Franken - Kultur


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Bardentreffen Nürnberg Von geschnorrten Boxen und Weltkarrieren

Was 1976 als Liederwettbewerb zu Hans Sachs' 400. begann, hat sich zu einem Weltmusikfest entwickelt, das seinesgleichen sucht. Geschnorrte Boxen, geschmetterte Songs, und Karriere-Starts – ein Blick auf mehr als 40 Jahre Bardentreffen.

Stand: 21.07.2018

Barde am Tiergärtnertor beim Bardentreffen 1979 | Bild: Stadt Nürnberg

Das Bardentreffen wurde 1976 anlässlich des 400. Todestages von Meistersinger Hans Sachs geboren. Pläne gab es zur Premiere, ebenso Motivation bis zum Abwinken, aber kein Geld. "Wir ham alles gschnorrd", erinnert sich Johannes Härtel, der das Bardentreffen gemeinsam mit Leo Loy und Herbert Walchshöfer in einer Kneipe im Sebalder Viertel erdacht hat.

Die "Holzspähne" an der Weinstube Mausloch

Am Anfang stand ein Sängerwettstreit für junge Leute. 200 Barden hatten sich beworben, das Anhören der Demos auf Musikkassetten war "furchtbar", erinnert sich Organisator Härtel. "Aber wir hatten es uns selbst eingebrockt." Am Tiergärtnertor wurde Selbstgeschriebenes von Musikern geschmettert, die Härtel als "langhaarig, hochpolitisch, trinkfest" charakterisiert. Bis zu 20.000 Besucher kamen, für die Refinanzierung sorgten Wörschdlesbuden.

Damals hätte sich wohl keiner der Initiatoren den großen Erfolg träumen lassen, den das Bardentreffen über die Jahrzehnte haben würde. Millionen Besucher haben das Festival seitdem erlebt, in 40 Jahren sind rund 5.000 Musiker aufgetreten, fast 2.000 Konzerte auf den offiziellen Bühnen gegeben.

Barden am Ölberg mit Blick zum Hauptmarkt

Den Trick, wie man die Tradition lebendig hält, verrät Charly Fischer, der von 1991 bis 2014 für das Programm verantwortlich war: "Es geht um das Bewahren des Feuers, nicht um die Anbetung der Asche." Soll heißen: Das Bardentreffen ist nicht mit jeder Mode, aber mit der Zeit gegangen und damit jung geblieben.

Günter Stössel beim Bardentreffen 1985

Die ersten Tage des Bardentreffens fielen in eine denkbar ungünstige Zeit. Die Liedermacherei steckte in einer Krise, Musik à la Biermann, Wader oder Degenhardt waren out. Mit den Achtzigern änderte sich deshalb das Konzept. Aus dem Amateurfestival wurde das Sängerfest der Profis. Eine Wandlung, die sich auch an der Entwicklung der Musiker festmachen lässt: Klaus Lage stand 1979 noch nicht mal ein Instrument zur Verfügung, sondern nur seine Blues-Stimme. Danach mauserte er sich zum erfolgreichen Deutschrocker mit Band. Ähnlich die Entwicklung von Heinz-Rudolf Kunze: Er trat erst in sparsamer Duo-Besetzung auf, scharte aber bald eine ganze Rockband um sich.

"So wie die Schlagerfuzzis nach chronischer Lebensfreude stinken, so, als passendes Gegenstück, stanken wir Liedermacher nach politischer Verdrießlichkeit."

Wolf Biermann in seinem Grußwort zum elften Bardentreffen

Heinz Rudolf Kunze beim Bardentreffen 1981 ...

Buck, Ringsgwandl, die kubanische Buena-Vista-Musik: Sie waren erst in Nürnberg und wurden dann zum Riesenerfolg. Der richtige Riecher macht's. Trends aufspüren und Experimente gelassen wagen, ist ein weiteres Erfolgsrezept der Kult-Veranstaltung, wie es Nürnbergs Kulturreferentin Julia Lehner zum 40. Jubiläum formuliert. Und auch das Festival selbst wurde über die Jahre zum Kult, zum Muss für Fans.

... beim Bardentreffen 1998 ...

Das ursprüngliche Konzept bissiger Lieder auf Deutsch hat längst multikulturelle Akzente bekommen. In Nürnberg treten Musiker auf, die nicht nur auf Englisch, Französisch oder Türkisch singen, sondern auch auf Bretonisch, Kreol oder Xhosa. Bestimmt kommen in Zukunft noch mehr Sprachen dazu. Seit 2014 ist Musikmanager und Saxophonist Rainer Pirzkall Kopf der Bardentreffen-Organisation. Der war zwar noch gar nicht geboren, als 1976 alles begann, aber alles anders machen will er nicht: "Die Frage ist nicht, was ich ändere, sondern wie ich was bewahre", erklärt Pirzkall seinen Kurs.

... und beim Bardentreffen 2011.

Den Charakter bewahren, aber mit der Zeit gehen: Auf diese Weise wird das Bardentreffen auch in 40 Jahren noch viele Freunde finden. So sehr sich das Festival mit der Zeit gewandelt hat, der Gratis-Charakter ist geblieben. Vorbei sind allerdings die Tage, als ein Etat von 7.842 DM wie bei der Festival-Premiere reichte. Zuletzt beliefen sich die Kosten auf 400.000 Euro. Ein Großteil davon trägt Hauptsponsor Sparda-Bank, die übrige Finanzierung läuft über die Stadt Nürnberg, die Vergabe von Gastronomie-Rechten, den Verkauf der Programmhefte und Ansteck-Pins.


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