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Alternative Tonspuren via HbbTV 2 Pilotprojekt "BR Dialog+": Mehr Sprachverständlichkeit beim Fernsehen

Der Bayerische Rundfunk testet im Rahmen eines Pilotbetriebs die Ausstrahlung einer neuen Tonspur. Zuschauerinnen und Zuschauer erhalten damit die Möglichkeit, sich via HbbTV 2 für Dialog+ als Alternative zum regulären Sendeton (Originalmischung) zu entscheiden. Dialog+ ist ein zusätzliches Audioangebot mit dem Ziel, die Sprache in einer Fernsehsendung leichter und besser verstehen zu können.

Stand: 04.12.2020

Symbolbild: Fernbedienung und BR Dialog+ auf einem Fernsehmonitor | Bild: BR / Petra Decker

Bei Dialog+ Tonfassungen sind die Hintergrundtöne (Geräusche, Musik, Atmosphäre) verringert. Dadurch werden die Sprachanteile gegenüber der Originalmischung stärker hervorgehoben. Die Audioanalyse und Generierung der sprachbetonendenDialog+-Tonmischung erfolgt dabei automatisiert auf Basis der Originalmischung durch einen Algorithmus.

Ziel von Dialog+ ist es, die Höranstrengung bei der Verständlichkeit von Sprache zu vermindern und gleichzeitig ein angenehmes Fernseh­erlebnis zu schaffen. Gestalterische und klangliche Aspekte sind zwar weiterhin von Be­deutung, stehen bei Dialog+ aber nicht im Vordergrund.

Welche Sendungen werden mit "Dialog+" angeboten?

Dialog+ startet im Rahmen des Pilotbetriebs mit Naturdokumentationen im BR Fernsehen. Zum Auftakt wurde die Sendung "Die Bayerische Donau – Eine Winterreise" am 5. Dezember um 13.30 Uhr mit Dialog+ ausgestrahlt.
Das neue Angebot ist regelmäßig auch für BR-Produktionen der Sendereihe "Natur exclusiv“ jeweils samstags um 16.15 Uhr vorgesehen (siehe Programmhinweise).

Wie nutze ich "BR Dialog+"?

Über die HbbTV-Startleiste stehen in der Applikation "BR Dialog+“ die Originalmischung und Dialog+-Tonspuren mit unterschiedlich stark betonten Sprachanteilen zur Auswahl.

Welche technischen Voraussetzungen benötige ich?

Um die Dialog+-Tonspuren hören zu können, sind folgende technische Ausrüstung und Verbindungen erforderlich:

  • Empfang via Satellit
  • Ein HbbTV 2-taugliches Fernsehgerät (Smart-TV), das mit dem Internet verbunden ist. (Geeignete Geräte zeigen die BR-Dialog+-Applikation in der HbbTV-Startleiste im BR Fernsehen an)

Pilotbetrieb nach Tests und Hörversuchen

Der BR hat in einem internen Innovationsprojekt in Kooperation mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) und dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) die Möglichkeit zur automatischen Erzeugung von Dialog+-Tonfassungen durch Dialogseparation untersucht. Zugleich wurden vom IRT mit Laien und Experten Hörversuche durchgeführt und die Wirksamkeit verschiedener automatischer Verfahren geprüft.

"Aufgrund der positiven Bewertung bei den Hörversuchen hat sich der BR für eine Fortsetzung und einen erweiterten Pilotversuch zu Dialog+ entschieden. Unser Ziel ist es, dabei noch mehr Erfahrungen mit nachträglicher Dialogseparation zu sammeln und letztlich auch ein breiteres Publikum mit einzubeziehen für die Beurteilung eines individuell nutzbaren und bedürfnisorientierten Zusatzangebots für mehr Sprachverständlichkeit."

Produktions- und Technikdirektorin Prof. Birgit Spanner-Ulmer

Technischer Hintergrund

Zum Einsatz kommt bei "BR Dialog+" der neue Technikstandard HbbTV 2, den auch das IRT entscheidend mitentwickelt hat. Kooperationspartner ist das Fraunhofer IIS mit einer KI-basierten Eigenentwicklung für die erforderliche Dialogseparation.

Andere Anwendung – vergleichbare Technik:  BR Audiodeskription

In einem weiteren Pilotprojekt zeigt der BR gerade, dass individuell zuschaltbare Tonspuren ein zusätzliches barrierefreies Angebot ermöglichen: Die Sendereihe “Hubert und Staller“, jeden Freitag um 20.15 bis 21.45 Uhr im BR Fernsehen, wird mit "BR Audiodeskription" ausgestrahlt.

Bei dieser Test-Applikation steht die Nutzung am Mobilgerät für ein inklusives gemeinsames Fernseherlebnis von nicht-sehenden und sehenden Menschen im Vordergrund.

Mehr Informationen zur "BR Audiodeskription" erhalten Sie hier.

Arbeitsgruppe zum Thema Sprachverständlichkeit

Nicht nur der Bayerische Rundfunk arbeitet an dem Thema: Auch andere Landesrundfunkanstalten erproben, ob und wie Sprachverständlichkeit von Fernsehinhalten mit technischen Mitteln optimiert werden kann. Im Rahmen einer ARD-Arbeitsgruppe Sprachverständlichkeit werden die Erkenntnisse der einzelnen Häuser untereinander ausgetauscht und bewertet. Letztlich eint alle Landesrundfunkanstalten das gleiche Ziel – den Zuschauerinnen und Zuschauern einen Mehrwert bieten zu können.


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