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Streit unter Geschwistern Tipps, wie Sie am besten Frieden schaffen in der Familie

Mancher Streit unter Geschwistern wirkt bis ins Erwachsenenalter fort. Warum es so befreiend ist, Frieden zu machen mit Vergangenem. Und wie Sie das für sich angehen können.

Stand: 30.11.2018

Geschwister sitzen weit weg voneinander auf dem Sofa | Bild: colourbox.com

Geschwister können wir uns nicht aussuchen. In der Familie sind Geschwister gleichzeitig Verbündete und Konkurrenten. Sie prägen uns mindestens so sehr wie unsere Eltern, da sind sich die Experten heute einig. Dass Geschwister sich in der Kindheit fetzen, ist normal und wichtig. Als Kinder lernen wir dabei, uns durchzusetzen, Konflikte zu lösen, auch mal nachzugeben und zu verzeihen.

"Die Familie ist das einzige System, das uns lebenslang und unverbrüchlich Hilfe leistet. Kinder können noch so große Dummheiten machen, ihre Familie wird sie nicht fallen lassen. Man kann sich ohne Wenn und Aber auf das System 'Familie' verlassen."

Dr. Christian Alt, Familienforscher am Deutschen Jugendinstitut in München

Dass Geschwister ganz verschiedene Temperamente entwickeln, ist quasi zwingend: "Geschwister müssen unterschiedlich sein. Auch, wenn sie unter denselben Bedingungen aufwachsen, müssen sie ihre eigene Position finden und ihre eigene Persönlichkeit entwickeln", sagt Christian Alt. Das sei selbst bei Zwillingen so.

Geschwister bleiben uns ein Leben lang

Was aber, wenn die Kämpfe in der Kindheit solche Wunden gerissen haben, dass wir dem Bruder oder der Schwester auch als Erwachsene kaum verzeihen können? Oder feststellen, dass wir den anderen einfach nicht leiden können?

"Geschwisterbeziehungen können nicht beendet werden, sie wirken fort, auch wenn sich die Geschwister getrennt haben oder keine Kontakte mehr stattfinden", sagt Hartmut Kasten, Entwicklungspsychologe aus München in einem Interview.

Geschwisterkonflikte wirken manchmal bis ins Erwachsenenalter nach

Wir werden die Wut auf Bruder oder Schwester im Erwachsenenleben manchmal nicht einfach los, außer wir versuchen, diese Beziehung wieder in Ordnung zu bringen. Ein erster Schritt kann sein, sich zu überlegen, weswegen man dem Bruder oder der Schwester so böse ist. Die Erfahrungen aus der Kindheit, die besonders schmerzen, müssen wir uns dazu näher ansehen, sie vielleicht auch aufschreiben. Manchmal beurteilen wir dann das Geschehen anders und vieles löst sich in Luft auf.

Motive vieler Auseinandersetzungen zwischen Geschwistern ist der Kampf um die Zuneigung der Eltern oder das Gefühl, von den Eltern ungerecht behandelt zu werden. Wer sich von seinen Eltern löst und erwachsen wird, kann diese Rivalitätsgefühle den Geschwistern gegenüber oft hinter sich lassen. Ist das Verhältnis zu den Eltern geklärt und entspannt, verblassen im besten Fall auch die Geschwister-Konflikte aus der Kindheit.

Manchmal hilft ein Brief, um wieder in Kontakt zu kommen

Auch, wenn man schon längere Zeit im Clinch liegt, kann es helfen, mit dem Bruder oder der Schwester das Gespräch zu suchen. Bei einem Treffen einfach alles auf den Tisch legen, möglichst ohne den anderen anzugreifen. Nur schildern, was einem weh getan hat und wie man es erlebt hat. Wenn wir dabei nur Ich-Sätze ohne Vorwurf formulieren, lässt das dem anderen den Raum, zuzuhören, ohne sich gleich verteidigen zu müssen.

Dem anderen zu verzeihen kann sehr befreiend wirken.

Wenn die Gräben zu tief sind und ein Gespräch nicht möglich ist, kann man einen Brief schreiben, in dem man dem anderen das schildert, was einen so sehr verletzt hat. Auch in der schriftlichen Form sollte es uns gelingen, nur das Erlebte zu schildern und ohne Vorwürfe auszukommen. Seinen Bruder oder die Schwester gleichzeitig um Verzeihung zu bitten für das, was man dem anderen in der Kindheit bewußt oder unwissentlich angetan hat, bringt ein Geschwister-Gespräch vielleicht wieder in Gang.

Bruder oder Schwester wollen keinen Kontakt mehr? Auch das ist okay

Wenn die andere Seite überhaupt nicht gesprächsbereit ist und man nicht zueinander findet, sollten wir das akzeptieren. Dem anderen zu verzeihen, was vorgefallen ist und die bestehende Distanz anzunehmen, wäre dann für uns selbst wichtig. Das wirkt auch dann wohltuend, wenn vom anderen gar nichts kommt, sagen Experten. Und dafür gibt es einen Grund: Wenn wir unsere Kränkung (oder vermeintliche Kränkung) aus der Kindheit ständig mit uns herumtragen, steht die Verletzung uns immer im Weg. Vergeben wir unserem Gegenüber, übernehmen wir wieder aktiv die Kontrolle über unser Leben und lassen uns nicht länger beeinträchtigen von negativen Gefühlen aus der Vergangenheit: WIR machen unseren Frieden mit Bruder oder Schwester.


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