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Es geht um Leben und Tod Herzmedizin in Regensburg: Zu Besuch bei den Ärzten im OP

Wenn die Not am größten ist, sind sie zur Stelle: Retter, Pfleger, Ärzte. Doch wie sieht ihr Alltag in Bayerns Kliniken aus? Ein Besuch bei den Docs, die am Uniklinikum Regensburg in der Kardiologie und Herzchirurgie Schicht haben und dort jeden Tag Leben retten.

Von: Florian Heinhold

Stand: 04.11.2019

7 Uhr früh: Der Tag beginnt mit der Morgenvisite für das Team um Prof. Lars Maier von der Kardiologie.

"Es ist immer wieder spannend, die Patienten kennenzulernen, die Geschichten kennenzulernen, die Erkrankungen zu verstehen. Die Hoffnung ist, dass wir es so gut machen, wie es irgendwie geht."

Prof. Dr. med. Lars Maier, Kardiologe am Universitätsklinikum Regensburg

Schichtbeginn: Frühvisite

Gleichzeitig läuft die Visite bei den Herzchirurgen. Hier, auf der Intensivstation, liegen die schweren Fälle.

"Wir haben schon Eingriffe, wo das Risiko 50:50 ist, wie man so schön sagt. Oder noch viel mehr. Wir machen also auch riskante Eingriffe."

Prof. Dr. med. Christof Schmid, Herzchirurg am Universitätsklinikum Regensburg

Patientin: "Ich hoffe, dass ich die Operation überlebe"

Die Patientin braucht eine neue Herzklappe.

Auch heute steht eine große OP für das Team um Prof. Schmid an. Eine Patientin braucht eine neue Herzklappe. "Ich hoffe, dass ich die Operation überlebe und dass es mir dann besser geht. Natürlich habe ich Angst", erzählt sie in ihrem Zimmer am Morgen vor dem Eingriff.

Dann geht es los. Herzchirurg Prof. Schmid setzt den ersten Schnitt. Ohne Operation würde sich der Zustand der Patientin weiter verschlechtern.

"Luftnot, Brustschmerz, und sie würde immer wieder umfallen, bewusstlos werden. Am Schluss würde das Herz versagen."

Prof. Dr. med. Christof Schmid

Ärzte müssen das Herz anhalten

Für die OP müssen die Ärzte das Herz anhalten. Dazu vernähen sie Schläuche an die großen Blutgefäße zum Herzen und leiten den Blutkreislauf auf eine Herzlungenmaschine um, die die Patientin am Leben hält. Kurz darauf steht das Herz still. Jetzt heißt es volle Konzentration.

Zuerst entfernen die Ärzte die kaputte Aortenklappe der Patientin. Stück für Stück wird die verkalkte Klappe entnommen und im Anschluss das Implantat eingesetzt und vernäht. Dann kommt der entscheidende Moment: Das Herz soll wieder von allein schlagen. Alle Blicke richten sich auf den Monitor, als der Herzschlag einsetzt und sich langsam wieder ein normaler Rhythmus ablesen lässt. Prof. Schmid ist zuversichtlich, dass sich der Alltag der Patientin dank der neuen Klappe verbessern wird.

"Das ist das, was das Herz braucht, damit die Frau wieder Luft kriegt."

Prof. Dr. med. Christof Schmid

In der kardiologischen Ambulanz

In der Zwischenzeit haben die Ärzte auf der Kardiologischen Ambulanz alle Hände voll zu tun. Dr. Maria Tafelmeier ist Assistenzärztin und kümmert sich um einen Patienten, der im Rahmen einer Studie ein neues Medikament verabreicht bekommt.

Im Zimmer nebenan hat ihr Kollege Dr. Christian Hauck einen Patienten mit implantierten Defibrillator. Heute muss das Gerät überprüft werden. Alles sieht gut aus, aber der Patient ist passionierter Heimwerker und erzählt von Schweißarbeiten, die er in der Vergangenheit gemacht hat. Da wird der Arzt hellhörig. Denn Elektroschweißen ist eine der wenigen Sachen, die man mit dem Defibrillator nicht machen sollte, weil Störinterferenzen auf das Kabel wirken können.  

Anspannung im Herzkatheterraum

Unterdessen wird ein Patient, der schon einmal einen Herzinfarkt hatte, in den Herzkatheterraum gebracht.  Heute soll er mehrere Stents bekommen. Prof. Lars Maier wird den Eingriff vornehmen. Auf dem Monitor begutachtet er nochmal die Problemstellen in den Blutgefäßen rund um das Patientenherz.

"Man sieht hier die Vorderwandarterie, wie sie hier hochgradig verengt ist. Und hier vorne hat sie vor allem einen ganz unangenehm aufgerissenen Plaque. Was passieren kann, ist dass ein Herzinfarkt oder auch eine bösartige Herzrhythmusstörung auftritt. Dadurch kann es zum plötzlicher Herztod kommen."

Prof. Dr. med. Lars Maier

Millimeterarbeit für lebensrettende Stents

Es geht los. Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt. Der Patient wird alles mitbekommen. Der Zugang zu den verstopften Gefäßen rund ums Herz erfolgt über die Arterie am Handgelenk. Prof. Maier setzt den ersten Stent.

"Das ist praktisch ein kleiner Maschendrahtzaun. Der weitet sich und bleibt dann aufgeweitet im Gefäß."

Prof. Maier über den Stent

Das ist lebenswichtig, damit genug Blut durch die verstopfte Arterie fließen kann. Insgesamt drei Stellen müssen die Ärzte versorgen. Der Patient stand wirklich knapp vor einem neuen Infarkt. Der letzte Stent ist besonders heikel – die verengte Arterie macht eine Kurve. Millimeterarbeit. Doch am Ende geht alles glatt.


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