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Notaufnahme Wann sollte man in die Notaufnahme gehen?

Ärzte haben meist nur während der Arbeitszeit geöffnet, da finden es viele Menschen praktisch sich abends in der Notaufnahme behandeln zu lassen. Das kann schlimme Folgen haben.

Stand: 11.10.2017

Ein Mann und eine Frau sitzen in der Notaufnahme und sprechen mit einem Arzt. | Bild: picture-alliance/dpa

Bei Verdacht auf eine schwere Krankheit, nach einem Unfall oder auch nur bei der Unsicherheit, ob sich etwas Gefährliches hinter den Symptomen verbirgt, gehen Patienten in die Notaufnahme eines Krankenhauses oder alarmieren einen Notarzt.

Allerdings scheinen sich auch immer mehr Patienten anzumelden, die beim Hausarzt oder einem ärztlichen Bereitschaftsdienst besser aufgehoben wären. Prof. Markus Wörnle, Leiter der Medizinischen Notaufnahme am Klinikum der Universität München, begegnen immer wieder Patienten, die eigentlich kein Fall für die Notaufnahme sind.

Notaufnahme statt Hausarzt?

"Wenn zum Beispiel in der Früh um 2 einer kommt, weil er nicht schlafen kann, dann ist das nichts für die Notaufnahme oder wenn einer gerade im Fast-Food-Restaurant war und einen Burger gegessen hat und jetzt so ein Völlegefühl hat", sagt Wörnle. Es habe auch schon Fälle gegeben, erzählt Wörnle, in denen Patienten klar gesagt hätten, dass sie es nicht zum Arzt geschafft hätte, weil sie noch hätten einkaufen müssen und ein Besuch in der Notaufnahme deshalb praktischer sei. "Das passiert tatsächlich und das ist etwas, was uns unglücklich macht, weil das einfach unnötig ist", sagt Wörnle.

Bei Lebensgefahr und Brust- und Herzbeschwerden oder starken Schmerzen sofort in die Notaufnahme.

An manchen Tagen vermutet Wörnle, zählten bis zu einem Drittel der Wartenden zu dieser Gruppe. Wenn jemand unsicher sei, solle er ruhig in die Notaufnahme kommen. Menschen, die sich nur anmelden, weil ihnen die Zeiten besser passen, binden aber Kräfte, die für tatsächliche Notfälle gebraucht werden. Selbst Gespräche und Aufklärung kosten Zeit.

Denn Ärzte in der Notaufnahme prüfen, welcher Fall am schnellsten behandelt werden muss. Wer also wegen eines Schnupfens ins Krankenhaus geht, wartet länger, als ein Herzinfarktpatient.

"Es ist ganz klar, dass man sagt: Lieber einmal mehr in die Notaufnahme als nicht."

Prof. Markus Wörnle, Leiter der Medizinischen Notaufnahme an der Uniklinik München

Wann jemand ein Fall für die Notaufnahme ist, sei natürlich schwer zu sagen - schließlich hängen mögliche Gefahren auch immer mit Vorerkrankungen und Gesundheitszustand zusammen. "Es ist ganz schwierig so eine Positivliste zu erstellen, weil halt jeder anders ist", sagt Notfallmediziner Wörnle.

Bei welchen Symptomen in die Notaufnahme?

Aus Wörnles Sicht gibt es aber drei Leitbilder, bei denen man in jedem Fall in die Notaufnahme gehen sollte. Zum einen bei Atemnot. "Das kann auch mal nur ein kleiner grippaler Infekt sein, aber es kann auch mal so etwas sein wie eine Lungenembolie oder ein Herzinfarkt", sagt Wörnle.

Auch wer unter Schmerzen in der Brust leidet, sollte die Ursachen sofort abklären lassen. Zwar liegt die Ursache laut Wörnle häufig an Muskeln oder Gelenken - auch ein Herzinfarkt kann sich aber so äußern. Ein weiteres Symptom seien starke Schmerzen. "Denn da kann auch mal so etwas dahinterstecken wie eine Blinddarmentzündung, ein Darmdurchbruch oder ein Magendurchbruch", sagt Wörnle.

Vorsichtig sollte man auch bei Taubheitsgefühlen oder Blut im Stuhl sein.

Wer aber grundsätzlich gesund ist und unter einer leichten Grippe oder einer Magenverstimmung leidet, sollte einen Termin beim Hausarzt ausmachen oder sich abends und am Wochenende an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden. Den erreichen Sie unter 116 117.


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