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Versicherungen für Hausbesitzer Mit diesen Versicherungen ist Ihr Haus optimal geschützt

Reicht eine Wohngebäudeversicherung? Wann sollte ich mich gegen Elementarschäden versichern? Wie hoch muss die Hausratversicherung sein? Und was hat es mit der so gefürchteten Unterversicherung eigentlich auf sich? Diese Infos sollten Sie als Hausbesitzer kennen.

Stand: 25.06.2019

Ein junges Paar sitzt auf dem Teppich und rechnet Unterlagen durch | Bild: mauritius-images

"Immer dann abschließen, wenn der nicht versicherte Schaden einem finanziell das Genick brechen würde."

Merten Larisch, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Bayern

Wohngebäudeversicherung: Eine Wohngebäudeversicherung deckt viele Schäden durch Naturgewalten ab, etwa nach Brand, Sturm oder Hagel. Die Folgen von Starkregen, Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch oder Schneedruck zahlt allerdings nur der Elementarschadenschutz, und das ist in der Regel eine Zusatzversicherung. In einigen Altverträgen sind Wohngebäude- und Elementarschadenversicherung noch kombiniert; für Neuverträge werden diese Leistungen in der regel nur getrennt angeboten. Sind Sie unsicher, ob Ihre Versicherung auch Elementarschäden abdeckt, überprüfen Sie Ihre Police.

Für den Versicherungsexperten Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern ist klar:

"Eine Wohngebäudeversicherung ist für Hausbesitzer existenziell."

Merten Larisch, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Bayern

Wer angebaut oder sein Haus modernisiert hat, sollte das unbedingt der Versicherung melden. Denn dann könnte der Wert des Hauses gestiegen sein und im Zweifelsfall entsteht eine sogenannte Unterversicherung – im Fall eines Schadens würde also nicht der komplette Wiederaufbauwert bezahlt.

Das Problem bei der Elementarschadenversicherung

Ob eine Elementarschadenversicherung sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab. Da dieser Zusatz-Baustein der Wohngebäudeverischerung allerdings meist nicht gerade billig ist, sollte man als Hausbesitzer vorher gut überlegen und rechnen. Was viele nicht wissen: Ob Sie eine solche Police bekommen, ist nicht allein Ihre Entscheidung. Die Versicherung kann Sie annehmen - oder auch ablehnen. Wie teuer Sie die Versicherung kommt, wird anhand einer Karte mit Risikoregionen entschieden. Wo häufiger Versicherungsfälle (etwa wegen Hochwasser) auftreten, wird Elementarschutz - wenn überhaupt - nur für viel Geld zu haben sein.

Hausratversicherung:

Mit der Hausratversicherung wird die Einrichtung abgesichert. Die meisten Hausratversicherungen funktionieren ähnlich wie Wohngebäudeversicherungen. Wird der Hausrat durch Überschwemmungen zerstört, zahlt die Versicherung nur, wenn zusätzlich ein Elementarschutz vereinbart wurde. Sonst greift die Versicherung bei Einbruchsdiebstählen, Feuer, Hagel oder zum Beispiel Schäden durch Leitungswasser.

Ob eine Hausratversicherung sinnvoll ist, hängt vom Wert des eigenen Hausstands ab. Merten Larisch: "Die Hausratversicherung kann man machen. Da sie aber relativ günstig ist, sollte sie jeder haben." Wenn Sie eine abgeschlossen haben, sollten Sie sie sich alle paar Jahre mal genauer vornehmen - Stichwort "Unterversicherung".

Was bedeutet "Unterversicherung"?

Im Laufe der Jahre sammeln sich meist doch einige Werte in der Wohnung oder im Haus an - teurere Möbel oder Teppiche, Fernseher, Laptops. Entsprechend sollten Sie in regelmäßigen Abständen die Höhe Ihrer Versicherungspolice anpassen, um im Schadensfall - sei es ein Wasserschaden oder ein Einbruch - nicht auf einem Teil der Kosten sitzen zu bleiben. Denn: Haben Sie Ihre Versicherungssumme zu niedrig angesetzt, sind Sie im Versicherungssprech "unterversichert" - und entsprechend kann die Versicherung die Leistung kürzen.

Beispiel

Sie haben eine Versicherung über 50.000 Euro abgeschlossen; tatsächlich ist Ihr Hausrat aber rund 100.000 Euro wert. Ein Wasserschaden verursacht Kosten in Höhe von 30.000 Euro. Da Sie um 50 Prozent unterversichert waren, bekommen Sie auch nur die Hälfte des Schadens erstattet, also 15.000 Euro.

Auf Nummer sicher gehen mit einem Unterversicherungsverzicht

Wenn Sie mit Ihrer Versicherung einen sogenannten "Unterversicherungsverzicht" vereinbaren, bekommen Sie den Schaden ohne vorige Prüfung ersetzt. Allerdings nur bis zu der von Ihnen angegebenen Versicherungssumme. Und die sollte hoch genug gewählt werden.
Wenn Sie's einfacher haben wollen: Viele Versicherungen bieten ein Pauschalmodell an, das den Unterversicherungsverzicht einschließt und bei dem jeder Quadratmeter Wohnfläche pauschal mit 650 Euro versichert wird. Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung ergibt sich eine Versicherungssumme von 65.000 Euro, was für einen Durchschnittshaushalt ausreichend ist und Scherereien mit der Versicherung im Schadensfall erspart

Elementarschadenversicherung: Der Elementarschutz ist keine eigene Versicherung, sondern ein Zusatz bei Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen. Sie deckt Schäden durch Naturgewalten. Neben Überschwemmungen können das auch Starkregen oder zum Beispiel große Schneelasten sein. "Gerade Schneedruck ist in Bayern ein riesen Thema", sagt Versicherungsexperte Larisch.

Und auch das Hochwasser in Niederbayern hat wieder gezeigt, dass Unwetterschäden leider immer häufiger auftreten. Wenn es einen erwischt, ist der Schaden oft nicht abgedeckt. Fazit des Versicherungsexperten: Unbedingt zusätzlich abschließen.  

Checkliste: Diese Versicherungen brauchen Sie

Checkliste zum Download Format: PDF Größe: 959,21 KB

Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht: "Für Vermieter ein Muss", sagt Merten Larisch. Wenn zum Beispiel ein Ziegel vom Dach auf einen Fußgänger fällt, kann den Hausbesitzer eine Mitschuld treffen. Wer nicht vermietet, bei dem springt die private Haftpflichtversicherung ein, bei Vermietungen ist das vom Versicherer aber meist ausgeschlossen.

Deshalb (nur) für Vermieter: Abschließen. Außerdem rät Larisch bei Haftpflichtversicherungen immer auf eine möglichst hohe Versicherungssumme zu achten: "Fünf Millionen sind das Minimum."

Rechtschutzversicherung für Eigentümer: Eine Rechtschutzversicherung ist grundsätzlich sinnvoll, aber kein Muss. Merten Larisch sagt: "Nicht existenziell."

Risikolebensversicherung:

"Wer den Hauskauf über einen längeren Zeitraum finanziert, sollte sie haben", rät der Versicherungsexperte. Denn wenn dem Hausbesitzer etwas zustößt, können die Hinterbliebenen die Restschuld abbezahlen. In diesem Fall sollte auch unbedingt eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden, sonst droht im Fall der Fälle schnell eine Zwangsversteigerung. "Ist das Haus bereits abbezahlt oder geerbt, ist die Risikolebensversicherung nicht notwendig", sagt Larisch.

Bauhaftpflicht: Nicht nur beim Hausbau, sondern auch bei größeren Anbauten zu empfehlen. Grundsätzlich rät Merten Larisch: "Haftpflichtrisiken abzudecken ist ein Muss."

Bauleistungs- und Baustellenversicherung: Die Bauleistungsversicherung hilft, wenn zum Beispiel ein Unternehmen pleite ist und die Leistung nicht mehr erbringen kann. Die Baustellenversicherung für den Fall, dass Baumaterial von der Baustelle gestohlen wird. "Sie werden nur für den Zeitraum des Hausbaus abgeschlossen und können bei Verzögerungen eventuell verlängert werden." Sinnvoll für Bauherren und Bauherrinnen!

Brandschutz ist auch im neuen Zuhause wichtig: Rauchmelder, Kohlenmonoxidmelder, Löschdecke - was brauchen Sie zu Hause.


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