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Pro und Contra Tiere im Zoo: Artenschutz oder Tierquälerei?

Löwen und Elefanten in Deutschland sehen? Das geht nur im Zoo. Was für Zoodirektor Dag Encke ein Beitrag zum Artenschutz ist, sieht Peter Höffken von PETA als Gefängnis. Ein Pro und Contra.

Stand: 14.10.2016

Kinder betrachten einen Löwen im Zoo. | Bild: picture-alliance/dpa

Pro von Dag Encke, Direktor im Nürnberger Tiergarten

Dag Encke, Direkter im Tiergarten Nürnberg.

"Zoos leisten einen erheblichen Beitrag zum Artenschutz – und der wird leider immer notwendiger. Naturschutzorganisationen kümmern sich nicht mehr um einzelne Tierarten, sondern um ökologische Hotspots, an denen es noch die höchste Artenvielfalt gibt. Zoos sind die letzten Organisationen, die eingreifen, wenn zum Beispiel eine kleine graue Papageienart auszusterben droht – die außerhalb dieser Hotspots vorkommt. Es gibt immer mehr Fälle, in denen man Arten nur vor dem Aussterben schützen kann, indem man sie in Gehegen einzäunt.

Natürlich können wir nicht alle Tiere auswildern. Eisbären zum Beispiel sind ja nicht bedroht, weil sie gejagt werden, sondern weil sie verhungern. Da brauchen wir nicht über eine Auswilderung zu diskutieren, die würde nichts bringen. Und dafür zu sorgen, dass es den Tieren im Zoo gut geht, das ist unser zoologisches Handwerk. Es gibt keine andere Form der Tierhaltung, bei der in jedes einzelne Tier so viel Grips und Geld investiert wird.

Ein weiterer Grund, warum es richtig ist, Tiere in Zoos zu halten ist die Bildungsarbeit. Es gibt nirgendwo sonst Einrichtungen, die so geballt und gezielt so viele Menschen an Umwelt- und Artenschutzthemen heranführen wie Zoos. Allein im Tiergarten Nürnberg sind das pro Jahr knapp 20.000 Menschen – neben den eine Million Besuchern. Umweltbildung ist die Grundvoraussetzung dafür, dass irgendein Artenschutzprojekt oder Umweltprojekt auf der Welt gelingt.

Natürlich kommen die Menschen in erster Linie, um einen schönen Tag zu verbringen, aber damit wir den Menschen Bildung vermitteln können, müssen Sie einen Ort schaffen, an dem sie sich gerne aufhalten. Im Zoo sehen die Menschen eben ein viel realistischeres Bild von den Tieren als in einem Film, weil es Verhalten in Echtzeit vermittelt und nicht Verhaltensspitzen im Zeitraffer wie in Tierdokus."

Contra von Peter Höffken, Senior Fachreferent Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA

Peter Höffken von PETA Deutschland.

"Für uns sind Zoos nichts anderes als Gefängnisse. Es gibt keinen anderen Ort in Deutschland, wo Lebewesen eingesperrt sind, ohne etwas verbrochen zu haben. Es gibt eine ganze Reihe von Tieren, an deren Verhalten man sieht, dass sie leiden: der Menschenaffe, der den ganzen Tag auf einem Fleck sitzt, der Pelikan, der nicht fliegen kann, weil ihm die Flügel gestutzt wurden, der Eisbär, der im Kreis läuft und der Elefant, der diese typische Wippbewegung mit dem Kopf macht. Das begeistert Kinder nicht für den Artenschutz, sondern vermittelt ihnen ein völlig falsches Bild.

Die Wildtiere leiden nicht nur unter zu kleinen Gehegen, sondern auch unter den fehlenden natürlichen Reizen, also Beutetiere, die sie jagen können oder Landschaft, die sich verändert. Die meisten dieser Tiere sind außerdem gar nicht vom Aussterben bedroht. Sie werden eingesperrt, weil sie charismatisch sind und die Besucher unterhalten.

Bedrohte Tiere wie Eisbären oder Menschenaffen, die im Zoo geboren wurden, können außerdem gar nicht ausgewildert werden. Die Tiere, für die das Argument des Artenschutzes wirklich gelten würde, sind letztlich nur eine Handvoll. Die anderen werden ausgestellt, um die Sensationslust der Menschen zu befriedigen."

So viele Zoos gibt es in Deutschland

In Deutschland sind etwa 200 Zoos, Wild- und Tierparks im Verband der Zoologischen Gärten organisiert. Laut dem Verband gibt es außerdem etwa "500 öffentlich zugängliche Wildtierhaltungen, wie Kleinzoos, Tiergehege, Vogelparks, Volieren, Reptilienzoos, Schauaquarien" - von denen etwa 400 nach den Richtlinien der EU als Zoos gelten. Für die Haltung der Tiere gibt es EU-weite Auflagen, nach denen Zoos die Tiere ihren biologischen Bedürfnissen entsprechend halten müssen. Doch die Frage, ob es ethisch vertretbar ist Tiere in Zoos zu halten, beantwortet keine Richtlinie - was denken Sie?


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Xaver Schlickenried, Freitag, 14.Oktober 2016, 21:39 Uhr

9. @Bayern1: Was soll die Frage?

Hallo Bayern 1,
was soll diese Umfrage bezwecken? Die Antwort ist nur realitätsresistenten Naturalisten nicht bekannt.

Grüße
Xaver

Seifert Rainer, Freitag, 14.Oktober 2016, 11:52 Uhr

8. Tiere im Zoo

Wie immer im Leben gibt es Licht und Schatten.
Allerdings ist PETA hier ein interessanter Gedanke gelungen: es fehlt der natürliche Reiz des Beutetieres. Wie ist die Reaktion von PETA wenn eine Antilope vom Löwen gerissen wird?
Aber wo können Nashörner noch unbehelligt leben? In Afrika leider nicht. Bis sich die Welt auf ein Schutzabkommen geeinigt hat...
Ja, Zoo´s sind nicht optimal. Allerdings bin ich froh, dass in Europa eine Richtlinie vorhanden ist. In Südamerika oder den privaten "Zoo´s" in Nordamerika, Asien und auch Afrika sieht es deutlich ungünstiger aus. Wobei auch hier Licht und Schatten vorherrschen und es positive Ausnahmen gibt.
Doch wenn sich Europa aus der Tierhaltung in Zoo´s verabschiedet, sehe ich deutlich negative Auswirkungen. Meine Besuche aus Südamerika loben gerade den Tiergarten in Nürnberg. Hier kann, wer will, sich ein Bild über die natürliche Umwelt der Tiere machen. Und das ist meistens der Beginn einer fruchtbaren Disskussion........

Susanne Sieben, Freitag, 14.Oktober 2016, 11:30 Uhr

7. Tiere im Zoo

Warum keine Tiere im Zoo halten? Ich denke, dass es mit der Zeit immer besser wird , in den Zoos. Die Haltingsbedingungen werden zusehends verbessert. Weniger Tiere, aber artgerechtes, so ist die Tendenz und dass ist doch prima.
Viele Tierarten gibt es doch nur noch, weil es Zoos gibt! Und ich habe beim beobachten nicht das Gefühl, dass sie sich unwohl fühlen.
Und wenn man die Haltung bemängelt, dann dürfte man auch keine Haustiere halten. Lebewesen sind Lebewesen, wer sagt, welche mehr lebenswert sind als andere???
Übrigens, ich gehe sehr gerne in den Zoo! L. G. Susanne

Claudia Geppert-Kohnle, Freitag, 14.Oktober 2016, 10:51 Uhr

6. Tiere in Zoos

Es sollte endlich verboten sein, Tiere in Gehege einzuschließen!
Dass manche Tierarten vom Aussterben bedroht sind, ist schließlich durch Menschenhand verursacht... und dann rechtfertigt die gleiche Spezies auch noch die Tierquälerei mit Artenschutz?! - Die Impertinenz des Menschen gegenüber Tieren aller Art kennt keine Grenzent

Selbst , wenn Tiere in Gefangenschaft geboren werden, so ist deren Instinkt nach Laufen, nach Jagen, nach Klettern... tief verankert und nicht durch künstlich angelegte, vermeintlich 'ausreichende' Gehege ersetzbar.
Ausserdem werden nach wie vor Tiere der Wildnis entrissen und in Käfige und Gehege geschlossen! - Wie grausam ist das!?!!!

Es geht dabei nicht um Tierschutz, sondern AUSSCHLIESSLICH UM GELD! - Je exotischer die Auswahl der Tierarten im Zoo, desto höher die Einnahmen durch Besucher!

Welcher Mensch kann sich über den Anblick eines eingeschlossenen Tieres freuen!?
Ich bin jetzt 50 Jahre und war seit Teenageralter in keinem Zoo... es geht!

Petra Mayer, Freitag, 14.Oktober 2016, 09:29 Uhr

5. Tiere im Zoo

Da meine Familie Verwandtschaft in Nürnberg hat,
hat es sich automatisch ergeben das wir des öfteren
in den Zoo gegangen sind.
Sehr zu meinem Leidwesen.
Meine Cousinen und Cousins ( wir waren damals alle
zwischen 9 und 11 Jahre alt)
waren stets begeistert, ich jedoch sagte immer wie kann
man die Tiere denn so einsperren.
Was nützt ein goldener Käfig ?!
Das selbe galt für Zirkusbesuche.
Sagte da immer wenn die Menschen sich dem Risiko ausetzen möchten,
ist das ihre Sache, aber die Tiere zu quälen ist etwas anderes.
Pferde im Kreis laufen zulassen, Elefanten nach der Aufführung anzuketten.
Das ist nicht ok.
Jahre später machte unsere Schule( achte Klasse) einen Ausflug in den Zoo nach Frankfurt.
Im Bereich Raubtiergehege war ein Spiegel angebracht.
Darunter stand hier sehen Sie das größte Raubtier der Welt.
Meine Klassenkameraden und auch viele Erwachsene haben das leider nicht verstanden.
Es war und ist der Mensch.
Gäbe es den Menschen nicht, wäre die Welt O.K.