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Das Vorzeige-KZ der Nazis Fragen & Antworten

Stand: 20.01.2014 | Archiv

Gelber Davidsstern mit dem Schriftzug "Jude", aufgenommen in der Gedenkstätte Theresienstadt | Bild: picture-alliance/dpa

Frage 1 bis 3

Frage 1

Wie kam es zur Einrichtung des KZ Theresienstadt?

Antwort

Nach dem Sieg über Polen 1939 und dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 forcierte die SS die Deportationen von Juden in Gettos und KZ im Osten Europas. 1942 begann die planmäßige Judenvernichtung. Sammellager als Durchgangsstationen auf dem Weg in Todeszentren wie Auschwitz wurden errichtet. Die ehemalige Festung Theresienstadt mit ihren Schutzwällen und Gebäuden bot Platz, war leicht zu bewachen und eignete sich als Durchgangslager.

Frage 2

Wie unterschied sich Theresienstadt von anderen KZ?

Antwort

In Theresienstadt konnten sich Juden freier bewegen, die jüdische Selbstverwaltung erhielt mehr Befugnisse. Zudem präsentierte die NS-Propaganda Theresienstadt als "jüdische Mustersiedlung", um das Rote Kreuz und die Weltöffentlichkeit über die Judenvernichtung zu täuschen.

Frage 3

Wie konnte sich in Theresienstadt ein außergewöhnliches geistig-kulturelles Leben entwickeln?

Antwort

Mehrere prominente Juden und Künstler wurden nach Theresienstadt gebracht, um internationalen Delegationen "jüdisches Leben" vorzugaukeln. Neben diesen Sonderhäftlingen nutzten viele andere Eingesperrte die kleinen Freiheiten. Professoren hielten Vorträge, Musiker veranstalteten Konzerte, Maler waren aktiv, es gab Theater- und Kabarettaufführungen. Heimlich erhielten Kinder Schulunterricht. All dies geschah unter dem Druck andauernder Deportationen in Lager wie Auschwitz, der Tod war allgegenwärtig. Mit Kunst, Musik etc. konnte man dem Alltag entfliehen.

Frage 4 bis 6

Frage 4

Zu welchem Zweck wurde der Film "Theresienstadt - Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet" gedreht? Wer war der Regisseur?

Antwort

Der Film entstand 1944; Ziel der NS-Propagandisten war es, von der Judenverfolgung/-vernichtung abzulenken. Es sollte der Eindruck eines "normalen Lebens" erweckt werden. Kurt Gerron (1897-1944) leitete die Dreharbeiten. Der deutsch-jüdische Schauspieler und Regisseur war 1933 in die Niederlande geflohen und der SS nach der Besetzung Hollands in die Hände gefallen.

Frage 5

Was geschah mit den Kulturschaffenden Theresienstadts?

Antwort

Viele von ihnen wurden zu Propagandazwecken genutzt, dann in die Vernichtungslager deportiert. Im Chor, Theater etc. mussten Rollen immer wieder neu besetzt werden, weil Menschen abtransportiert wurden.

Frage 6

Wann wurde Theresienstadt befreit?

Antwort

Am 5. Mai 1945 wurde das KZ dem Roten Kreuz übergeben, am 8. Mai, dem Tag der Kapitulation Deutschlands, betraten russische Soldaten das Lager.


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