Greck patrouilliert dort regelmäßig mit seinem Kübel-Trabbi.

Stand: 22.08.2011 | Archiv

Manfred Greck aus Ostheim mit seinem "Grenz-Trabbi" | Bild: BR-Mainfranken/Hanns Friedrich

Manfred Greck aus Ostheim vor der Rhön besitzt einen olivgrünen Trabant ohne Dach und ohne Türen. Mit seinem Kübel-Trabbi fährt er an Wochenenden den Kolonnenweg an der unterfränkisch-thüringischen Grenze ab. "Ich zeige der Bevölkerung, die hier an die Grenze kommt, Leuten, die die Grenze noch nie gesehen haben, mit meinen Bildern die Grenze in original." Bei seinen Aktionen sind neben den Fotos aus der Zeit vor der Wiedervereinigung drei uniformierte Schaufensterpuppen seine Begleiter. Die lebensgroßen Figuren tragen Waffenröcke der Nationalen Volksarmee (NVA). Manchmal hat Greck damit schon den einen oder anderen nichtsahnenden Wanderer erschreckt. "Ganz interessant ist es, wenn ich am Dreiländereck hochfahre zum Turm, da komme ich so einen Berg hochgefahren und die Leute, die oben stehen, und die Mütze oder den Helm sehen, die sagen: Um Gottes Willen, was ist denn jetzt los?", berichtet Greck.

Ermershausen - ein Dorf macht rüber

Ermershausen wehrt sich 1981 mit Transparenten gegen die Zwangseingemeindung.

Das Dorf Ermershausen (Lkr. Haßberge) wurde 1978 im Zuge der Gebietsreform nach Maroldsweisach eingemeindet. Die Mehrheit der Einwohner war jedoch gegen die Abgabe der Selbstverwaltung, so dass sich der Ort wochenlang weigerte, die Unterlagen an die Verwaltung in Maroldsweisach herauszugeben. Einige dachten damals sogar an "Republikflucht" ins benachbarte Thüringen. Der ehemalige Bürgermeister Adolf Höhn sagte 1978: "Und zwar haben sich etwa 50 Ermershäuser Bürger, Frauen und Kinder aufgemacht: Jetzt gehen wir zur DDR hinüber! Die herüben sind nicht besser wie die da drüben. Sie sind bis zur Grenze marschiert. Etwa 30 Meter vor der Grenze waren die Tore geöffnet und es spielte Marschmusik". Auf den letzten Metern konnte Höhn seine Dorfnachbarn von der Aktion abbringen. Der "Freiheitskampf" der Ermershäuser zog sich 16 Jahre hin. Am 1. Januar 1994 erhielt der Ort seine Eigenständigkeit zurück.

Der Bayernturm von Zimmerau

Der sogenannte Bayernturm

Im Jahre 1966 errichteten die ehemaligen Grenzgemeinden Zimmerau und Sternberg auf dem Büchelberg einen 38 Meter hohen Aussichtsturm, um das Hinterland der DDR-Grenze besser überblicken zu können. Von dem sogenannten Bayernturm aus erhielten die Besucher einen Überblick über die Grenze und die dortigen Sperranlagen. Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren war das Bauwerk ein beliebtes Ausflugsziel. Heribert Spielmann betreibt heute ein Lokal am Bayernturm. Er erinnert sich, dass in Zeiten des Kalten Krieges hier jede Menge Betrieb herrschte. "Es kamen Tausende von Menschen am Wochenende, die einfach mal den Turm besteigen wollten. Man konnte von oben sehr gut den Grenzverlauf sehen. Man konnte aber auch in Orte schauen, in die man nicht fahren konnte.


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