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Ladekabel Ein einheitliches Ladekabel für alle Smartphones?

Die EU drängt auf einheitliche Ladetechnik für Smartphones und andere Elektrogeräte. Bis Ende Juli soll es verschärfte Vorschriften für die Hersteller geben. Kommen unsere Smartphones bald ohne Ladekabel aus? Und welche Rolle spielen dabei Samsung und Apple?

Von: Alexander Dallmus

Stand: 14.07.2020 | Archiv

Smartphones beim Aufladen mit verschiedenen Ladekabeln | Bild: mauritius-images

Ein Ladekabel für alles. Bleibt schwierig.

Jeder, der zuhause Elektrogeräte im Einsatz hat, besitzt zu jedem dieser Elektrogeräte auch das passende Kabel. Wenn er es denn findet! Denn vor allem im Bereich der Unterhaltungselektronik gibt es ganz unterschiedliche Buchsen und Anschlüsse. Ob für Digitalkameras, Kopfhörer oder eben Smartphones.

Seit über zehn Jahren versucht die EU nun bereits eine einheitliche Ladetechnik für alle Mitgliedsstaaten durchzusetzen. Tatsächlich gab es eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie, die die Menge der Ladekabel und dazugehörigen Buchsen-Formate von, damals mehr als 30, reduzieren sollte. Statt einer konkreten und verbindlichen Vorgabe, wollten die Hersteller selbst Standards und gemeinsame Lösungen finden. Ein erster Schritt war die Trennung von Netzteil und Kabel, so dass sich beides auch getrennt voneinander nutzen ließ.

Einheitliches Ladekabel?

Gerade der US-Technologiekonzern Apple wollte sich aber ungern europäische Standards vorschreiben lassen und platziert eine Formulierung in die Absichtserklärung, die es Apple weiterhin erlaubt, eigene, spezielle Ladekabel anzubieten. Und zwar solange in den Apple-Stores auch zusätzliche Adapter verkauft werden. Die Selbstverpflichtung der Hersteller ist bereits 2012 ausgelaufen und seither geht in Sachen "einheitliches Ladekabel" nicht mehr viel vorwärts.

Mittlerweile sind noch drei weit verbreitete Buchsen-Formate übriggeblieben: Das lange Jahre übliche Micro-USB, das neuere USB-C und eben die dünneren, so genannten "Lightning"-Anschlüsse von Apple. Die Verpflichtung auf einen einheitlichen Standard dürfte wohl eher zum flächendeckenden Einsatz von USB-C führen, weil der von den Android-Smartphones und der übrigen Technologiebranche bevorzugt wird. Allerdings müssten dann auch die Ladegeschwindigkeiten harmonisiert werden. 

50.000 Tonnen Elektroschrott nur durch Ladekabel?

Das Europaparlament hat nämlich Anfang 2020 nochmal eine einheitliche Ladetechnik für Handys und andere mobile Elektrogeräte in der EU gefordert. Und die EU-Kommission muss schon bis Ende Juli verschärfte Vorschriften für die Hersteller ausarbeiten. Eben mit dem Ziel, die Menge an Elektroschrott zu verringern. Laut EU kommen europaweit allein durch die Ladekabel jährlich etwa 51.000 Tonnen zusammen. Im Kern geht es bei dem Vorhaben um einheitliche Ladebuchsen in Geräten wie Smartphones oder Tablet-Computern, letztlich aber auch zum Beispiel – gerade bei den Pads – um das drahtlose Aufladen der Batterien.

Wer ist gegen Einheitskabel?

Die Vorgaben des Europa-Parlaments sind vom US-Technologieriesen auch umgehend kritisiert worden. Eine Umstellung würde schließlich zu noch mehr Elektroschrott, allein durch den Austausch der Kabel, führen. Was so natürlich nicht ganz stimmt, schließlich könnten bisherige Kabel weiterhin benutzt werden und es nicht davon auszugehen, dass eine Vereinheitlichung von heute auf morgen stattfindet.

Apple steckt viel Geld in Lobbyarbeit, um beispielsweise in Brüssel Bestrebungen für ein einheitliches Ladekabel zu verhindern. Der Konzern hat sogar eine eigene Studie anfertigen lassen, um zu belegen, dass eine Vereinheitlichung Innovationen und neue Entwicklung verhindern würden. Ein Argument: Wenn bereits 2009 das schlichter gehaltene Micro-USB als Standard vorgeschrieben gewesen wäre, hätte es Weiterentwicklungen, wie das USB-C oder "Lightning", nicht gegeben. Beide Buchsen sind aber auch notwendig geworden, um den immer flacher werdenden Smartphones gerecht zu werden. Tatsächlich haben neue iPhone-Ladegeräte bereits einen USB-C-Ausgang, auch wenn das Kabel am Ende den Lightning-Stecker hat. Und auch das iPad Pro sowie alle Macbooks sind mittlerweile mit USB-C-Buchsen ausgestattet.  

Aber auch das liegt im Interesse von Apple: Der Konzern verdient mit den Ladegeräten viel Geld! Adapter und auch Kabel sind billig herzustellen und Extras kosten. Zum Beispiel liegen Ladegeräte für schnelleres Aufladen nur beim aktuellen iPhone 11 Pro dabei, dem derzeitigen Premiumprodukt von Apple. Für alle anderen Apple-Smartphones gibt's lediglich das Standard-Ladegerät. zum neuen Produkt. Wer's schneller braucht, zahlt im Apple-Store für den entsprechenden Adapter und das notwendige Kabel gleich mal 60 Euro.

Elektroschrott – weniger wäre gut

Nur auf Deutschland runtergerechnet, machen alte Ladekabel und Stecker in der Summe vielleicht gar nicht so viel aus. Auf die gesamte EU hochgerechnet, geht die Kommission aber schon von etwa 51.000 Tonnen pro Jahr aus.

Schon jetzt erfüllt Deutschland nicht einmal die Sammelquote von 45 Prozent bei Elektroschrott (aktuelle Erhebung für 2018: 43 Prozent). Für 2019 gilt allerdings bereits eine Quote von 65 Prozent. Um diese erreichen zu können, hält das Umweltbundesamt (UBA) eine deutliche Vereinfachung der Rückgabe für Verbraucher für nötig. Dafür nötig sind vor allem mehr Sammel- und Rücknahmestellen als bisher. Aber auch eine Ausweitung der Rücknahmepflicht auf zusätzliche Geschäfte im Einzelhandel müsste dazu wohl erfolgen.

Neue Smartphones ohne mitgelieferte Stecker

Angeblich gibt es sowohl bei Branchenführer Samsung als auch bei Apple, dem derzeit drittgrößten Hersteller (2020: hinter Huawei) von Smartphones, Überlegungen, schon bald keine Ladestecker mehr beizulegen. Bei weltweit etwa 400 Mio. verkauften Smartphones allein von Samsung ließe sich da jede Menge Elektroschrott vermeiden. Die Argumentation der Hersteller: In den meisten Haushalten gibt es sowieso bereits mehrfach Ladestecker. Auch bei Apple sollen – wird in der Branche spekuliert – bereits mit der Auslieferung des neuen iPhones 12 für 2021, Ladestecker und Kopfhörer nicht mehr im Umfang des Zubehörs enthalten sein. Was bleibt, sind die Kabel, die es eben wegen der unterschiedlichen Buchsen-Formate auch zur Datenübertragung weiterhin braucht. Müllvermeidungsstrategien dürften bei den Konzernen jedoch weniger im Vordergrund stehen als vielmehr eine Kostenersparnis.

Auch gibt es Gerüchte, dass Apple, um seinem Markenversprechen und der Ablehnung eines Einheitskabels treu zu bleiben, schon Mitte/Ende 2021 ganz auf Kabel verzichten will. Stattdessen könnten neue und hochpreisige Modelle dann drahtlos aufgeladen werden.

Was leider auch in den verschärften Vorschriften der EU-Kommission nicht enthalten sein wird: Eine Qualitätsgarantie auf beigelegte Kabel. Dass die Ladekabel allzu schnell verschlissen sind, kennt jeder, der regelmäßig sein Smartphone oder Tablet auflädt. Eine Art vorgeschriebene Mindesthaltbarkeit für Ladekabel könnte da Abhilfe schaffen und zudem neuen Elektroschrott vermeiden.

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Quellen:

https://www.europarl.europa.eu/news/de/agenda/briefing/2020-01-29/2/ein-einheitliches-ladegerat-fur-alle-mobiltelefone

https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/2020-Common-chargers-for-mobile-phones-and-similar-devices

https://www.copenhageneconomics.com/publications/publication/eu-consumers-evidence-shows-innovation-and-environmental-impacts-with-possible-common-charger-regulation


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