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Blumen Darf ich Rosen aus Ostafrika kaufen?

Valentinstag, Muttertag, Geburtstag - Blumen haben immer Saison. Doch kann man bedenkenlos das Sträußchen Rosen für 1,99 Euro vom Discounter kaufen? Sind heimische Rosen besser als die aus Afrika? Und wie sieht es mit der Ökobilanz und der Ausbeutung der Arbeiter aus?

Stand: 08.05.2018

Rote Rose auf weißem Geschenk | Bild: mauritius-images

Rosen, Tulpen oder Anemonen kommen heutzutage meist aus Lateinamerika oder Afrika und werden über Tausende von Kilometern transportiert, bevor sie bei Blumenhändlern in Europa beziehungsweise Deutschland landen.  

Ein undurchsichtiges Geschäft

Es ist ein globales und auch oft undurchsichtiges Geschäft, weil die Vertriebswege weitverzweigt sind. Selbst die Verkäufer in den Blumengeschäften wissen oft nicht, in welchem Land die Blumen gezüchtet worden sind. Wie viel Wasser, Schädlingsbekämpfungsmittel und Dünger eingesetzt worden sind, bleibt damit im Dunkeln - auch, ob die Arbeiter auf den Blumenfarmen ordentlich bezahlt werden und Schutzkleidung tragen. Das Image der Branche ist schlecht, aber auch selbst verschuldet.

Rosen aus Treibhäusern

Die Zuchtrosen der Blumenfarmen haben mit den Rosen im eigenen Garten wenig zu tun. Rosen aus dem Gewächshaus sind Hochleistungsblumen. Innerhalb weniger Wochen wachsen sie soweit heran, dass sie gepflückt werden können. In einem Gewächshaus wachsen etwa drei Millionen Stiele heran, Krankheiten sind deshalb unerwünscht und werden mit Pestiziden bekämpft. Wenn die Blumen dann in der Vase stehen, sollen sie möglichst lange halten und dazu auch noch billig sein. Aber geht das? Kann man guten Gewissens einen Bund Moosröschen für 1,99 Euro kaufen? Auf was muss man achten, damit die Blumen nicht nur gut aussehen, sondern auch das grüne Gewissen nicht belasten?

So läuft der Handel

Drehscheibe des Blumenhandels in Europa sind die Niederlande. Im Durchschnitt werden dort neun Millionen Rosen pro Tag importiert und weiterverschickt. Rund 85 Prozent davon stammen laut dem niederländischen Statistikamt aus Afrika. Kenia und Äthiopien sind dabei mittlerweile die wichtigsten Produzenten. Größter Rosenlieferant ist Kenia, begünstigt durch die niedrigen Löhne und das günstige Klima.

Zahlen und Fakten

Der Einfuhrpreis für eine afrikanische Rose liege derzeit bei 10 Cent. Ein Großteil der Rosen wird laut Statistik an das europäische Ausland verkauft. Seit 2010 werden in den Niederlanden mehr Rosen exportiert als importiert, sodass allein 2013 mehr als 3,3 Milliarden Rosen für über eine Milliarde Euro das Land verlassen haben. Deutschland ist der größte Abnehmer. Weiterverkauft wird eine Rose übrigens für rund 30 Cent. 70 Prozent der Rosen in Deutschland kommen aus den Niederlanden, mehr als 20 Prozent direkt aus Kenia. Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland eine Rose aus Ostafrika zu kaufen.

Anbaubedingungen in Ostafrika

Meist sind die Blumenfarmen in Kenia, nahe der Hauptstadt Nairobi, angesiedelt - in Naivasha, das direkt am See liegt. Entsprechend hoch ist dort die Belastung des Wassers mit Nitraten und Pestiziden. Zudem sank der Wasserspiegel seit Jahren kontinuierlich, denn die Farmen brauchen jede Menge Wasser. Mittlerweile hat sich die Situation etwas verbessert beziehungsweise nicht verschlimmert. Auch, weil verschiedene Umweltverbände Druck machen und die Ressourcen endlich sind. Denn langfristig wäre so auch die Blumenindustrie dort bedroht.

Die Billig-Konkurrenz wächst

Weil sich Auflagen und Sozialstandards in Kenia verändert haben, sind bereits einige Produzenten (die meist aus Europa kommen) nach Äthiopien umgezogen. Dort wird den Arbeitern oft noch weniger gezahlt, als den Rosenpflückern in Kenia. Und die Bezahlung ist meist der einzige Bereich, in dem die Produktionskosten gedrückt werden können. Außerdem ist die politische Lage in Äthiopien derzeit ruhiger.

Mittlerweile ist die Rosenzucht einer der wichtigsten Wirtschaftszweige von Kenia. Das Klima in Kenia ist für die Rosen ideal. Viel Licht, die Temperaturen und vor allem die Luftfeuchtigkeit begünstigen den Anbau. In Europa könnten ähnliche Verhältnisse zwar auch im Gewächshaus hergestellt werden, aber der Energie- und damit auch Kostenaufwand ist entsprechend hoch. In den Niederlanden oder Frankreich müssen die Rosenzüchter ungefähr das dreifache hinlegen, um einen Hektar Rosen im Gewächshaus zu bewirtschaften, was im Vergleich der Transport von der Rosenfarm nach Europa kostet. Der Preis spiegelt auch die ökologischen Realitäten wider. Natürlich ist der Verbrauch der Ressource Wasser, gerade in dieser Region Kenias, mit wiederkehrenden Dürreperioden, enorm. Immerhin haben mittlerweile viele Blumenfarmen eine eigene Kläranlage. Auch der Transport mit dem Flieger samt Kühlkette, die die Frische der Blumen garantieren muss, schlägt in der Ökobilanz negativ zu Buche. Und dennoch ist es im Vergleich immer noch besser, als mit einem enormen Energieaufwand Gewächshäuser im kälteren Europa das ganze Jahr hindurch zu betreiben.   

"Fairtrade" hilft den Arbeitern

Seit 2005 gibt es das Fairtrade-Siegel auch für Rosen. Damit sollen bessere Arbeitsbedingungen für die Pflückerinnen und Pflücker in der Blumenproduktion geschaffen werden. Zu den Rahmenbedingungen von Fair Trade gehören feste Arbeitsverträge, soziale und gesundheitliche Absicherung, Mutterschutz sowie Umweltstandards, wie eine Liste verbotener Pestizide. Mit der Fairtrade-Prämie, die durch die Verkäufe über den Fairen Handel an die Beschäftigten fließt, können Projekte wie Kinderkrippen, Computerworkshops oder Schulstipendien finanziert werden.

Angeschlossene Betriebe wie Penta Flowers, einer der ersten Fair-Trade Betriebe Kenias, werden durch ein Zertifizierungsunternehmen regelmäßig kontrolliert. Auch die Fair-Trade Farm von Red Lands Roses gehört dazu.

"Ich denke, am meisten profitieren die Arbeiter. Wenn wir gute Geschäfte machen, gibt es eine Prämie. Und das ist viel Geld, das in Projekte für die ganze Gemeinschaft fließt."

Geschäftsführerin Isabelle Speidel

Fazit

Fair Trade hilft den Arbeitern.

Wie für viele andere Produkte gilt auch bei Blumen: Es muss uns etwas wert sein. Wenn zehn Röschen für 1,99 Euro über tausende Kilometer transportiert worden sind und die Herkunft noch nicht mal auf Nachfrage abschließend geklärt werden kann, muss etwas faul sein! Wir Verbraucher können die Rosenindustrie zwar nicht grundlegend von einem Tag auf den anderen verändern, aber die Nachfrage regelt auch hier das Angebot. Wenn die Nachfrage nach fair gehandelten Rosen oder anderen Blumen steigt, werden und müssen die Produzenten darauf reagieren. Dass dann die Rosen teurer sind, ist eine Folge für den Verbraucher, aber wir müssen die Ware auch wertschätzen.

Dass damit Arbeiter in Ostafrika besser gestellt werden, ist eine Folge. Ökologisch ist der Import von Zuchtrosen auch vertretbar, wenn im Anbauland die klimatischen Bedingungen besser sind und dort ebenfalls darauf geachtet wird, dass nicht wahllos Pestizide eingesetzt werden.


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