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Tuberkulose Wie groß ist die Ansteckungsgefahr?

Die Tuberkulose ist in Deutschland fast in Vergessenheit geraten. Doch seit einigen Jahren nehmen die Krankheitsfälle wieder zu. Grund ist die stark gestiegene Zuwanderung. Aber ist nun auch das Ansteckungsrisiko in der Bevölkerung erhöht? - "Gesundheit!" hat mit Ärzten und Patienten gesprochen und sich die Lage erklären lassen.

Von: Marian Grosser, Katharina Kerzdörfer

Stand: 19.09.2016

Tuberkulose | Bild: colourbox.com

Bamba Thioune hatte nichts von seiner Erkrankung bemerkt. Er zeigte keines der typischen Symptome wie Husten, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust und war auch sonst völlig beschwerdefrei. Aber die Röntgenbilder und Laborergebnisse waren eindeutig: Der Asylsuchende aus dem Senegal ist an Tuberkulose erkrankt.

"Ich war sehr geschockt, weil ich dachte, dass man davon richtig krank werden oder sterben kann."

Bamba Thioune, Patient

Erst die Standarduntersuchungen in einer bayerischen Erstaufnahmestation haben Bamba Thiounes Krankheit offenbart – zum Glück in einem frühen Stadium.

Tuberkulose: Unscheinbare Beschwerden

Übertragen wird Tuberkulose per Tröpfcheninfektion. Die Bakterien können verschiedene Organe befallen, meist trifft es aber die Lunge. Ein starkes Immunsystem kapselt die Eindringlinge einfach ab. Die Erreger schlummern dann vor sich hin, ohne Schaden anzurichten oder ansteckend zu sein.
Sind die Abwehrkräfte aber geschwächt, können sich die Bakterien vermehren, die Betroffenen werden krank und sind infektiös, so wie Bamba Thioune. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Tuberkulose vergehen aber teils viele Jahre und wie stark dann die Symptome auftreten, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Das macht eine Diagnose oft schwierig.

"Die Beschwerden der Patienten sind zu Beginn oft sehr unspezifisch. Husten ist meist das erste Symptom, aber das lässt einen nicht sofort an die Tuberkulose denken."

Dr. med. Korkut Avsar, Pneumologe, Asklepios Fachkliniken München-Gauting

Steigende Tuberkulosezahlen in Deutschland durch Migration

In Deutschland hat man die Tuberkulose schon fast vergessen, doch jüngst hat eine Trendumkehr stattgefunden: Seit 2012 nimmt die Zahl der Erkrankungen wieder zu. Seit der Nachkriegszeit war sie stetig zurückgegangen. Die „Schwindsucht“ ist bei uns so selten geworden, dass viele Hausärzte sie nur noch aus dem Lehrbuch kennen.

Dabei stellt die Tuberkulose weltweit betrachtet immer noch ein großes Problem dar. Fast jeder dritte Mensch trägt den Erreger in sich und bei etwa zehn Prozent davon bricht die Krankheit im Laufe des Lebens aus. An keiner Infektionskrankheit sterben mehr Menschen.

Zwar lässt sich die Tuberkulose mit den richtigen Medikamenten gut behandeln, aber in vielen Ländern ist die medizinische Versorgung nicht ausreichend, um eine konsequente Therapie zu ermöglichen. Die Zuwanderer und Asylsuchenden, die seit einigen Jahren vermehrt Deutschland erreichen, kommen oft aus solchen Ländern. Strapaziöse Fluchtbedingungen tragen zusätzlich dazu bei, dass sich Krankheiten schneller ausbreiten.

Tuberkulose: Kein Grund zur Beunruhigung

Deshalb werden in Deutschland nun seit einigen Jahren wieder mehr Tuberkulosefälle registriert. Grund zur Panik besteht deshalb aber nicht, denn das Risiko sich anzustecken ist in der einheimischen Bevölkerung nicht gestiegen.

"Die Asylbewerber werden noch in der Erstaufnahmeeinrichtung einer Kontrolluntersuchung unterzogen. Die beinhaltet eine Röntgenaufnahme der Lunge, völlig unabhängig davon, ob der Patient Beschwerden hat oder nicht. So entdeckt man auch sehr frühe, kleine Befunde und kann sie behandeln."

Dr. med. Korkut Avsar, Pneumologe, Asklepios Fachkliniken München-Gauting

Sobald sich in den Kontrolluntersuchungen der Verdacht auf Tuberkulose ergibt, kommen die Betroffenen in spezialisierte Kliniken. Dort werden weitere Untersuchungen durchgeführt, um die Diagnose zu bestätigen. Außerdem beginnt man sofort mit der Behandlung. In den meisten Fällen besteht schon nach wenigen Tagen keine Ansteckungsgefahr mehr.

Bis eine Tuberkulose aber als austherapiert gilt, dauert es wesentlich länger. Mindestens sechs Monate lang müssen die Patienten bestimmte Antibiotika einnehmen. So lange müssen sie zwar nicht im Krankenhaus bleiben, es ist aber sehr wichtig, dass sie die Therapie unter Anleitung eines Hausarztes fortführen.  

"Hier ist es wichtig, den Patienten gut aufzuklären, damit es nicht dazu kommt, dass die Therapie unterbrochen oder unvollständig weiter genommen wird. Beides geht mit dem Risiko einher, dass der Erreger Resistenzen entwickelt."

Dr. med. Korkut Avsar, Pneumologe, Asklepios Fachkliniken München-Gauting

Tuberkulose: Gefahr durch resistente Erreger

Resistente Erreger sind gefürchtet, weil die gängigen Medikamente ihnen nichts mehr anhaben können. Wenn überhaupt, helfen dann nur noch teure Ersatzmedikamente, die die Patienten wesentlich länger einnehmen müssen.

Resistente Tuberkulosebakterien sind vor allem in der ehemaligen Sowjetunion verbreitet, in Syrien oder Afrika dagegen kaum. In Deutschland steigen die Resistenzraten bisher nur gering. Trotzdem ist es wichtig, neue Medikamente zu entwickeln. Das gestaltet sich allerdings schwierig, weil zu wenig Geld in die Tuberkuloseforschung fließt.

"Das ist wie ein Katz-und-Maus-Spiel. Wir entwickeln neue Medikamente, aber der Erreger entwickelt auch neue Resistenzen. Und da wir so wenig Medikamente entwickeln, ist es nicht klar, wer dieses Spiel gewinnt, ob wir die resistente Tuberkulose besiegen können oder nicht."

Dr. med. Norbert Heinrich, Infektiologe, Klinikum der Universität München

Noch lässt sich aber ein Großteil aller Tuberkuloseerkrankungen in Deutschland mit den Standardmedikamenten gut behandeln. Die flächendeckende medizinische Untersuchung der ankommenden Flüchtlinge verhindert außerdem eine Ausbreitung der Krankheit in Deutschland. Auch Bamba Thioune konnten die Ärzte schnell helfen.

"Der Arzt hat gesagt, ich werde bald wieder gesund sein. Und ich bin jetzt glücklich, bald wieder nach Hause gehen zu können."

Bamba Thioune, Patient


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