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Pflanzen Hydrokultur - Kugeln, die es in sich haben

Pflanzen schaffen in unserem Zuhause eine Wohlfühlatmosphäre und verbessern das Raumklima, doch sie wollen gepflegt werden. Ganz bequem und einfach geht das mit einer Hydrokultur. Sie bietet für Vielbeschäftigte eine unkomplizierte Lösung, eignet sich aber genauso für Gießmuffel und für alle, die gerne mal verreisen. Pflanzenexperte Andreas Modery empfiehlt deshalb: "Geben Sie Ihren Pflanzen die Kugel!"

Stand: 06.02.2024

Hydrokultur mit Wasseranzeiger | Bild: Andreas Modery

Weil Hydrokultur sehr pflegeleicht und auch für Menschen ohne grünen Daumen leicht zu verstehen ist, eignet sie sich besonders gut für Büros und professionelle Begrünungs-Projekte. Praktisch ist sie vor allem dann, wenn gerade ein Urlaub vor der Tür steht und mal wieder kein Pflanzensitter zur Hand ist.

Das brauchen Sie für die Hydrokultur:

  • wasserundurchlässiges Gefäß (meist aus Kunststoff) für das Substrat
  • Gießanzeiger
  •  Blähton

Bei der Hydrokultur sitzen die Wurzeln der Pflanzen nicht in der Erde, sondern im so genannten Blähton. Diese porösen Kügelchen nehmen Nährstoffe und Flüssigkeit auf und leiten sie an die Wurzeln weiter. Als Rohstoff wird kalkarmer Ton mit fein verteilten organischen Bestandteilen verwendet. Dieser wird gemahlen, granuliert und bei rund 1200 Grad im Drehrohrofen gebrannt.

Blähton hat optimale Eigenschaften:

  • biologisch und chemisch neutral
  • frei von Krankheitserregern
  • geruchlos
  • strukturstabil
  • dauerhaft locker
  • wiederverwendbar
  • leicht
  • luftdurchlässig
  • wasserspeichernd
  • feuchtigkeitshaltend

Richtiges Gießen

Dank des eingebauten Wasserreservoirs und einer Wasserstandskontrolle muss - je nach Pflanze und Art des Gefäßes - nur noch alle paar Tage, unter Umständen sogar nur alle paar Wochen, gegossen werden. Über den Anzeiger wird der Wasserstand im Gefäß sichtbar gemacht.
Gießen Sie über den Blähton bis der Anzeiger die Markierung "Optimum" anzeigt. Nachgießen müssen Sie erst, sobald der Wasserstand auf "Minimum" abgesunken ist. Die Wassermenge sollte immer zwischen "Minimum" und "Optimum" liegen. Das sichert die lebenserhaltende Wurzelatmung.
Gießen Sie die Pflanzen mit zimmerwarmem Wasser, da sie sonst kalte Füße bekommen.

Ausnahme:

Bis "Maximum" sollten Sie nur auffüllen, wenn Sie in den Urlaub fahren, bei hohem Verbrauch (beispielweise im Sommer) oder bei besonders durstigen und stark wachsenden Pflanzen.

Richtiges Düngen

Die Nährstoffversorgung lässt sich gut über Düngergaben im Wasser steuern. Fügen Sie entweder mit jedem Gießen schwach dosierten Flüssigdünger hinzu oder alle paar Monate einen festen Langzeitdünger. Das sorgt für eine optimale Ernährung der Pflanzen.

Mit Hydrokultur ist es also ganz einfach, zwei der drei Grundbedürfnisse von Pflanzen zu erfüllen. Gelangt dann noch ausreichend Licht an die Blätter, steht einem gesunden Wachstum nichts mehr entgegen.

Lesen Sie hier, wie Sie Pflanzen im Frühjahr richtig düngen.

Das richtige Hydrokultur-Gefäß

Das Gefäß muss mehrere Anforderungen erfüllen:

  • absolut wasserdicht
  • säurebeständig und chemisch dauerhaft neutral
  • lebensmittelecht

Diese Pflanzen gedeihen besonders gut in Hydrokultur:

  • Elefantenohr (Alocasia)
  • Flamingoblume (Anthurie)
  • Drachenbaum (Dracaena)
  • Bogenhanf (Sansevieria)
  • Orchidee
  • Hibiskus
  • Farn
  • Kakteen

Umstellung auf Hydrokultur

Die Umstellung von normaler Erdhaltung auf Hydrokultur gelingt in der Regel nur bei Jungpflanzen problemlos. Und da in Hydrokultur gehaltene Pflanzen so genannte "Wasserwurzeln" ausbilden, die nach dem Einsetzen in organischen Boden fast immer wegfaulen, ist diese umgekehrte Umstellung ebenfalls sehr problematisch.

Werden Zimmerpflanzen in Hydrokultur gehalten, darf sich keine Erde an den Wurzeln befinden. Deshalb funktioniert es in der Regel nicht, ein großes Gewächs auf Erdkultur umzustellen. Werden die Pflanzen direkt in Blähtonkügelchen aufgezogen, bilden sie ein auf diese Bedingungen spezialisiertes Wurzelsystem. Deshalb zahlt es sich aus, im gut sortierten Fachhandel oder direkt in einer Fach-Gärtnerei spezielle Hydrokultur-Pflanzen zu kaufen.

Biologische Schadstoff-Filter

Der Mensch ist umgeben von zahlreichen Schadstoffen, zum Beispiel von Autoabgasen, Tabakrauch und Ausdünstungen von Baumaterialien in Wohn- und Arbeitsräumen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Pflanzen als biologische Schadstoff-Filter fungieren können. Dabei werden Schadstoffe wie beispielsweise Nikotin, Formaldehyd, Phenole und Benzole von den Blättern und Wurzeln der Pflanzen aufgenommen und umgewandelt.

Die Hydrokultur hat den Vorteil, dass durch das poröse Tongranulat die ungesunden Gase leichter an die Wurzelregion herankommen und so auch feinste Wurzelhaare an dem Luftaustausch beteiligt sind.

Viel Erfolg mit den Tipps wünschen Andreas Modery und "Wir in Bayern"!


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