Bayern 1


47

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung Das ist für den Notfall zu beachten

Eine Vollmacht für den Nachbar, der das Paket bei der Post abholen soll, ist schnell geschrieben. Doch wie sieht es mit Vollmachten für den Ernstfall aus? Wer entscheidet, was im Notfall zu tun ist? Wichtige Tipps für alle Fälle.

Stand: 15.03.2018

Eine ältere Hand wird in einem Krankenbett von einer anderen Hand gehalten. Im Vordergrund sieht man eine Vollmacht. | Bild: mauritius-images

Welche Vollmacht ist die richtige?

"Üblich und sinnvoll sind Vollmachten, die sämtliche Lebensbereiche erfassen und keine inhaltlichen Beschränkungen enthalten, damit im Vorsorgefall (z.B. Demenz, Koma) nicht doch eine Situation eintritt, in der die Vollmacht nicht ausreicht", so Claudius Eschwey von der Landesnotarkammer Bayern. Eine solche allumfassende Vollmacht ist die Vorsorgevollmacht, auch als Generalvollmacht zu verstehen. Zusätzliche Vollmachten wie eine Bankvollmacht sind dann nicht mehr nötig. "Trotzdem kann es sinnvoll sein, auch bei der Bank eine Vollmacht zu erteilen; so ist sichergestellt, dass der Bevollmächtigte im Ernstfall schnell handeln kann."

Auf die richtige Formulierung achten

Sie müssen die Vollmacht von keiner Behörde oder Institution absegnen lassen. Dennoch sollten Sie richtige Formulierungen wählen, "denn sobald der Vorsorgefall eintritt, ist es für Korrekturen meist zu spät. Gerade für den Bereich der Gesundheitssorge verlangt das Gesetz, dass einige Befugnisse in der Vollmacht konkret benannt werden müssen (z.B. die Befugnis zur Einwilligung in lebensgefährliche Operationen)."

Eine professionelle Beratung von einem Notar ist daher ratsam. Er kann auch die Geschäftsfähigkeit des Vollmachtgebers dokumentieren, denn nur wenn diese gegeben ist, ist die Vollmacht auch gültig. So etwas kann im Nachhinein angezweifelt werden! Die Geschäftsfähigkeit fehlt etwa bei "krankhafter Störung der Geistestätigkeit", wenn man also nicht mehr im Stande ist, eigenständige Entscheidungen zu treffen.

Wenn der Bevollmächtigte auch zu Immobiliengeschäften berechtigt sein soll, reicht ein handschriftliches Dokument nicht aus, hier ist die notarielle Form vorgeschrieben.

Zentrales Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer

Wenn Rettungsdienst und Notarzt zu einem Unfall kommen, dann müssen diese sich erkundigen, ob eine Vorsorgevollmacht besteht oder nicht. Dabei hilft es natürlich bei einem Unfall einen Hinweis im Geldbeutel dabei zu haben. Trotzdem ist das heutzutage nicht mehr notwenig. Die Nothelfer erkundigen sich in der Regel als aller erstes beim zentralen Vorsorgeregiister der Bundesnotarkammer in Berlin.
Eine Registrierung in Berlin wird von vielen Experten empfohlen. Sie können sich für nur 13 Euro online registrieren lassen. So kann sich jedes Krankenhaus und jeder behandelnde Arzt die Infomation beschaffen, ob eine Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung vorliegt.

Die Familie mit einbeziehen

Nur Sie entscheiden, wem Sie die Vollmacht erteilen. "In jedem Fall ist es aber gut, die Vollmacht in der Familie zu besprechen. Gerade der Bevollmächtigte sollte wissen, dass der Vollmachtgeber ihm nicht nur vertraut, sondern auch von ihm erwartet, sich im Fall der Fälle um seine Angelegenheiten zu kümmern." Sollte das Vertrauen nicht mehr gegeben sein, können Sie die Vorsorgevollmacht jederzeit widerrufen.

Sie können auch mehreren Personen Vorsorgevollmacht erteilen, so trägt nicht einer allein die gesamte Verantwortung.

Unterschied zwischen Vollmacht und Patientenverfügung

Während bei einer Vollmacht der Bevollmächtigte sämtliche Entscheidungen für Sie treffen kann, bestimmen Sie mit einer formulierten Patientenverfügung selbst, welche ärztlichen Behandlungen im Ernstfall ergriffen oder nicht ergriffen werden sollen. Zum Beispiel, ob eine künstliche Ernährung oder lebensverlängernde Maßnahmen durchgeführt werden sollen.

Eine Vollmacht wurde nicht ausgestellt. Wer kümmert sich dann um meine Angelegenheiten?

In diesem Fall wird das Betreuungsgericht einen Betreuer bestimmen. In der Regel sind das nahestehende Personen, wie der Ehepartner oder die Kinder. Dennoch wird zur Bestimmung immer ein Gericht eingeschaltet, sprich hier entstehen Gerichts- und andere Kosten. "Zudem ist das Betreuungsverfahren aufwendig und mit Belastungen insbesondere für den Betroffenen (z.B. ärztliche Begutachtungen) verbunden," sagt Claudius Eschwey.


47