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Kleine Heuschrecke Was ist das für eine Mini-Heuschrecke und was macht sie auf dem Auto?

Diese kleine Heuschrecke reist gern und kommt mit dem Auto aus Italien zu uns. Sicher haben Sie sie auch schon mal gesehen. Doch nicht nur die Wahl ihres Transportmittels ist besonders. Wie sie heißt, lesen Sie hier.

Published at: 8-7-2024

Eine Südliche Eichenschrecke, ein Weibchen, erkennbar am Legestachel, sitzt auf einem Blatt | Bild: mauritius images / Carola Vahldiek / imageBROKER

Sie sieht aus wie eine Miniaturausgabe einer unserer großen heimischen Heuschrecken. Dieser kleinen phosphorgrünen Schrecke sind Sie bestimmt schon mal begegnet. Die Südliche Eichenschrecke stammt eigentlich aus Italien, siedelt sich aber immer häufiger bei uns an. Um sich neue Wohnorte zu erschließen, fährt die Südliche Eichenschrecke gerne Auto, denn sie kann nicht fliegen. Ganz anders als ihre nahe deutsche Verwandte, die Gemeine Eichenschrecke, der sie noch dazu ähnlich sieht. 1996 erreichte die italienische Schrecke bereits Bayern, 2007 wurde sie in Niedersachsen und Berlin, 2008 in Sachsen gesichtet.

Die kleine Langfühlerschrecke, deren Fühler ungefähr viermal so lang sind wie ihr Körper, muss tatsächlich per Anhalter aus Italien gekommen sein. Der NABU schreibt: "Legt man eine Verbreitungskarte der Südlichen Eichenschrecke über eine Karte des Autobahnnetzes fällt auf: Die unscheinbare Art nutzt den Autoverkehr, um sich auszubreiten." Besonders frisch geparkte, noch warme Fahrzeuge scheinen die Schrecke anzuziehen, so der NABU weiter. Sie steigt auf, hält sich fest – und landet im Norden.

Kleine Heuschrecke - auch bei 150 Stundenkilometern noch an Bord

Und sie hält sich sehr gut fest: Die Südliche Eichenschrecke ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Trittbrettfahrerin und zwar eine, die sich nicht so leicht abschütteln lässt. Der NABU berichtet: "Untersuchungen im Windkanal der Technischen Universität Berlin zeigten, dass die Südlichen Eichenschrecken sich auch bei 150 Stundenkilometern noch an Fahrzeugoberflächen festhalten können."

Eher ein Nützling

Und, einmal angekommen, macht sie sich auch noch nützlich, frisst Schädlinge: Die Südliche Eichenschrecke ernährt sich vorwiegend von kleinen Insekten wie Blattläusen oder kleinen Raupen, sie frisst aber auch die Larven der Kastanienminiermotten, die unseren Kastanienbäumen sehr zusetzen. Noch geht man davon aus, dass sie sich die Lebensräume mit unserer heimischen Gemeinen Eichenschrecke teilt.

Südliche Eichenschrecke: Sie zirpt nicht, sie trommelt

Anders als andere Heuschreckenarten kann sie nicht zirpen. Dazu reiben ihre großen Verwandten die Flügel aneinander. Die Südliche Eichenschrecke macht es anders: Sie trommelt mit ihren Beinen auf Blättern. Hören werden Sie sie aber kaum: Das Trommeln ist zu leise für menschliche Ohren.

Quellen: NABU, Studie von Oliver Brauner und Ulrich Schulz zu Südlicher und Gemeiner Eichenschrecke, Leibniz-Institut zur Analyse des Bio-Diversitätswandels

Hören Sie in unserem Interview Podcast Blaue Couch mit Tierverhaltensforscher Norbert Sachser, wie schlau Hunde, Rabenvögel und andere Lebewesen sind. Den Podcast können Sie in der ARD Audiothek kostenlos downloaden und abonnieren.

https://www.ardaudiothek.de/episode/blaue-couch/norbert-sachser-tier-verhaltensforscher-ueber-schlaue-voegel-und-soziale-nager/bayern-1/94565492/


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