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Das Thema Napoleon - Der Selfmademan

Stand: 10.12.2012 | Archiv

Napoleon-Gemälde | Bild: picture-alliance/dpa

Bei seiner Geburt hätte niemand den Irrsinn gesagt, ihn für das zukünftige französische Staatsoberhaupt zu halten. Der König saß noch fest im Sattel; Korsika, Napoleons Heimat, ist gerade erst in seinem Geburtsjahr 1769 von Genua an Frankreich abgetreten worden.

Unscheinbare Anfänge in der Provinz

Getauft wurde er noch auf den Namen Napoleone di Buonaparte. Er ist der zweite Sohn eines italienischstämmigen Anwaltes aus verarmtem Adel, welcher sich der französischen Regierung jedoch als sehr dienstbar erweist und damit königliche Stipendien für seine Söhne erwirbt. So wird der neunjährige Napoleon auf die Militärschule ins ferne Brienne geschickt, wo er nicht nur gegen die ungewohnte Kälte in den Gebäuden, sondern auch in den Herzen seiner Mitschüler und Erzieher kämpfen muss. Als Außenseiter hat er es nicht leicht. Ob dies eher hinderlich oder besonderer Ansporn für seine frühe Karriere war, ist kaum zu klären. Sein enormer Durchsetzungswille ist jedenfalls unverkennbar. Mit 16 Jahren ist er ein glänzender Offizier, der in der Artillerie sein besonderes Steckenpferd entdeckt hat.

Erste Erfolge

Und die militärischen Erfolge bleiben nicht aus. Während der Revolution verlassen viele Offiziere den Dienst; den Besten, die mit der Revolution sympathisieren, ist damit der Weg zur Spitze frei. Mit 23 Jahren wird Napoleon wegen seiner Verdienste bei der Schlacht um Toulon zum General befördert - vor allem aufgrund seines geschickten Einsatzes der Artillerie. Nun folgt Sieg auf Sieg: Italien, Österreich, Belgien, schließlich sogar Ägypten stehen auf seiner Marschroute. Und dies sind nicht nur militärische, sondern auch politische und sogar kulturelle Erfolge. Mit seinen Truppen verbreitet sich auch das Gedankengut der Revolution. Die Forschung um das alte Ägypten - und damit die Entzifferung der Hieroglyphen - erfährt einen besonderen Schub.

Mittlerweile eilt ihm der Ruf der Unbesiegbarkeit voraus. Zudem gelang es ihm, dabei nicht ausschließlich als Ehrgeizling zu wirken, sondern als tatkräftiger Sprecher einer "Gemeinsamen Sache", der Revolution des Volkes. 1799, zehn Jahre nach Ausbruch der Revolution, nutzt Napoleon diesen Ruf und stürzt die Revolutionsregierung. Als oberster und de facto alleinherrschender Konsul führt er auf allen Ebenen des Staates Reformen durch: Straßenbau, Schulwesen, Sanierung des Staatshaushaltes, Stabilisierung der Lebensmittelpreise und die Einführung eines neuen, grundlegenden bürgerlichen Gesetzbuches, des "Code Civil" stehen auf der Agenda.

Höhepunkt der Laufbahn?

Krönen kann er diesen steten Aufstieg nur noch durch einen weiteren Titel, den des Kaisers. Zwar lässt er zur Zeremonie den Papst aus Rom nach Paris kommen, nimmt aber den entscheidenden Handgriff selbst vor: Napoleon I., Kaiser von Napoleons Gnaden. Wie dies nun noch mit revolutionärem Gedankengut vereinbar ist, lässt viele Anhänger zweifeln, zumal der Kaiser gerade Familienangehörige bei der Besetzung oberster Posten bevorzugt. Weitere Erfolge müssen her.


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