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Atombombentests verraten das Alter von Walhaien

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Atombombentests verraten das wahre Alter von Walhaien

Über den größten Fisch der Welt wissen wir relativ wenig. Selbst das Alter von Walhaien ist nicht so einfach herauszufinden. Forscher nutzten jetzt radioaktive Ablagerungen in den Wirbelknochen, um mehr zu erfahren.

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Walhaie sind die größten Fische der Welt. Ihre Nahrung besteht aus Plankton und anderen Kleinstlebewesen, die sie aus dem Wasser filtern. Sie haben Punkte auf dem Rücken, die jedem Walhai ein einzigartiges Muster geben. Sie sind lebendgebärend. Und sie gelten außerdem als stark gefährdet. Wir wissen inzwischen einiges über Walhaie, aber viele grundsätzliche Dinge müssen noch erforscht werden: Wo paaren sich Walhaie, wo jagen sie, wo leben ihre Jungen? Bei der Frage, wie alt ein Walhai ist, sind Forscher jetzt einen Schritt weitergekommen.

Keine Ohrsteinchen beim Walhai

Bei Knochenfischen wird das Alter über die sogenannten Otolithen bestimmt. Das sind "Ohrsteinchen", kleine Kalziumkörnchen, die sich im Innenohr der Fische befinden. Sie haben einen zwiebelähnlichen Aufbau und bilden über die Jahre immer neue Schichten aus. Wenn man diese zählt, lässt sich das Alter relativ gut festlegen. Genau diese Methode funktioniert bei Knorpelfischen, wozu Haie und Rochen gehören, leider nicht - sie haben diese Otolithen nicht.

Altersbestimmung über Wachstumsringe

Bei Walhaien versucht man, das Alter über Wachstumsringe herauszufinden, die sich an den Wirbeln der Tiere bilden. Manche Studien ließen darauf schließen, dass sich jedes Jahr ein solcher Ring bildet, manche gingen von sechs Monaten aus. Forscher aus den USA, Island und Australien nutzten jetzt in einer Studie die "Hinterlassenschaften" von Atombombentests in den 1950er- und 1960er-Jahren, um das Alter der Fische genauer zu bestimmen.

Die Radiokarbonmethode

Im Kalten Krieg führten die USA, die Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und China Atombombentests durch. Einige Bomben explodierten in mehreren Kilometern Höhe. Der radioaktive Kohlenstoff C14, der dabei in großer Menge freigesetzt wurde, wanderte von der Luft in die Ozeane und schließlich in alles Lebendige. Diese Kohlenstoffisotope existieren auch so auf der Erde. Alle lebenden Körper nehmen diese auf - bis sie sterben. Danach kommt kein C14 mehr hinzu. C14 zerfällt nach einer genauen Halbwertszeit. Das machen sich Archäologen schon lange zunutze: Mithilfe der Radiokarbonmethode, dem Messen dieses Zerfallsprozesses, stellen sie zum Beispiel das Alter von gefundenen Knochen fest.

Kohlenstoffisotope aus Atombombentests

Das zusätzliche C14 aus den Atombombentests reicherte sich auch in den Wachstumsringen der Walhaie an. Die Forscher untersuchten zwei vor langer Zeit gestorbene Walhaie aus Pakistan und Taiwan. Mit den genauen Daten der Atombombentests aus den jeweiligen Jahren wurde der Gehalt an C14 in den einzelnen Wachstumsringen untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass sich pro Jahr jeweils ein Ring gebildet hatte. Einer der Walhaie war bei seinem Tod 50 Jahre alt. Zum ersten Mal konnte das genaue Alter ohne Zweifel festgestellt werden.

Mehr Schutz für die Walhaie

Die Studie zeigt, dass Walhaie ein hohes Alter erreichen können. Möglichst viel über die Walhaie zu wissen, ist für die Forscher sehr wichtig, um eine effektive Strategie zu entwickeln, die vom Aussterben bedrohten Tiere bestmöglich zu schützen.