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Homeoffice Steuer Corona Pendlerpauschale? Homeoffice? Was kann ich von der Steuer 2020 absetzen?

Darf ich wegen Corona die Kosten für ein Arbeitszimmer ansetzen? Wie sieht's mit dem neu angeschafften Drucker, PC und Schreibtisch aus? Wo wir uns 2021 Geld zurückholen können - und was wir unbedingt beachten müssen.

Stand: 24.07.2020

Homeoffice | Bild: picture-alliance/dpa

Auch wenn viele von uns in der Corona-Zeit von Zuhause aus gearbeitet haben bzw. noch arbeiten: Homeoffice bedeutet leider noch lange nicht, dass wir dafür bei der Steuererklärung 2021 die Kosten für ein Arbeitszimmer absetzen dürfen.

Wann kann ich Home Office steuerlich geltend machen?

Der Arbeitsplatz am Esstisch kann steuerlich nicht abgesetzt werden. Zumindest derzeit.

Der Arbeitsplatz am Esstisch oder in der Wohnzimmerecke zählt steuerlich nicht als Arbeitszimmer. Das gilt zumindest derzeit auch für die Sondersituation während der Corona-Epidemie. "Grundvoraussetzung für ein steuerlich absetzbares Arbeitszimmer ist ein abgeschlossener Raum, der als Büro eingerichtet ist und keinerlei sachfremde Einrichtung wie etwa eine Couch oder einen Kleiderschrank aufweist", erklärt Steuerberater Tobias Gerauer von der Lohnsteuerhilfe Bayern (Lohi). Auch Durchgangszimmer akzeptiert das Finanzamt meist nicht.

Ist das gegeben, gibt es zwei verschiedene Stufen der steuerlichen Absetzbarkeit - je nachdem, wo der Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit liegt:

Wer einen Arbeitsplatz Zuhause und einen im Betrieb hat, aber schwerpunktmäßig im Betrieb arbeitet - also etwa an drei von fünf Tagen - darf erst einmal nichts absetzen. Eigentlich. Aber in Corona-Zeiten ist das anders:

"Wenn mich aber der Arbeitgeber in der Corona-Zeit heimschickt und sagt 'Du darfst deinen Arbeitsplatz hier nicht nutzen', müssen die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer absetzbar sein, weil dann kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht"

Steuerberater Tobias Gerauer von der Lohnsteuerhilfe Bayern

Dieser Fall dürfte für die meisten Arbeitnehmer in der Corona-Zeit zutreffen, die teils Zuhause, teils im Betrieb gearbeitet haben bzw. noch arbeiten: Sie dürfen pro Jahr maximal 1.250 Euro an Kosten für das häusliche Arbeitszimmer absetzen. Dabei müssen die genauen Kosten belegt werden, es gibt keine Pauschale.

Liegt der Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit Zuhause - also etwa mindestens an drei von fünf Tagen - können alle Kosten in voller Höhe abgesetzt werden.

Wichtig dabei ist, laut Steuerexperte Gerauer:

"Es spielt eine Rolle, wo der qualitative Schwerpunkt der beruflichen Arbeit liegt, also ob ich Zuhause meine Hauptarbeit erledige, oder ob ich nur Fachliteratur für die Arbeit lese."

Tobias Gerauer, Steuerberater bei der Lohnsteuerhilfe Bayern

Welche Kosten Arbeitszimmer absetzbar?

Welchen Anteil hat das Arbeitszimmer an der Wohnfläche? Danach werden die absetzbaren Kosten berechnet.

Wie viel für das Arbeitszimmer abgesetzt werden kann, richtet sich allgemein nach dem Anteil an der Wohnfläche: In einer 100 qm-Wohnung entspricht ein Arbeitszimmer mit 10qm 10 Prozent der Wohnfläche. Entsprechend dürfen 10 Prozent der gesamten Wohnkosten angesetzt werden.

Bei einer Mietswohnung zählen dazu neben der eigentlichen Miete auch Nebenkosten wie Strom, Heizung oder Müllgebühren. Bei Wohneigentum werden zudem auch Anschaffungskosten (mit Abschreibung!), Versicherungen und Grundsteuer berücksichtigt.

Kann sich an der Arbeitszimmer-Regelung wegen Corona etwas ändern?

Doppelbelastung Homeoffice und Kinderbetreuung: Dürfen Steuerzahler auf eine finanzielle Anerkennung hoffen?

Wer in der Corona-Zeit etwa ab Ende März bis Ende Juli nur noch zwei Tage im Betrieb und drei Tage im Homeoffice gearbeitet hat, darf - zumindest nach derzeitiger Rechtslage - auch nur die Kosten für diesen Zeitraum absetzen. "Daran kann sich allerdings auch noch etwas ändern", so Steuerberater Gerauer. Die CSU-Politikerin Silke Launert hat Mitte Juli (20.7.) eine steuerlich absetzbare Homeoffice-Pauschale in Höhe von 600 Euro vorgeschlagen, um der Doppelbelastung vieler Menschen in der Corona-Krise Rechnung zu tragen.

Steuerrechtlich "ungerecht", urteilt Steuerberater Gerauer: "Man sollte sich nur Steuern sparen, wenn man auch Ausgaben hatte - besser wäre es, man würde die Kosten für die Arbeitsecke abziehbar machen, als mit Pauschalen zu arbeiten. Das würde auch denjenigen mehr helfen, die nur eine kleine Wohnung mit einem Schreibtisch in der Ecke haben."

Brauche ich fürs Home Office eine Bescheinigung vom Arbeitgeber?

Wenn es um das Thema Arbeitszimmer geht, ermittelt das Finanzamt sehr genau, weiß Tobias Gerauer aus Erfahrung. Man sollte sich also gründlich und realistisch überlegen, ob man die durchaus hohen Anforderungen erfüllen könnte. Ist das allerdings der Fall, sollte man gleich alle Register ziehen, so der Steuerberater:

"Wenn es um den Nachweis geht, wo der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit liegt und ob ein anderer Arbeitsplatz im Betrieb zur Verfügung steht, kann es sinnvoll sein, eine entsprechende Bescheinigung vom Arbeitgeber vorzulegen."

Tobias Gerauer, Steuerberater bei der Lohnsteuerhilfe Bayern

Klar ist aber auch: Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, eine derartige Bescheinigung zu erbringen.

Wer zahlt Einrichtung Home Office?

Drucker, PC, Schreibtisch, Stuhl oder Lampe - Gegenstände, die ich mir als Arbeitnehmer angeschafft habe, um von Zuhause aus arbeiten zu können, kann ich bei der Steuererklärung als Arbeitsmittel angeben und unter Werbungskosten ansetzen. Und zwar unabhängig von der Corona-Zeit und unabhängig davon, ob ich ein absetzbares Arbeitszimmer habe oder nicht.

Dabei gilt: Je mehr ich ein Arbeitsmittel für den Job nutze, und je weniger privat, desto höher der Prozentsatz des Kaufpreises, den das Finanzamt als Arbeitsmittel anerkennt. Dass die Finanzämter die Nutzung immer mit 50% - 50 % ansetzen, stimmt aus seiner Erfahrung heraus nicht, sagt Lohi-Berater Gerauer. Er rät: "Keine Phantasiewerte erfinden, sondern für sich selber ehrlich überlegen, wieviel nutze ich beispielsweise den PC beruflich, wie viel privat?" Sein Tipp:

"Eine sinnvolle Begründung erhöht die Chancen, dass das Finanzamt auch einen höheren beruflichen Nutzungsanteil akzeptiert. Da sind dann auch durchaus mal 80 Prozent berufliche Nutzung für einen PC drin."

Tobias Gerauer, Steuerberater bei der Lohnsteuerhilfe Bayern

Arbeitsmittel - geringfügiges Wirtschaftsgut

Arbeitsmittel bis zu einem bestimmten Preis dürfen in einem Steuerjahr angegeben werden; darüber gelten sie als geringfügige Wirtschaftsgüter und müssen über mehrere Jahre hinweg abgeschrieben werden. Von Januar bis Juli 2020 lag diese Grenze bei 952 Euro; von Juli bis Dezember 2020 wegen der Umsatzsteuersenkung bei 928 Euro.

Wer bezahlt mir die Kosten für Telefon und Internet?

Die Kosten für Telefon und Internet können ebenfalls als Werbungskosten angesetzt werden (bis zu 20 Prozent des Rechnungsbetrags, aber maximal 20 Euro, sind ohne Nachweis ansetzbar, darüber nur mit Einzelnachweis). Ihr Arbeitgeber darf Ihnen die Telekommunikationskosten in gleicher Höhe pro Monat steuerfrei erstatten.

Nicht vergessen: Fahrtkostenabrechnung anpassen!

Wer normalerweise mit dem Auto zur Arbeit pendelt und wegen Corona teilweise oder ganz von Zuhause aus arbeitet, spart zwar Spritkosten, kann aber auch nur entsprechend weniger Fahrkosten bei der Steuererklärung ansetzen. Das sollten wir bei der Steuererklärung 2020 nicht vergessen.

Auch wer auf seiner (elektronischen) Steuerkarte eine Pendlerpauschale eingetragen hat, muss die Änderung beim Finanzamt bekannt geben.

Fahrtkostenzuschüsse des Arbeitgebers fallen für den Homeoffice-Zeitraum weg; anders Zuschüsse für öffentliche Verkehrsmittel. Sie bleiben erhalten bzw. können als Werbungskosten abgesetzt werden.

Auch wenn Sie gefühlt kaum Aussichten auf eine große Steuerrückerstattung haben - in den meisten Fällen lohnt es sich, eine Einkommensteuer-Erklärung abzugeben! Lesen Sie dazu: Drei Gründe für eine Einkommensteuer-Erklärung


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