Sport - Fußball


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Die Lichtgestalt Vom Fußballprofi zum Medienstar

"Man weiß nicht, wie ein Leben gelaufen wäre ohne Fußball," sagt der gelernte Versicherungskaufmann. "Ich weiß nicht, ob das meine Erfüllung geworden wäre."

Stand: 08.09.2015 | Archiv

Die Erfüllung findet Beckenbauer auf und neben dem Rasen. Aus dem Giesinger Jungen wird ein Botschafter des Fußballs und ein Medienstar, der nach sieben Jahrzehnten eine positive Bilanz zieht: "Alle Sonntage der Welt sind in mir vereint. Wenn man so ein Leben hat in diesen 70 Jahren, angefangen aus dem Nichts kommend und dann durch den Fußball die Kurve nach oben zu kriegen ..."

Wie ein Märchen erscheint das facettenreiche Leben, das der zur Lichtgestalt aufgestiegene Kaiser lebt. Der charismatische Bayer ist darin schon früh als Werbefigur gefragt. Als Manager steht ihm Robert Schwan zur Seite, der auch väterlicher Freund für den jungen Fußballer ist. "Es wusste ja keiner, wie so ein Profileben aussieht", erklärt er. Er bewirbt eine Tütensuppe, Handy-Verträge, singt, dazu liest man von ihm in Kolumnen oder lauscht seinen TV-Analysen.

Streitbar und geradeaus

Meistens erlebt man den Tausendsassa dabei umgänglich und freundlich. Auch wenn seine Aussagen manchmal nicht ganz passen, nimmt das einem Beckenbauer keiner wirklich krumm. "Es ist klar, dass man die eigene Mannschaft kritischer behandelt als andere, die einem mehr oder weniger wurscht sind. Bei mir schwillt die Halsschlagader an, und das muss dann raus, sonst kriegt man ja ein Magengeschwür", erklärt er: "Am nächsten Morgen, wenn ich in der Zeitung lese, was ich da gesagt habe, tut es mir schon wieder leid."

Auch bei Champions-League-Reisen des FC Bayern sorgte er bei den traditionellen Bankettreden nach den Spielen immer wieder für Aufsehen. Legendär ist dabei die Ansprache nach dem 0:3 bei Olympique Lyon in der Zwischenrunde 2001, als er über die Münchner "Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft" schimpfte: "Das hat nichts mit Fußball zu tun, das ist eine andere Sportart." Zwei Monate später gewannen die "Altherrenfußballer" den Titel in der Königsklasse.

Franz Beckenbauer - seine Sprüche

Stadion-Debatte

"Es wird sich doch noch ein Terrorist finden, der das Olympiastadion wegsprengt." (Während der Diskussion um ein neues Stadion in München)

Berufsbezeichnung

"Wenn du die Meisterschale überreicht bekommst, dann bist du Meister. Ich würde mich als Gelegenheitsarbeiter bezeichnen." (Auf die Frage nach seiner genauen Berufsbezeichnung)

Schweden

"Die Schweden sind keine Holländer, das hat man ganz genau gesehen." (Nach einem DFB-Länderspiel gegen Schweden)

Uneheliche Kinder

"So groß ist das Verbrechen nun auch nicht. Der liebe Gott freut sich über jedes Kind." (Über sein zunächst uneheliches Kind)

Wurzeln

"Ich hab mal einen Stammbaum machen lassen: Die Wurzeln der Beckenbauers liegen in Franken. Das waren lustige Familien, alles uneheliche Kinder. Wir sind dabei geblieben."

Rosa Schuhe

"Stell dir vor, der zieht wirklich mal richtige Fußballschuhe an." (über Franck Ribéry, als dieser rosarote Fußballschuhe trägt)

Avancen

"Du, Rodolfo, lass es gut sein, ich bin von der anderen Fakultät." (Zu Avancen des homosexuellen Ballett-Stars Rudolf Nurejew)

Golfspiel

"Für Tennis bin ich zu alt, ich mache jetzt was anderes. Da habe ich meinen eigenen Ball, den schlage ich irgendwohin, dann gehe ich ihm nach, und wenn ich ihn finde, schlage ich ihn wieder weg."

Literatur

"Ich mache ja nur deshalb seit 33 Jahren Fußball, weil ich nichts anderes kann. Wenn ich zum Beispiel einen Schopenhauer lese - ich verstehe ihn nicht."

Sofies Welt

"Ich habe gerade 'Sofies Welt' gelesen, diesen dicken philosophischen Schinken. Sokrates, Aristoteles, Platon und diese Leute haben sich vor 2.000 Jahren Gedanken gemacht, da sind wir noch auf den Bäumen gesessen und haben uns vor den Wildschweinen gefürchtet. Seither haben sich nur ganz wenige weiterentwickelt."

Reden

"Ich habe noch nie eine große Rede gehalten. Ich habe immer nur gesagt, was mir gerade eingefallen ist."


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