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Hausnotruf Sicherheit zu Hause - diese Möglichkeiten gibt es

Mehr Sicherheit für Senioren: Es gibt eine neue App, die über den Energieverbrauch misst, ob die Bewohner Hilfe brauchen. Aber es gibt auch noch den Hausnotruf oder die Notrufuhr. Alle wichtigen Infos hier.

Published at: 11-4-2024

Älteres Paar sitzt an einem Tisch und hinter ihnen steht eine weibliche Betreuerin | Bild: mauritius images / Westend61 / Uwe Umstätter

Start up Veli Care - Veli App

Die eigene Wohnung oder das eigene Haus als Beschützer zu nutzen, das ist die Grundidee des jungen Start-up-Unternehmens "Veli Care". Die Verbrauchsdaten von Strom und Wasser werden überwacht und bei Auffälligkeiten schlägt das System Alarm: "Ist die Herdplatte länger als gewöhnlich eingeschaltet, läuft das Wasser in der Dusche auffallend lange oder gab es heute Morgen keine Aktivität wie sonst üblich? Gibt es Abweichungen in der täglichen Routine, schlägt Veli Alarm und benachrichtigt Angehörige oder den Hausnotrufdienst", schreiben die Gründer auf ihrer Webseite. Eine Künstliche Intelligenz erkennt anhand der Verbrauchsdaten diese Unregelmäßigkeiten und reagiert, wenn zum Beispiel nicht wie sonst immer morgens die Kaffeemaschine und das Licht eingeschaltet werden. Über eine App, die Veli-App, können Angehörige darüber hinaus nachsehen, ob in der Wohnung der Großeltern oder der Eltern alles in Ordnung ist. Das Ganze ist als zusätzliche Absicherung gedacht, also ergänzend zu einem Hausnotruf.

Auf die Idee für das Start Up kam einer der Gründer aus leidvoller Erfahrung, Jan-Peter Seevers von Veli-Care: "Die ursprüngliche Idee hatte mein Mitgründer Tim Weiß, als seine Großmutter gestürzt ist. Sie hatte eigentlich für den Fall der Fälle so einen roten Notrufknopf am Armband, um Hilfe zu rufen. Als sie dann wirklich gestürzt ist, lag der rote Knopf gut verstaut im Nachttisch." Deswegen entwickelten die beiden Veli-Care, ein System, das die vorhandenen Strom- und Wasserzähler nutzt. Ist die Messtechnik in der entsprechenden Wohnung oder im Haus veraltet, dann kümmert sich das Unternehmen um die Installation von digitalen Zählern, auf deren Daten dann zugegriffen werden können.

Vorteil: Auch ohne Betätigen eines Notfallknopfs können Notfälle erkannt werden; das System arbeitet quasi automatisch im Hintergrund.

Hausnotruf

Gemeinnützige Organisationen wie zum Beispiel das Deutsche Rote Kreuz, der Arbeiter Samariter Bund, der Malteser Hilfsdienst oder die Johanniter bieten einen Hausnotruf an. Auch private Unternehmen gibt es auf dem Markt wie zum Beispiel Zembro, Vitakt Hausnotruf oder Libify Hausnotruf. Dabei werden ganz verschiedene Modelle und Tarife zur Verfügung gestellt. Es kann ein Notruf über einen Alarmgeber an einer Kette um den Hals oder per Armband, mit einer Basisstation oder ohne, oder über einen GPS-Tracker ausgelöst werden.

Eine Basisstation mit Lautsprecher und Mikrofon, die mit dem Festnetztelefon verbunden ist, oder ein Mobilnotruf verständigen dann eine Notrufzentrale. Die Helferinnen und Helfer versuchen zuerst per Freisprechanlage mit den Hilfebedürftigen zu sprechen. In vielen Fällen können auch die Schlüssel zur Wohnung bei dem Hausnotrufdienst im Tresor deponiert werden. Vorteil: Der Notdienst kann in die Wohnung gelangen, wenn die Seniorin oder der Senior zum Beispiel nicht die Wohnungstür öffnen kann.

Hausnotruf Kosten

Ein herkömmlicher Hausnotruf kostet bei den meisten Anbietern laut Stiftung Warentest zwischen 23 und 39 Euro pro Monat, Premiumpakete ohne Pflegegrad sind schon mal bis 75 Euro im Monat teuer. Dazu kommen bei manchen Anbietern einmalige Anschlussgebühren für die Basisstation zum Beispiel und Gebühren für die Schlüssel-Verwahrung. Je nach Pflegegrad der betreffenden Person werden die Kosten zum Teil auch von der Pflegeversicherung übernommen. Meist wird aber nur ein Basistarif bezahlt, zusätzliche Leistungen müssen die Kunden dann selbst übernehmen.

Die Stiftung Warentest hat 2018 neun Anbieter miteinander verglichen, gemeinnützige Verbände und private Anbieter. Fazit damals: "Insgesamt fiel die Schnelligkeit der Notrufzentralen aber positiv auf: Die Mitarbeiter nahmen die Notrufe im Test meist inner­halb von wenigen Sekunden bis einer Minute an und informierten schnell die Kontaktpersonen." Allerdings führten Mängel in den Vertragsabschlüssen oft zur Abwertung der Testnoten.

Notruf Uhr Senioren

Eine Notruf-Uhr verständigt, wenn der Notfallknopf an der Uhr gedrückt wird, vorher festgelegte Kontakte, also zum Beispiel Angehörige und/oder eine Notrufzentrale. Je nach Vertragsmodell per Textnachricht mit Standortangabe und Anruf. Viele der Uhren erkennen über Sensoren auch Stürze ihrer Besitzerin oder ihres Besitzers. Die Uhren sind oft verbunden mit einem Abo bei einer Notrufzentrale.

Notruf Uhr Testsieger

Die Stiftung Warentest empfiehlt zwei Modelle, die von Schweizer Verbraucherschützern getestet worden sind: Die beste Gesamtnote erhielt die James Sicher­heits­Uhr B7. "Die James B7 ist in Deutschland laut Anbieter über Notrufdienste wie Arbeiter-Samariter-Bund oder Deutsches Rotes Kreuz erhältlich. In der Regel mieten Kunden die Uhr ab 30 bis 40 Euro monatlich inklusive Verbindung zur Notrufzentrale", so die Stiftung Warentest. Will man im Notfall nur Angehörige informieren und keine Notrufzentrale alarmieren, könne man, so Stiftung Warentest, das Modell B6 kaufen. Das kostet rund 200 Euro. Hinzukommen noch 10 Euro pro Monat für das spezielle SIM-Karten-Abo des Herstellers.

Auch die Apple Watch SE 4G 40 mm (Kosten: circa 350 Euro), eine herkömmliche Smartwatch, bekam im Test ein "gut". Sie benachrichtigt gespeicherte Notfallkontakte mit Standortmitteilung, ruft sie aber nicht an. Oder sie stellt eine Verbindung zum Notruf 112 her.

Beide Notruf-Uhren haben einen Sturzsensor, der von der Apple Watch arbeitet zuverlässiger.

Notrufknopf

  • Bevor Sie sich für einen Anbieter für einen Hausnotruf oder eine Notruf-Uhr entscheiden, vergleichen Sie unbedingt die Preise, rät Stiftung Warentest.
  • Fragen Sie bei der Pflegekasse nach, welche Kosten sie übernimmt.
  • Prüfen Sie im Vorhinein, welche Funktionen Sie wirklich benötigen, rät die Verbraucherzentrale. Unter diesem Link können Sie sich einen Überblick über die von Hausnotruf-Diensten angebotenen Leistungen verschaffen. Auf dieser Webseite der Verbraucherzentrale finden Sie auch eine Checkliste, mit deren Hilfe Sie Hausnotruf-Verträge genau abklopfen sollten. Verbraucherzentralen beraten auch persönlich zu Pflegethemen.

Kann Leben retten, weil sie Helferinnen und Helfern schnell mit wichtigen Informationen versorgt: Die Notfalldose im Kühlschrank.


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