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Wie erkennt man nachhaltige Kleidung Diese Siegel und Apps helfen beim Kleiderkauf

Worauf soll ich schauen, wenn ich ökologisch und fair hergestellte Kleidung kaufen will? An diesen Siegeln und Apps erkennen Sie nachhaltige Mode.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 05.04.2021 | Archiv

Kleidung | Bild: mauritius-images

Es gibt in Deutschland ganz unterschiedliche Textil-Siegel zur Orientierung für den Verbraucher. Nicht immer ist allerdings klar zu erkennen, ob nur Mindeststandards eingehalten werden oder ob die Kriterien besonders scharf gefasst sind. Zum Beispiel, ob sie sich von den vier Grundprinzipien der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) leiten lassen, die ein Verbot von Diskriminierung, die Abschaffung von Zwangs- und Kinderarbeit, die Vereinigungsfreiheit sowie das Recht auf Kollektivverhandlungen umfassen. Nachfolgend eine Auswahl.

Haben Sie auch schon mal einen Ausschlag wegen neuer Kleidungsstücke bekommen? Hier erklären wir, warum das so ist: Bügelfreie Hemden & Co - Warum manche auf der Haut jucken

Das steckt hinter dem Textil-Siegel "IVN Best"

Das Siegel vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft gilt als eines der strengsten. Hier wird neben der Einhaltung der Kernarbeitsnormen auch garantiert, dass Textilien aus 100 Prozent zertifiziert ökologischen Naturfasern stammen.

Das steckt hinter dem Textil-Siegel "GOTS"

Das Siegel steht für Global Organic Textile Standard und ist fast so streng wie das IVN Best. Gibt es den Zusatz "organic" garantiert das, dass 95 Prozent der eingesetzten Fasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft oder Tierhaltung stammen.

Das steckt hinter dem Textil-Siegel "Grüner Knopf"

Der "Grüne Knopf" ist ein Versuch, auch einzelne Produktionsschritte bei Textilien unter einen nachhaltigen Hut zu bekommen. Es ist ein staatliches Siegel, welches vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Berlin aufgesetzt wurde. Seit September 2019 werden sowohl Produktkriterien wie auch Unternehmenskriterien abgeprüft:

"Das ist durchaus ungewöhnlich. Nicht nur beim Produkt wird geschaut, zum Beispiel auf soziale und ökologische Mindeststandards - das geht von Abwassergrenzwerten bis zum Zwangsarbeitsverbot - sondern es wird eben auch das Unternehmen als Ganzes geprüft."

Maria Flachsbarth, BMZ-Staatssekretärin

Mit dabei sind derzeit 60 deutsche Unternehmen, von ALDI über Mey oder Tchibo bis hin zum VauDe. Der Grüne Knopf versteht sich aber als internationales Siegel und deshalb ist es auch wichtig, dass nicht nur deutsche Unternehmen sich daran beteiligen. Schließlich haben die meisten Kleidungsstücke viele tausend Kilometer auf der ganzen Welt hinter sich, ehe sie in einem Geschäft in Deutschland landen. Der "Green Button" ist auch als europäische Gewährleistungsmarke mittlerweile europaweit markenrechtlich geschützt, so dass Unternehmen auch das englische Logo verwenden können. Als erstes europäisches Unternehmen trägt auch der dänische Bettwäsche-Hersteller Beirholm das Nachhaltigkeitssiegel "Grüner Knopf".

Auch wenn es insgesamt 26 soziale und ökologische Produkt- sowie 20 Unternehmenskriterien umfasst, kann nichts darüber hinwegtäuschen, dass das Siegel nur ein erster Schritt sein kann. Bislang umfasst der "Grüne Knopf" auch noch nicht die gesamte Lieferkette. Derzeit werden nur einzelne Produktionsschritte wie "Zuschneiden und Nähen" sowie "Bleichen und Färben" geprüft. "Was wir noch nicht so in den Blick genommen haben, ist die Frage nach den Fasern. Also wie wird die Baumwolle angebaut oder was sind das für chemische Fasern, die verwendet werden?", sagt Maria Flachsbarth. "Das sind jetzt Punkte in der Weiterentwicklung des Grünen Knopfes, die wir in diesem Jahr - in dieser Legislaturperiode noch - auf den Weg bringen wollen."

Klaus Linder vom bayerischen Textilverband findet die Initiative zwar grundsätzlich gut, sagt aber: "Wir wissen, dass unsere Unternehmen das sowieso schon leben. Das heißt, man muss einfach unterscheiden zwischen Unternehmern, die hier entsprechende wertige Mode herstellen und denen, die Massen herstellen. Und das wird einfach alles in einen Topf geschmissen." Auch Mimi Sewalski von der nachhaltigen Online-Plattform „Avocadostore" sieht noch einigen Verbesserungsbedarf: "Ich hätte mir gewünscht, dass man ein bestehendes Siegel nimmt, wie zum Beispiel GOTS oder das IFA. Siegel, die sowohl auf die Lieferkette als auch auf die Chemie, die verarbeitet wird, eingehen." Wobei sich der "Grüne Knopf" als Meta-Siegel versteht und auch die Kriterien anderer anerkannter Siegel akzeptiert, ohne dass Unternehmen nochmals alle Prüfungen durchlaufen müssen.

Noch unklar ist nämlich, wie die Nicht-Einhaltung von Standards beim "Grünen Knopf" konkret sanktioniert werden können oder sollen. Schließlich wird in der Branche, gerade in den Nähfabriken oder Färbereien, mit allen Tricks gearbeitet, um vordergründige Ausbeutung zu verschleiern.

"Wir haben unabhängige Prüfstellen. Zum Beispiel den TÜV Nord, die Dekra, CERTCO, mit denen wir zusammenarbeiten und die uns nachweisen müssen, dass das auch tatsächlich so ist wie angegeben. Unser Herzensanliegen ist es, dass wir in unseren Partnerländern Lebensbedingungen wirklich verbessern, Kindern eine Chance geben, Kinder aus Kinderarbeit rausholen und dadurch ermöglichen, dass sie in die Schule gehen können, dass sie ein besseres Leben haben können."

Maria Flachsbarth, BMZ-Staatssekretärin

Das steckt hinter dem Textil-Siegel "Fairtrade Cotton"

Die Fairtrade-Standards sind zumindest höher als die oben erwähnten Grundprinzipien der IAO. Es geht darum, dass Rohbaumwolle garantiert fair angebaut und gehandelt wird. Wie bei allen Fairtrade-Siegeln sollen auch hier Prämien helfen, nicht nur die Kosten einer nachhaltigen Produktion zu decken, sondern auch Gemeinschaftsprojekte zu finanzieren.

Das steckt hinter dem Textil-Siegel "Fair Wear Foundation"

Das Siegel wird von der niederländischen Stiftung Fair Wear Foundation (FWF) vergeben. Dabei sind ungefähr 80 Textilunternehmen, die insgesamt etwa 120 Marken vertreten. Mit den Kriterien, die das Siegel umfasst, sollen die Arbeitsbedingungen in Unternehmen der Textilindustrie weltweit verbessert werden. Die Mitglieder werden überprüft und dürfen dann das FWF-Siegel verwenden.

Das steckt hinter dem Textil-Siegel "Good On You"

Die mobile App aus Australien Good on You ist mittlerweile eine der größten Verbraucherdatenbanken der Welt in Sachen Mode. Wer Klamotten einkauft, kann sich hier vorher über die Standards von über 2.000 Modemarken informieren und entsprechend seine Kaufentscheidung fällen. Bewertet werden neben der Ökobilanz auch der Umgang mit Menschen- und Tierrechten. Leider gibt's die App nur auf Englisch: https://goodonyou.eco/

Das sind nachhaltige Mode-Labels aus Bayern

Die Textilindustrie hat in Bayern eine lange Tradition und reicht bis ins späte 17. Jahrhundert zurück. Vor allem in Mittel- und Oberfranken, aber auch in Schwaben waren die meisten Spinnereien, Webereien und Kattundruckereien zu finden. Das ist längst Geschichte und die klassische Bekleidungsindustrie musste sich nach und nach dem Kostendruck der Billiglohnländer beugen. Aber es haben sich in den letzten Jahren zahlreiche Labels entwickelt, die mit ihrem Anspruch, nachhaltig und fair zu produzieren, sehr wohl konkurrenzfähig sind.

Eterna aus Passau zum Beispiel. Der Hemdenhersteller, der auf eine 150jährige Tradition zurückblicken kann, setzt vor allem auf Transparenz und legt die einzelnen Schritte von Design bis zur Produktion seiner Kleidungsstücke offen.

Vatter aus München wollen zeigen, dass "bio" und "sexy" sich nicht ausschließen müssen und stellen vorwiegend Unterwäsche aus Bio-Baumwolle her. Auch hier sind alle Produkte GOTS-zertifiziert.

Manomama ist mit der Augsburgerin Sina Trinkwalder vielleicht eines der bekanntesten, nachhaltigen bayerischen Textilunternehmen. Neben Stofftaschen werden auch Kleidungskollektionen hergestellt. Alles "Made in Germany" und auch die gezielte Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen, Alleinerziehenden und Menschen mit Handicap ist der Chefin wichtig.

Bleed ist im oberfränkischen Helmbrechts beheimatet. Die Outdoor- und Streetwear-Mode ist vegan, fair und ökologisch produziert. Rohstoffe sind nämlich vor allem Hanf, Kork oder recyceltes Polyester.

ThokkThokk ist eine Münchner Marke, die schon seit 2008 nachhaltige Klamotten für Männer und Frauen anbietet. Die Stoffe werden zwar in Indien genäht, die Bio-Baumwolle stammt aber aus fairem Handel und sämtliche Stücke sind GOTS-zertifiziert.

Lesen Sie dazu auch: Was ist so schlimm daran, dass wir so viel Kleidung kaufen? Warum ist nachhaltige Mode besser - und woran erkenne ich sie? Der BAYERN 1 Umweltkommissar klärt auf: Was versteht man unter nachhaltiger Kleidung - so geht's auch ohne 19 Modekollektionen pro Jahr

Damit wir uns in Daunen und Merino-Wolle hüllen können, müssen Gänse und Schafe schlimme Torturen über sich ergehen lassen. Lesen Sie dazu: Kleidung ohne Tierquälerei - Was steckt eigentlich in meinem Winterpulli?

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Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie auf der Übersichtsseite "Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar".

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