Bayern 2 - radioWissen


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Von Ablass, Beichte und dem lieben Seelenfrieden Einsatz im Unterricht

Published at: 22-2-2012 | Archiv

Vorarbeit

  • Lernziele: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der theologischen Dimension von Sünde, Reue und Vergebung auseinander. Sie entdecken, wie sehr Schuld als vielschichtiges Phänomen das Leben belasten kann. Sie erfahren, warum Schuld und Versöhnung als zentrale Begriffe aller christlichen Konfessionen gelten und lernen, welche unterschiedlichen Formen der Glaubenspraxis mit ihnen verbunden sind. Sie begreifen die Auseinandersetzung um den Ablasshandel als Auslöser für die Reformation und verstehen, warum und worin sich die katholische Bußlehre von der evangelischen Auffassung unterscheidet. In einem zweiten Schritt werden die Schülerinnen und Schüler dazu angeregt, die Bedeutung von Sünde, Buße und Vergebung für das eigene Leben zu hinterfragen. Dabei wird ihnen klar, dass Vergebung und Versöhnung grundlegende menschliche Bedürfnisse darstellen. In einem letzen Ausblick lernen sie die Zusammenhänge von Schuld und Vergebung als wichtige Elemente der Psychotherapie kennen und denken darüber nach, wie die offene Aussprache von vermeintlicher oder tatsächlicher Schuld zur seelischen Gesundheit beitragen kann.
  • Hinführung zum Thema: Schuld und Vergebung sind alltägliche Erfahrungen des menschlichen Lebens. Um ein Gespräch über die Thematik in Gang zu bringen, könnte die Lehrkraft zu Beginn der Stunde zunächst einfach nur die Begriffe "Schuld" und "Vergebung" nebeneinander oben auf die Tafel / Overheadfolie schreiben und kurz still wirken lassen. Dann werden die Schüler gebeten, Wörter oder Situationen zu nennen, die zu "Schuld" oder "Vergebung" passen könnten. Die Begriffe werden als Gedächtnisstütze auf der Tafel / Folie festgehalten. Anschließend werden die Schüler ermutigt, eigene Erfahrungen mit Schuld und Vergebung im Alltag zu erzählen. Als Anknüpfungspunkte eignen sich Auseinandersetzungen unter Freunden, im Sport oder in der Familie. Wichtig erscheint dabei die durch Fragen gesteuerte Sensibilisierung für das emotionale Erleben von Schuld und Vergebung: Wie fühlt es sich an, wenn man sich mit jemandem verkracht hat, wenn man etwas getan hat, das einen anderen verletzt hat oder schlimme Folgen hatte? Wie fühlt es sich an, wenn man sich ausgesprochen hat, wenn einem jemand verziehen hat, wenn es wieder gut ist? Um auf das Thema und den Radiobeitrag überzuleiten, werden die Schülerinnen und Schüler gefragt, welche Rolle Schuld und Vergebung im Glaubensleben spielen und welche Wörter die Kirche dafür verwendet.

Die Sendung im Unterricht

  • Hören: Vor dem gemeinsamen Hören des Radiobeitrags wird die Klasse aufgefordert, besonders gut darauf zu achten, welche der schon angesprochenen Themen und Begriffe in der Sendung auftauchen.

Nacharbeit

Arbeitsblatt 1 unterstützt die Erarbeitung grundlegender Aussagen zum Wesen und Ziel der Buße. Ausgangspunkte sind ein Ausschnitt aus dem Radiobeitrag und das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Die zentrale Frage lautet: Warum kann man die im Evangelium erzählte Geschichte als Gleichnis für das Wesen und die Wirkung des Bußsakraments bzw. der Beichte verstehen? Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten die Aufgabe in Stillarbeit. Nach der Erarbeitungsphase werden die Ergebnisse zusammengetragen und fixiert.
Arbeitsblatt 2
vertieft die Betrachtung des christlichen Bußverständnisses anhand weiterer Gleichnisse aus dem Lukasevangelium (die wiedergefundene Drachme und das wiedergefundene Schaf). Im Fokus steht die Frage, was Gott mit der Buße ermöglicht und warum er die Vergebung will. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten die Aufgabe in Stillarbeit. Nach der Erarbeitungsphase werden die Ergebnisse zusammengetragen und fixiert.
Arbeitsblatt 3
fragt nach den im Radiobeitrag thematisierten Ähnlichkeiten und Unterschieden von Psychotherapie und kirchlicher Buße. Ausgangspunkte sind Matthäus 9,9-13 und Erläuterungen des Kirchenhistorikers Christoph Markschies, der in der Sendung beide Phänomene vergleicht. Die Texte des Arbeitsblattes bieten eine Diskussionsgrundlage für die anschließende Aufarbeitung im Klassenverband.
Arbeitsblatt 4
ist ein Kreuzworträtsel, das zentrale Begriffe des Radiobeitrags abfragt und sichert. Die Bearbeitung kann im Klassenverband, in Gruppen oder als Hausaufgabe erfolgen.
Das Textblatt bündelt wichtige Artikel der 95 Thesen Luthers gegen den Ablasshandel. Es kann als Textgrundlage entweder für eine (kirchen-) historisch ausgerichtete Vertiefung oder als Ergänzung der im Beitrag gestreiften Ablassproblematik eingesetzt werden.

Lehrplanbezug

Lehrplan für die bayerische Hauptschule
7. Jgst.
Evangelische Religionslehre, 7.3.1 Erfahrungen mit Konfessionsverschiedenheit: Ausdrucksformen katholischen Glaubens; erste Gegenüberstellung, was "evangelisch, was "katholisch" bedeutet. 7.3.2 Das Evangelium - Ausweg aus mittelalterlichen Ängsten: mittelalterliche Ängste anhand zeitgenössischer Bilder und Texte; Ablasshandel; persönliche Erfahrungen Martin Luthers: Angst vor dem Tod und Gott als dem Richter; Luthers Versuch im Kloster Gottes Gnade zu verdienen; Luthers neue Gottes- und Christuserkenntnis: Gott nimmt uns ohne Vorleistungen an; Luther ändert sein Leben: Thesenanschlag 1517; Luther vertritt öffentlich seine Überzeugung; Reichsacht und Bann; ggf. Augsburger Bekenntnis. 7.3.3 Folgen des neuen Glaubensverständnisses für Kirche und Gesellschaft: "Allgemeines Priestertum der Gläubigen": Durch die Taufe sind alle Christen zu Priestern geweiht. 7.3.4 Ökumene – Auseinandersetzung und Verständigung mit anderen: Gemeinsamkeiten (wie Bibel, Taufe, Gebete, Glaubensbekenntnis) und Unterschiede (wie Sakramentsverständnis, Lehramt, Riten).
Katholische Religionslehre, 7.4.1 Jeder kennt das, keiner gibt es gerne zu – Fehler, Versagen, Schuld und Angst: was Menschen bedrückt: Versagen, Angst, Schuld; Schuld als Sünde; schuldig werden an der Schöpfung, an Mitmenschen und an sich selbst als Störung der vertrauensvollen Beziehung zu Gott; mit Schuld, Sünde und Angst umgehen (z. B. verdrängen, verschleiern, abwälzen; erkennen, annehmen; aussprechen, bereuen, um Vergebung bitten). 7.4.2 Vergebung erfahren – Vergebung schenken: Jesus begegnet schuldbeladenen Menschen; Umkehr als Antwort auf Gottes Zuwendung; Formen der Versöhnung (z. B. Eingeständnis, Bitte um Vergebung, Wiedergutmachung, Zeichen und Gesten der Versöhnung, Gebet und Gutes tun, Eucharistiefeier, Schriftlesung und Bußfeier), Sakrament der Versöhnung.
8. Jgst.
Evangelische Religionslehre, 8.1.2 Gott erschafft und erhält das Leben - Menschen sind frei zu Gutem und Bösem: Gott schenkt uns Raum, damit wir unser Leben gestalten können; dazu Erzählung von Gottes guter Schöpfung; menschliches Fehlverhalten in der Urgeschichte: Adam und Eva - Missachten von Grenzen. 8.6.2 Wahrheit und Lüge: Lügen gefährden und zerstören das Zusammenleben: z. B. Vertrauensbrüche; wahres Reden fördert das Zusammenleben in Familie, Freundschaft, Schule und Gesellschaft. Katholische Religionslehre, 8.6.2 Orientierung finden - was Menschen dauerhaft Halt gibt: auf das Gewissen hören - was heißt das? (z. B. Erfahrungen mit Gewissensentscheidungen; Erscheinungsformen des Gewissens; Gewissenskonflikte); das christliche Verständnis des Gewissens als innerste Mitte und Ort der Begegnung mit Gott; Wegweisungen der Kirche; Gewissensbildung als lebenslange Aufgabe
9. Jgst.
Katholische Religionslehre, 9.1.1 Jeder Mensch einmalig und unverwechselbar – Geschöpf und Abbild Gottes: sich als freie und eigenverantwortliche Person entfalten; von Gott gewollt und geliebt: die biblisch-christliche Sicht der Menschenwürde.

Lehrplan für die bayerische Realschule
7. Jgst.
Katholische Religionslehre, 7.2 Ausdruck einer tieferen Wirklichkeit: Symbole und Sakramente; die Sakramente der Kirche: besondere Zeichen der Nähe Gottes an den Knotenpunkten des Lebens; Anzahl; Taufe und Firmung. 7.3 Mit Konflikten umgehen lernen: Modelle christlicher Konfliktbewältigung; Formen der Entschuldigung, Vergebung, Bußfeier, Bußsakrament
8. Jgst.
Evangelische Religionslehre, 8.1 Martin Luther: auf der Suche nach einem gnädigen Gott: Luther findet seinen Seelenfrieden nicht; der Ablasshandel und seine Auswirkungen, Luthers reformatorische Erkenntnis (Turmerlebnis): Vertrauen und Freiheit (Römerbrief); Luther und seine Wirkung: Thesenanschlag und Folgen, Reichsacht und Kirchenbann, Confessio Augustana; Leben aus dem Vertrauen: die Rechtfertigungslehre als Perspektive für gelingendes Leben – bedingungslos angenommen sein. 8.2 Evangelische und katholische Kirche - Einheit in der Vielfalt, Erfahrungen mit Konfessionsverschiedenheit, Leben aus der Rechtfertigung; Grundelemente römisch-katholischen Glaubens.
Katholische Religionslehre, 8.5 Katholisch, orthodox, evangelisch: "... dass alle eins seien!"; das "Turmerlebnis" Martin Luthers (Röm 1, 16 – 17): der biografische und zeitgeschichtliche Hintergrund (Lebensgefühl, Reliquienverehrung, Ablasshandel); Anliegen der Reformation (z. B. wichtige Aussagen aus reformatorischen Hauptschriften); Augsburger Religionsfriede.
10 Jgst.
Evangelische Religionslehre, 10.3 Ich übernehme Verantwortung für mein Leben: einen eigenen Standpunkt finden: sich informieren, biblische Perspektiven bzw. kirchliche Verlautbarungen zu Rate ziehen, Konsequenzen bedenken, urteilen; das eigene Handeln begründen und vertreten lernen. Gewissen, Zivilcourage, Umgang mit Schuld.
Katholische Religionslehre, Schuld erfahren: frei werden durch Vergebung und Versöhnung, schuldig werden: Situationen, Ursachen, Auswirkungen, Empfindungen und Reaktionen erkunden; verschiedene Ebenen des Schulderlebens (persönliche Schuld, soziale, strukturelle Mitschuld, Sündigwerden vor Gott); unterschiedliche Schwere der Schuld und Kriterien dafür; Schuld als Sünde; Wege der Befreiung: Jesu Umgang mit Sündern, seine Botschaft vom barmherzigen Vater-Gott; der Wirkung von Vergebung und Umkehr nachspüren; von Schuld und Sünde frei werden: Bußsakrament (Schwierigkeiten, Chancen), Bußfeier, andere Angebote der Vergebung und Versöhnung in der Gemeinschaft der Kirche

Lehrplan für das bayerische Gymnasium
7. Jgst.
Katholische Religionslehre, 7.3 Im Sichtbaren wird Unsichtbares gegenwärtig - Symbole und Sakramente: die sieben Sakramente der Kirche: wirksame Heilszeichen der Zuwendung Gottes zu den Menschen und der Gemeinschaft mit Christus in unterschiedlichen Lebenssituationen; exemplarische Vertiefung am Beispiel der Eucharistie, Sakramentalien im Leben der Kirche.
8. Jgst.
Evangelische Religionslehre, 8.3 Reformation: Einsicht gewinnen in das "neue" Suchen nach Wahrheit zur Zeit der Reformation, Luthers Lebensweg vor dem Hintergrund der Welt- und Glaubensvorstellungen seiner Zeit; Verständnis gewinnen für Grundanliegen evangelischen Glaubens und Lebens: Orientierung "allein an der Schrift"; die Freiheit eines Christenmenschen, Gewissheit des Heils: "allein durch Christus", "allein durch Glauben", "allein aus Gnade"
Katholische Religionslehre, 8.2 Die Welt ist unvollendet: Konflikte, Schuld und Versöhnung: Sünde, Umkehr und Vergebung, Neuanfang: Parabel vom barmherzigen Vater (Lk 15,11-32); Grenzen einer nur zwischenmenschlichen Wiedergutmachung und die religiöse Dimension von Schuld, Jesus vergibt Sünden und heilt Menschen (z. B. Joh 7,53-8,11; Mt 9,1-8); Sakrament der Versöhnung und andere kirchliche Bußformen. 8.3 Heilssehnsucht: Ringen um das ewige Leben im Reformationszeitalter: Sehnsucht nach Heil im späten Mittelalter: Armutsbewegungen, alltägliche Erfahrung irdischer Vergänglichkeit und Streben nach Sicherung des ewigen Lebens, z. B. Wallfahrtswesen, Ablass, Stiftungen; Missbrauch solcher Bemühungen, z. B. Ablasshandel, übersteigerter Reliquienkult; Ewiges Leben: Geschenk oder Frucht eigener Leistung? Luthers Turmerlebnis, Gründe für seine rasche Popularität, Konflikt mit dem Papsttum; Spaltung der Kirche, weitere reformatorische Bewegungen; Selbsterneuerung der katholischen Kirche nach dem Konzil von Trient; Momentaufnahmen der Ökumene: katholisch – evangelisch heute, v. a. im persönlichen Erfahrungsbereich.
11. Jgst.
Evangelische Religionslehre, 11.2 Wer bin ich? - Das christliche Verständnis vom Menschen: mit Grundzügen biblisch-reformatorischer Anthropologie und ihren Konsequenzen für die Ethik vertraut sein; der Mensch als Geschöpf und Ebenbild Gottes (1.Mose 1;2), dazu 1. Glaubensartikel und M. Luthers Auslegung im Kleinen Katechismus; der Mensch als gebrochenes Wesen und Sünder (1. Mose 3 ), der gerechtfertigte Mensch; M. Luther: "simul iustus et peccator"; Rechtfertigungslehre, z. B. freier Wille, Sprache, Bewusstsein, Unterschied von Mensch und Tier
Katholische Religionslehre, 11.4 Der Mensch im Horizont des Gottesglaubens: christliches Menschenbild: Der Mensch - sich selbst eine Frage: Sinnentwürfe und Menschenbilder; Deutung des Menschseins in der Moderne; Vergleich mit dem christlich-biblischen Verständnis des Menschen als Person: Geschöpf und Abbild Gottes mit unverlierbarer Würde, v. a. der Mensch als ein für Transzendenz offenes Wesen, als verantwortlicher Mitgestalter, als gemeinschaftsbezogenes Wesen, als Sünder, als zur Freiheit und Vollendung.


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