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alpha-thema Zerstörtes Kulturerbe

„alpha-thema: Zerstörtes Kulturerbe“ zeigt am Montag, 18. Februar 2019, ab 20.15 Uhr in einer neu produzierten Gesprächssendung und mehreren Dokumentationen die Bedeutung des Kulturerbes, seine Zerstörung und Plünderung einerseits und andererseits das luxuriöse Ambiente, in dem einzelne Stücke ihre solventen Käufer finden. Das Gespräch steht nach Ausstrahlung fünf Jahre in der BR Mediathek zur Verfügung.

Stand: 14.02.2019

Archäologen und das italienische Kommando TPC (Comando carabinieri per la tutela del patrimonio culturale) während einer Bestandsaufnahme einer geplünderten Grabungsstätte im Irak. | Bild: BR/NDR

München, eine Stadt mit eleganten Museen und exquisiten Antiquitätengeschäften, galt bis vor Kurzem als ein Zentrum des Handels mit geraubten Antiken aus Ländern, deren Staatlichkeit durch Krieg und Terror zerrüttet ist, allen voran Syrien. Doch in Deutschland sind die Zeiten für die wohlhabenden Liebhaber geraubter Kulturschätze schwieriger geworden. „alpha-thema Gespräch: Kulturerbe zwischen Identität und Profit“ erklärt, warum das so ist, und spürt der Bedeutung des kulturellen Erbes für die Menschheit nach. Im ersten Teil ab 20.15 Uhr spricht Moderatorin Özlem Sarikaya mit den Archäologen Jumana Alasaad von der Universität Heidelberg und Prof. Dr. Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin, darüber, dass Kulturerbe mehr ist als das inszenierte Objekt in ästhetischer Umgebung. Es ermöglicht einen Blick darauf, wie die Menschen eines Kulturkreises früher gelebt, was sie geschaffen und verehrt haben und was späteren Generationen Identität verleiht: ihre Geschichte. 

Der Film „Das geplünderte Erbe – Terrorfinanzierung durch deutsche Auktionshäuser“ dokumentiert ab 20.25 Uhr, wie aus dem staubigen Wüstensand geraubte Kulturschätze, versehen mit gefälschten Zollpapieren, den Weg über Dubai in die Auktionshäuser und Antiquitätengeschäfte des Westens finden. Das Chaos des Krieges begünstigt die Raubzüge, und die Terrormilizen finanzieren mit ihnen ihre Waffenkäufe. Silvelie Karfeld, Hauptkommissarin beim Bundeskriminalamt, meint, jedes Hühnerei sei in Deutschland besser deklariert als die Kunstwerke der Antike aus Kriegs- und Krisengebieten. Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, geht davon aus, dass der Handel mit geraubten Kulturgütern nach dem Handel mit Waffen und Drogen an dritter Stelle der internationalen Kriminalität rangiert: Auf Auktionen der traditionsreichsten Kunsthandelshäuser sind sie ein gut organisiertes Milliardengeschäft.

Doch inzwischen hat sich in Deutschland die Lage geändert – zum Besseren. Seit 2016 gibt es hier das Kulturgutschutzgesetz, das genaue Herkunftsangaben durch den Verkäufer fordert. Es habe aber auch ein Bewusstseinswandel bei der potenziellen Käuferschicht eingesetzt, meint Stefan Weber im zweiten Teil von „alpha-thema Gespräch“ ab 21.10 Uhr. Er berichtet von einem Sammler, der aus Sorge, Raubgut erworben zu haben, ein Objekt dem Museum für Islamische Kunst in Berlin überantwortete, damit es irgendwann den Weg zurück nach Syrien findet. Wer solche Objekte kauft, ist „Profiteur der sozialen Ungleichheit“, des Wissens- und Machtgefälles in der Welt, so Professor Weber. Doch damit nicht genug: Viele Kulturschätze werden auch mutwillig zerstört von denen, die keine andere als die eigene Religionsauffassung dulden. Die Bedeutung des kulturellen Erbes ihrer syrischen Heimat liegt für Jumana Alasaad in der kulturellen Vielfalt, die sich in Bauten wie in einzelnen Objekten dokumentiere, seien sie islamischen, jüdischen oder christlichen Ursprungs. Diese Vielfalt nennt sie einen „Unterricht für die Zukunft“.

Ab 21.30 Uhr zeigen drei Dokumentationen aus der Reihe „Schätze der Welt – Erbe der Menschheit“ das kulturelle Erbe Syriens vor Krieg und Zerstörung: drei Städte mit einer Jahrhunderte alten Stadtkultur. 

alpha-thema: Zerstörtes Kulturerbe – Die Sendungen im Einzelnen:

Montag, 18. Februar 2019:

20.15 Uhr: alpha-thema Gespräch: Kulturerbe zwischen Identität und Profit (1/2)
Gespräch, 2019
Mit Jumana Alasaad, Archäologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Heidelberg, und Prof. Dr. Stefan Weber, Archäologe, Direktor des Museums für Islamische Kunst, Berlin
Moderation: Özlem Sarikaya
BR Mediathek: 5 Jahre

20.25 Uhr: Das geplünderte Erbe
Terrorfinanzierung durch deutsche Auktionshäuser
Dokumentation, NDR 2014

21.10 Uhr: alpha-thema Gespräch: Kulturerbe zwischen Identität und Profit (2/2)
Gespräch, 2019
Moderation: Özlem Sarikaya
BR Mediathek: 5 Jahre

21.30 Uhr: Schätze der Welt – Erbe der Menschheit
Palmyra (Syrien) – Königin der Wüste
Dokumentation, SWR 2000

21.45 Uhr: Schätze der Welt – Erbe der Menschheit
Aleppo (Syrien) – Tausendundein Basar
Dokumentation, SWR 2001


22.00 Uhr: Schätze der Welt – Erbe der Menschheit
Damaskus (Syrien) – Paradies in der Wüste
Dokumentation, SWR 2001


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