Bildrechte: Akihiro Ikeshita, JAXA

Raumsonde Hayabusa 2 vor Asteroid Ryugu (1999 JU3)

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Raumsonde Hayabusa 2 bei Asteroid Ryugu angekommen

Die japanische Sonde Hayabusa 2 hat ihr Reiseziel erreicht: Aus einer Entfernung von 20 Kilometern wird sie nun den Asteroiden Ryugu vermessen, einen Landeplatz suchen - und einen Besucher aus Deutschland absetzen: den Lander MASCOT des DLR.

Über dieses Thema berichtete IQ - Wissenschaft und Forschung am .

Die Sonde Hayabusa 2 hat den ersten Teil ihrer Mission geschafft: Nach einer fast vier Jahre dauernden Reise ist sie heute beim Asteroiden Ryugu angekommen. Von ihm soll sie Materialproben nehmen und zur Erde bringen. Hayabusa 2 hob im Auftrag der japanischen Raumfahrtagentur JAXA am 3. Dezember 2014 von Japan aus ab. Von ihrer jetzigen Position aus, 20 Kilometer von 162173 Ryugu (auch: 1999 JU3) entfernt, wird sie ihre Arbeit aufnehmen.

"Wir waren alle sehr erleichtert. Wir sind weit gekommen, aber ab nun geht es um den wirklichen Teil der Mission." Makoto Yoshikawa, Missionsleiter, JAXA

Asteroid 162173 Ryugu (1999 JU3)

Ryugu ist rund 300 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und etwa 4,5 Milliarden Jahre alt. Er besitzt einen Durchmesser von circa einem Kilometer und gehört zu einer häufig vorkommenden Klasse von erdnahen Asteroiden. Teleskopbeobachtungen von der Erde aus ließen vermuten, dass er möglicherweise Wasser enthält. Wenn das stimmt, wäre es ein Beleg dafür, dass Wasser einst durch Asteroideneinschläge auf unseren Planeten gekommen ist.

DLR-Lander MASCOT untersucht Asteroid Ryugu

Zusammen mit Hayabusa 2 nimmt die rund zehn Kilogramm schwere Landeeinheit MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout) Ryugu ins Visier. Das schuhkartongroße Gerät stammt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es soll auf dem Asteroiden Ryugu landen und ihn mit seinen vier Instrumenten untersuchen: Das Radiometer MARA wird unter anderem die Temperatur auf der Asteroidenoberfläche messen. Die Kamera MASCAM wird schon beim Niedergehen auf Ryugu Aufnahmen erstellen und vor Ort den Boden untersuchen. Mit dem Magnetometer MasMag wird die Magnetisierung des Gesteins erforscht. Das Spektrometer MicrOmega analysiert Minerale und Gesteine. 

Lander MASCOT hüpft über Asteroid Ryugu

Mithilfe eines eingebauten Schwungarms kann MASCOT bis zu 70 Meter weit auf Ryugu hüpfen und sich dadurch fortbewegen. Der 30 mal 30 mal 20 Zentimeter große Lander soll seine Messungen an verschiedenen Orten auf dem Asteroiden vornehmen. Zwei komplette Asteroidentage und -nächte, insgesamt rund 16 Stunden, hat er dafür Zeit. Länger wird seine Batterie nicht halten. Überwacht und betrieben wird MASCOT vom DLR-Kontrollzentrum in Köln aus. Über seinen Bordcomputer wird er die gewonnenen Daten über die Muttersonde Hayabusa 2 ins DLR-Kontrollzentrum senden.

Asteroid Ryugu wird beschossen

Während MASCOT den Asteroiden vor Ort unter die Lupe nimmt, soll Hayabusa 2 um den Asteroiden kreisen und den Himmelskörper kartographieren und vermessen. Außerdem soll sie auf ihrer sogenannten "Probenrückführmission" Bodenproben aufnehmen und mit diesen im Jahr 2020 zur Erde zurückkehren. Hierfür wird sie Ryugu mit Projektilen beschießen, um Material aus seiner Oberfläche zu schlagen. Bereits 2010 hatte die japanische Raumsonde Hayabusa, die Vorgängerin von Hayabusa 2, erstmals Bodenproben von einem Asteroiden zur Erde gebracht. Der Lander MASCOT wird auf Ryugu verbleiben.

Hayabusa 2 und MASCOT sind das perfekte Team

Die Raumsonde Hayabusa 2 umkreist den Asteroiden Ryugu. Ihre Daten helfen, einen geeigneten Landeplatz für MASCOT zu finden. Lander MASCOT wiederum erschnüffelt dann einen lohnenswerten Ort für seine Muttersonde: Er untersucht Ryugus Oberfläche und schaut sich dort auftretendes Material genauer an. Anhand seiner Beobachtungen wird ein Entnahmeplatz für die Bodenproben bestimmt. Die soll Hayabusa 2 während einer kurzen Bodenberührung einsammeln und zur Erde zurückbringen. MASCOTS Messungen werden dann eine wichtige Referenz für die mitgebrachten Proben sein - sie könnten sich schließlich durch das Entnehmen, Zurückfliegen und Untersuchen verändern.

Ein Blick in unsere Vergangenheit und Zukunft

Auch die NASA hat eine Mission zu einem Asteroiden gestartet, um ihn zu erforschen und Proben zu entnehmen: Osiris Rex. Die Sonde soll 2023 zur Erde zurückkommen. Dann wollen NASA und JAXA Proben austauschen und vergleichen. Asteroiden gelten als Überreste aus der Frühzeit unseres Sonnensystems. Daher sind Forscher sehr daran interessiert zu erfahren, woraus diese bestehen. Dies ermöglicht den Blick zurück in unsere kosmische Vergangenheit und die Entstehung der Erde, der Ozeane und des Lebens. Gleichzeitig stellen besonders die erdnahen Objekte, zu denen auch Ryugu gehört, eine potentielle Bedrohung für die Menschheit da. Auch wenn er selbst der Erde nie gefährlich werden wird, wäre es für zukünftige Abwehrmissionen hilfreich, wenn Forscher mehr über Asteroiden wie Ryugu erfahren.