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Hornissen Keine Angst vor Hornissen

Hornissen sind friedlich. Sie greifen nie von sich aus an und mögen auch kein Eis oder Kuchen. Im Gegenteil: Hornissen tun Menschen auch noch einen großen Gefallen.

Stand: 30.05.2022

Ein Schwarm Hornissen bem Transport von Nistmaterial | Bild: mauritius images

Hornissen zählen zu den größeren Insekten in unseren Breiten, sie sind die größte Wespenart hier. Wer schon einmal eine Hornisse in der Wohnung hatte, weiß, wie groß und auch wie laut Hornissen sein können. Dennoch sind sie eher scheu: "Hornissen greifen niemals grundlos an. Sie sind erstaunlich friedfertig und ergreifen eher die Flucht, als die Konfrontation zu suchen", so Tarja Richter, Insektenexpertin beim bayerischen Landesbund für Vogelschutz. Die großen Flieger haben auch überhaupt kein Interesse an Süßem wie Kuchen oder Eiscreme. Dafür sind sie eifrige Jäger von Wespen. Auf ihrem Speiseplan stehen außerdem Fliegenarten wie Fleisch- oder Stubenfliegen, aber auch Bremsen, Spinnen, Käfer und Raupen von Forstschädlingen. Die Insekten verfüttern sie an ihre Larven. Hornissen ernähren sich auch von Pflanzensäften und von Fallobst.

Hornissenkönigin

Von einem Hornissenvolk überwintert nur die bis zu vier Zentimeter lange Königin, die ein Jahr lang lebt. Sie baut im Frühjahr stets ein neues Nest. Zeitpunkt: Mitte April bis Anfang Mai. Ein Hornissenvolk kann 400 bis 700 Tiere umfassen.

Hornissennest - nie entfernen

Hornissen sind bedroht und daher streng geschützt, ein Nest zu entfernen oder Hornissen zu töten ist damit illegal: "Hornissen sind nach Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) und Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders streng geschützt. Die Tiere dürfen nicht gefangen oder getötet und ihre Nester nicht bekämpft werden", so der NABU.

Wie sollte man am besten reagieren, wenn man ein Hornissennest am Schuppen im Garten oder sogar am Haus entdeckt? Dazu sagt Tarja Richter: "Wenn möglich, Nest dort belassen und im Herbst, wenn es verlassen ist, entfernen. Falls das nicht möglich ist, bitte an einen Hornissen-Berater wenden. Oft ist eine elementare Absicherung des Nestes, etwa durch Anbringen von Fliegendraht im Bereich von Gebäuden oder der Anlage von einfachen Zäunen und Sichtblenden bei Nestern in der Nähe belebter Plätze ausreichend." Wer trotzdem ein Hornissennest versetzen muss, der braucht eine Genehmigung durch die Naturschutzbehörden.

Oft bauen Hornissen ihre Nester hinter Verschalungen, in Rolladenkästen, in Gartenschuppen oder sonstigen Nischen. Einfach, weil sich immer weniger natürliche Nistplätze wie Baumhöhlen finden.

Hornissennest oder Wespennest - Unterschied

So lässt sich unterscheiden, ob es sich um ein Wespen- oder ein Hornissennest handelt: "Hornissennester sind meist nach unten hin offen. Durch die Öffnung lassen sie ihren Kot fallen. Der liegt dann unter dem Nest am Boden und ist ein weiteres Erkennungsmerkmal für ein Hornissennest. Die Nester von Hornissen sind außerdem häufig braun gefärbt, während Wespennester eher eine Tendenz ins Graue haben", sagt Tarja Richter.

Verhalten am Hornissennest

Hornissen sind von sich aus friedlich, in der Nähe des Nestes sollte man sich aber ruhig verhalten. Das heißt, so unsere Expertin: "Störungen im unmittelbaren Nestbereich, also in einem Zwei- bis Drei-Meter-Radius, wie heftige Bewegungen, Blockieren der Flugbahn sowie Erschütterungen am Nest, müssen natürlich grundsätzlich vermieden werden. Denn sonst versuchen sie ihr Volk und ihre Königin zu verteidigen. Aber auch hier sind sie tolerant. Bei behutsamer Annäherung, ruhigem Verhalten und dem Vermeiden von heftigen Bewegungen und 'Um-sich-schlagen' besteht keine erhöhte Gefahr, von einer Hornisse angegriffen zu werden - selbst in Nestnähe."

Hornissennest verlassen?

Ob ein Nest verlassen ist, lässt sich mit Beobachtung leicht feststellen: "Die Lebenserwartung der Königin bedingt, dass die Nestdauer nur eine Saison andauert. Fliegen keine Tiere mehr in der unmittelbaren Nähe des Nestes, dann ist dieses verlassen."

Hornissen sind nachtaktiv

Hornissen sind auch in der Nacht aktiv, fliegen bei völliger Dunkelheit und werden von Licht angezogen. Verfliegt sich abends eine Hornisse in ein Zimmer, hilft es manchmal schon, das Licht auszuschalten, das Fenster zu öffnen und zu warten. Oft finden die Insekten dann alleine wieder raus.

Hornissenstich gefährlich

Das Gerücht, dass Hornissenstiche sehr viel gefährlicher seien als Stiche von Wespen und Bienen, hält sich hartnäckig, ist aber schlicht falsch. "Ein Hornissenstich ist nicht giftiger als ein Bienenstich. Er wird jedoch als schmerzhafter wahrgenommen, da der Stachel und das Tier an sich wesentlich größer sind", sagt Tarja Richter. Zwei bis drei Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch auf Hornissengift. Eine Allergie entsteht aber meist erst nach mehreren Stichen.

Wer dennoch gestochen wurde, desinfiziert die Stichstelle und kühlt sie. Treten starke Schwellungen auf oder befindet sich der Stich in Halsnähe oder im Mundbereich, sollte man vorsorglich einen Arzt aufsuchen - wie bei Bienen- und Wespenstichen auch.

Ganz anders als ihre lästigen Verwandten ist übrigens auch diese Wespe, die Wespe mit langen Beinen.


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