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Nase hochziehen Was ist besser: Nase hochziehen oder putzen?

Ist es wirklich ungesund die Nase hochzuziehen? Oder schadet eher zu kräftiges Schnäuzen? Was stimmt - und was nicht.

Stand: 14.02.2018

Eine junge Frau schnäuzt sich in ein Papiertaschentuch.  | Bild: BR/Sylvia Bentele

Das blubbernde Geräusch, mit dem Schnupfengeplagte den Schleim aus ihrer Nase in den Rachen hochziehen, gehört gewiss nicht zu den angenehmeren akkustischen Erlebnissen. Aber auch wer schwungvoll in ein Taschentuch trompetet, macht sich bei seinen Mitmenschen nicht unbedingt beliebt. Beide Methoden helfen dem Körper den Schleim auf den natürlichen Wegen abzutransportieren, nur eben etwas schneller.

Ist es ungesund die Nase hochzuziehen?

Nicht unbedingt. Denn durch das Hochziehen fließt das Sekret durch den Rachen in den Magen, wo ein Teil des Schleim ohnehin landet. Wer fürchtet dort könnten sich Keime vermehren, kann beruhigt sein: Die Magensäure zersetzt die Erreger. Allerdings warnen manche Mediziner davor, dass durch das Hochziehen der Nase Keime an andere Stellen transportiert wird.

"Aus medizinischer Sicht ist permanentes Hochziehen oder Schniefen mit einem erhöhen Risiko für Mittelohrergüsse vergesellschaftet. Es besteht also das Risiko, Keime aus der Nase in das Mittelohr zu verschleppen. Hierzu gibt es tatsächlich auch Studien, die besagen, dass 'Schniefer' häufiger unter Flüssigkeitsansammlungen hinter dem Trommelfell leiden."

Priv.-Doz. Dr. med. Frank Haubner, Leiter der Rhinologie an der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Universität München

Ist Schnäuzen ungesund?

Auch das Schnäuzen in ein Taschentuch ist nicht per se schlecht. Forscher konnten allerdings nachweisen, dass kräftiges Pusten den Schleim nicht nur in das Taschentuch befördert, sondern auch in die Nasenebenhöhlen. Verbreiten sich die Keime dort, kann aus einem leichten Schnupfen eine deutlich unangenehmere Nasenebenhöhlenentzündung werden. Allerdings - so argumentieren andere Mediziner - befände sich bei einem Schnupfen in den Nebenhöhlen meist ohnehin etwas Schleim. Deshalb auf das Schnäuzen zu verzichten, ist also nicht unbedingt sinnvoll.

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Wer zum Taschentuch greift, sollte aber auch hygienische Aspekte beachten, damit die Keime nicht weiterverteilt werden: "Beim Schnäuzen kommt es natürlich zu einer Kontamination der Hände mit Keimen und Nasensekret. Daher sollten Papiertaschentücher verwendet werden und diese nach Möglichkeit umgehend entsorgt werden. Nach dem Schnäuzen sollten die Hände im Idealfall gewaschen werden", sagt Priv.-Doz. Dr. med. Frank Haubner, Leiter der Rhinologie an der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Universität München.

Dennoch gilt beim Schnäuzen genauso wie beim Hochziehen: bitte sachte. Wer versucht, mit allzu viel Schwung den Schleim wegzubefördern, sorgt sonst vielleicht dafür, dass Schleim an den falschen Stellen landet.


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