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Dr. Google Welche Gesundheitsportale sind seriös?

Dr. Google ist jederzeit erreichbar und geduldig. Was er wirklich leisten kann und wo seriöse Gesundheits-Informationen im Internet zu finden sind.

Stand: 03.08.2020

Mann recherchiert an einem Laptop im Internet Gesundheitsinformationen | Bild: mauritius images

46 Prozent aller Deutschen tun es: Sie googeln ihre Symptome vor dem Arztbesuch, so eine Bertelsmann-Umfrage von 2018. Der Digitalverband "Bitkomm" kam 2017 sogar zu dem Ergebnis, dass 70 Prozent der Befragten Gesundheitsthemen im Internet suchen - hauptsächlich zu Ernährung, Krankheitssymptomen und Fitnessthemen.

52 Prozent der Befragten gaben an, sie seien "immer zufrieden" oder "meistens zufrieden" mit den Gesundheitsinformationen, die sie im Internet finden, so die Umfrage der Bertelsmann-Stiftung.

Das wird bei Dr. Google gesucht

Mit der Hilfe von Dr. Google wollen Patienten vor allem ärztliche Empfehlungen prüfen und sich über Behandlungsalternativen informieren, aber sie suchen im Netz auch den Austausch mit anderen und emotionale Unterstützung nach einer Diagnose von anderen Betroffenen.

Dr. Google - diese Gesundheitsportale sind seriös

Gesundheitsinformationen gibt es im Internet von medizinischen Organisationen und Instituten oder von kommerziellen Anbietern wie Verlagen oder Pharmaunternehmen. Letzere sind werbefinanziert und enthalten auch Werbung und Anzeigen auf den Seiten. Nicht immer ist die Trennung von Werbung und Inhalt klar zu erkennen.

Homepage von gesundheitsinformation.de

gesundheitsinformation.de - Übersichtlich und werbefrei: Das Web-Angebot der staatlichen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bietet fundierte medizinische Informationen oft mit detaillierten Illustrationen, Quellennennung und Behandlungsarten. Beim großen Überblicksartikel zum Thema "Bandscheibenvorfall" beispielsweise werden auch viele nicht-operative Therapien genannt und ausführlich erklärt. Interessant hier: Zu vielen Themen haben Betroffene ihre eigene Krankheitsgeschichte erzählt, zu finden unter dem Reiter "Erfahrungsberichte".

patienten-information.de - Hinter diesem werbefreien Internetangebot steht das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), das im Auftrag von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung die Seiten erstellt. Es finden sich neben den medizinischen Informationen auch Behandlungs-Leitlinien, die Links zu Selbsthilfegruppen und ein Wörtbuch, das medizinische Fachbegriffe erklärt. Viele der Seiten gibt es auch in verschiedenen anderen Sprachen und auch in einfacher Sprache. Der Nutzer kann auch die Informationsmenge wählen, die verschiedenen Erkrankungen werden "kurz erklärt" oder "ausführlich erklärt".

Dr. Google - Ärzte im Internet

Auch die Internet-Anbegote von ärztlichen Ständeorganisationen, Stiftungen oder Patientenorganisationen wie die internisten-im-netz vom Berufsverband Deutscher Internisten, lungenaerzte-im-netz der Deutschen Lungenstiftung oder herzstiftung.de von der Patientenorganisation Deutsche Herzstiftung bieten verlässliche Informationen.

Einige Krankenkassen bieten mittlerweile medizinische Basis-Informationen an - zum Beispiel die Barmer (Gütesiegel zertifiziert) oder die Techniker.

Medizinische Verlagsportale - seriöse kommerzielle Gesundheitsportale

apotheken-umschau.de - Die Seiten der Apotheken Umschau, die unter dem gleichen Namen als Zeitschrift in den Apotheken verteilt wird, gehören zu den am meisten abgefragten Gesundheitsportalen im Netz. Es gibt dort eine Fülle von Artikeln an, die von Fachjournalisten geschrieben werden. Hinter dem Angebot steht der Verlag Wort & Bild in Baierbrunn. Das Angebot ist werbefinanziert und auf den Seiten findet sich Werbung. Die Zeitschrift Öko-Test, die die Seiten 2017 in einem Test von Dr. Beate Müller vom Institut für Allgemeinmedizin, Arbeitsbereich Patientensicherheit der Uni Frankfurt untersuchen ließ, bemängelte, dass sich im Webangebot der Apotheken Umschau auch Textanzeigen, sogenannte "Advertorials", finden, bei denen der Nutzer sehr aufmerksam sein muss, um diese als Werbung zu erkennen.

netdoktor.de - Auch netdoktor.de wird von einem Verlag betrieben, hinter netdoktor.de steht die Hubert Burda Media. Es ist ein sehr häufig abgerufenes Gesundheits-Portal. Die Tester von Öko-Test gaben den Inhalten 2017 sehr gute Noten. Auch der Symptom Checker kam gut weg. Allerdings auch hier: Werbung, auch solche Anzeigen, die im Stil der redaktionellen Inhalte gehalten sind, also für den Nutzer schwer zu erkennen sind.

Nebenwirkungen von Besuchen bei Dr. Google

Nicht immer hat Dr. Googles Sprechstunde die erwünschte Wirkung: Die Uni Köln hat in einer aktuellen psychologischen Studie um Alexander L. Gerlach festgestellt, dass das Googeln verschiedener Symptome dazu führen kann, dass man sich größere Sorgen um die eigene Gesundheit macht - und zwar unabhängig davon, ob man als Suchender auf Webseiten unterwegs sind, die schwerwiegende Verläufe einer Krankheit beschreiben oder auf Webseiten, die zurückhaltend informieren. Die Angst davor, tatsächlich ernsthaft krank zu sein, wächst bereits nach fünf Minuten Internet-Recherche, so die Forscher. Das Phänomen haben die Forscher "Cyberchondriasis" genannt - eine Wortschöpfung aus Cyber und Hypochondrie.

Checkliste - so erkennt man im Internet seriöse Gesundheitsinformationen

Alle, die nach medizinischen Informationen im Internet suchen oder Symptome in die Suchmaschine eingeben, sollten wissen, dass ein gutes Google-Ranking nichts über die Qualität und Verlässlichkeit der Webseiten aussagt. In den Suchergebnissen stehen oft beworbene Webseiten ganz oben.

Die Verbraucherzentrale hat eine Checkliste erarbeitet, die sehr hilfreich ist, um herauszufinden, welche Seiten den wissenschaftlichen Stand der Medizin wiedergeben und neutral, also ohne Eigeninteressen, informieren.

Das sind die wichtigsten Dinge, auf die man bei Gesundheitsseiten immer schauen sollte:

1. Wer ist der Anbieter? Name, Adresse, Kontaktmöglichkeiten sollten leicht auffindbar sein und geben einen guten Hinweis, welche Interessen hinter der Seite stehen.
2. Welche Ziele hat der Anbieter? Es sollte für den Nutzer klar zu sehen sein, ob es sich bei dem Internetangebot um ein Angebot eines kommerziellen Anbieters handelt - ein Pharmaunternehmen oder einen Anbieter von Nahrungsergänzungen - oder nicht.
3. Wer ist der Autor? Ist erkennbar, wer die Informationen zusammengestellt hat und welche fachlichen Qualifikationen der Autor besitzt?

Weitere Anhaltspunkte für brauchbare Quellen: Das Portal ist werbefrei oder es besteht eine klare Trennung von Werbung und Information. Bei Medizinthemen sollte auch ein Standdatum der Webseite vorhanden sein, damit der Nutzer ersehen kann, von wann die Informationen stammen. Außerdem müssen die Daten der Nutzer geschützt sein.

Mehrere Quellen nutzen

Verlassen Sie sich nie nur auf eine Quelle - glauben Sie eine Information erst, wenn Sie die gleiche Information bei mehreren voneinander unabhängigen Quellen finden.

Das kann Dr. Google nicht

Eine Internet-Recherche ersetzt niemals den Besuch bei einem Arzt. Im besten Falle ist eine Suche im Internet eine gute Hintergrundinformation für das Arztgespräch und hilft dabei, wichtige Fragen in der Praxis parat zu haben.

Gütesiegel für Medizinportale - welche gibt es?

Ein Hinweis auf Seriösität können Gütesiegel auf den Webseiten sein. Das HON-Code-Siegel wird von der gemeinnützigen Stiftung "Health On the Net" vergeben. Die Gesundheits-Webseiten werden geprüft und müssen festgelegte Regeln einhalten wie die Sachverständigkeit der Autoren, Transparenz, Offenlegung der Finanzierung, klare Trennung von Werbung und redaktionellem Inhalt.

Auch das Siegel des Aktionsforums Gesundheitsinformationssystem (afgis) findet sich auf Webseiten mit medizinischem Inhalt. Das Siegel sagt in erster Linie etwas über die Transparenz, Bedienbarkeit und Verständlichkeit der Seiten aus. Eine Liste, wer das Siegel hat, findet sich bei afgis.

Wenn Sie diese Siegel auf einer Seite im Netz finden, prüfen Sie, ob ein Link zur HON-Seite beziehungsweise zu Informationen der afgis über die entsprechende Seite existieren, raten die Verbraucherschützer. Die Siegel alleine sind in diesem Fall nicht genug.


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