Franken - Zeitgeschichte


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Trappstadt/Schlechtsart Wandern am vergessenen DDR-Grenzzaun

An der ehemaligen DDR-Grenze zwischen Trappstadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) und dem thüringischen Schlechtsart stehen noch etwa 300 Meter Grenzzaun. NVA-Soldaten hatten schlichtweg vergessen, die Sperranlagen zu demontieren. Dort entlang führt auch der "Grenzgänger"-Wanderweg.

Stand: 22.08.2011 | Archiv

An der ehemaligen DDR-Grenze bei Trappstadt | Bild: BR-Mainfranken/Hanns Friedrich

Eine Einheit der Nationalen Volksarmee (NVA) hatte nach der Wende die Aufgabe, den Grenzzaun bis Gompertshausen im Süden von Schlechtsart abzubauen. Eine dort stationierte zweite NVA-Einheitsollte die Sperranlagen in ihrem Bereich entfernen. So blieb ein Stück Grenzbefestigung einfach stehen. Heute führt hier der "Grenzgänger"-Wanderweg vorbei.

Eisige Stimmung am Grenzzaun

DDR-Grenzsoldaten

Trappstadts Bürgermeister Kurt Mauer erinnert sich, wie sich nach dem Berliner Mauerbau auch vor Ort an der unterfränkisch-thüringischen Grenze die Verhältnisse veränderten: "Bis 1961 war immer noch ein kleiner Wortwechsel möglich. Wie etwa: Was macht der Fußball? Aber seit 1961 war das dann dicht!" Doch die Grenzanlage bestand aus mehr als nur einem 3,20 Meter hohen Metallzaun. In Abständen von 50 auf 50 Zentimeter wurden vor dem Zaun Mienen im Erdboden verlegt. Pro Quadratmeter waren es etwa drei bis vier Sprengkörper. Allein in dem zehn Kilometer langen Grenzabschnitt bei Trappstadt befanden sich etwa 60.000 Minen im Boden.

Sogar das Wasser wurde zurückgehalten

Karl-Heinz Elsner

Karl-Heinz Elsner aus Schlechtsart arbeitete zu DDR-Zeiten in der Landwirtschaft direkt im Grenzgebiet. Wie er berichtet, wurde sogar das Wasser auf der DDR-Seite zurückgehalten. So wurde im Grenzstreifen Gräben ausgehoben, um das Wasser umzuleiten. "Vor meiner Nase ist ein tiefer Graben, der ist sinnlos. Aber das Wasser konnte nicht mehr nach dem Westen abfließen, wie es früher abgeflossen ist. Mit der Zeit war das alles versumpft. Dann haben wir mit viel Aufwand tiefe Entwässerungsgräben gezogen, damit wir das Wasser nach dem Osten gebracht haben."

"Grenzgänger"-Wanderweg verbindet beide Gemeinden

Die Bürgermeister von Trappstadt (Mitte) u. Schlechtsart (re.)

Über 20 Jahre nach der Wiedervereinigung lobt die Bürgermeisterin von Schlechtsart, Heidi Baerwald, das kollegiale Verhältnis, das heute zwischen ihrer Gemeinde und Trappstadt herrscht. Auch Maurer kann dem nur zustimmen: "Wir haben ein gutes Miteinander. Wir haben ein vernünftiges Nachbarschaftsverhältnis." Und um dieses gute Miteinander auszudrücken, haben die beiden Gemeinden den "Grenzgänger"-Wanderweg geschaffen, der seit Oktober 2008 die Ortschaften miteinander verbindet.

Auf den Spuren der DDR-Grenztruppen

Der "Grenzgänger"-Wanderweg

Der zehn Kilometer lange "Grenzgänger"-Wanderweg nutzt auch den ehemaligen Kolonnenweg der NVA-Fahrzeuge. Auf Informationstafeln entlang der Strecke gibt es schriftliche und bildliche Hinweise auf den Aufbau der einstigen deutsch-deutschen Grenze mit Kfz-Sperrgraben, Minengürtel und Sicherungsstreifen. Für Kinder wurde eine Telefonanlage gebaut, mit der sie von West nach Ost und umgekehrt sprechen können.

Wichtige und wertvolle Informationsarbeit

Bürgermeister Maurer hat vergangenes Jahr 120 Schüler aus dem Landkreis Haßberge über den "Grenzgänger"-Wanderweg geführt. Nur zwei Jugendliche, so sagt er, hatten zuvor schon einmal die ehemalige innerdeutsche Grenze besucht. "Man sieht, wie wichtig das ist, dass wir unseren Kindern vermitteln, wie Deutschland getrennt war, wie schändlich und schlimm das war", betont der Rathauschef.


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