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A2-Milch: Kein Nachweis für Gesundheitsversprechen | BR24

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Glas mit Milch

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A2-Milch: Kein Nachweis für Gesundheitsversprechen

Kuhmilch weist in der Regel A1- oder A2-Milcheiweiße auf. Sie unterscheiden sich minimal im Aufbau. Dieser Unterschied soll A2-Milch aber verträglicher oder sogar gesünder machen. Nur: Die Wissenschaft kann das derzeit nicht bestätigen.

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A2-Milch – ist sie die neue Supermilch? Vor einigen Jahren fand sogenannte A2-Milch aus Neuseeland den Weg nach Europa - als verkaufsfördernder neuer Gesundheitstrend.

A1, A2? Der kleine, aber feine Unterschied

Kuhmilch enthält verschiedene Eiweiße, darunter auch das sogenannte Beta-Kasein. Beta-Kasein ist seinerseits aus 209 Aminosäuren zusammengesetzt. Der Unterschied zwischen A1- und A2-Milch liegt allein an Position 67 dieser Kette von Aminosäuren. Bei A2 Beta-Kasein sitzt an dieser Stelle die Aminosäure Prolin, während die A1-Milch hier Histidin enthält.

Es liegt an der Genetik der jeweiligen Kuh, ob sie Milch mit der Milcheiweißstruktur A1 Beta-Kasein oder A2 Beta-Kasein gibt.

A2-Milch wird als verträglicher und gesünder gepriesen

Verschiedene Studien sehen eine Verbindung zwischen dem Verzehr von A1 Beta-Kasein und einem erhöhten Risiko für einige nichtübertragbare Krankheiten. Andere Studien weisen auf positive Wirkungen von A2 Beta-Kasein (A2-Milch) auf die Verdauung hin. Die neuseeländische "The a2 Milk Company" war das erste Unternehmen, das reine A2-Milch international vermarktet und diese auch als gesundheitsfördernd beworben hat.

Der Nachweis steht aus – jedenfalls derzeit

Ob reine A2-Milch aus gesundheitlicher Sicht tatsächlich besser ist als A1-Milch hat das Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Freising in Zusammenarbeit mit dem Institut für Evidenz in der Medizin am Universitätsklinikum gerade in einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit untersucht.

Das Institut für Evidenz in der Medizin schreibt in seinem Ergebnisbericht zur Studie vom September 2019 zum Punkt "A1 Beta-Kasein Milch (A1-Milch) und die Gesundheit der Menschen":

"Auf der Basis der vorhandenen Evidenz können die gesundheitlichen Effekte von A1 Beta-Casein (A1-Milch) nicht abschließend beurteilt werden. (…) vielmehr müssen die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden."

Eingeräumt wird, dass sich "die Evidenzlage unter Umständen ändern könnte", weil zurzeit viele Studien geplant und durchgeführt werden, die die Wirkung von A1- und A2-Milch vergleichen.

Als wissenschaftlich gesichert gilt:

  • Der Unterschied in der Aminosäure bei A1 beziehungsweise A2 Beta-Kasein bewirkt, dass das Kasein im Darm unterschiedlich abgebaut wird. Die Folge dieses Unterschieds: A1-Milch und A2-Milch verhalten sich bei der Verdauung unterschiedlich.
  • Ein Zusammenhang mit Laktose-Intoleranz ist zurzeit nicht ersichtlich. Sowohl A1- als auch A2-Milch enthalten Laktose. Eine Theorie lautet jedoch: Einige Menschen, die Milch nicht gut vertragen, glauben nun, dass sie laktoseintolerant sind. Vielleicht reagieren sie aber auf den Unterschied der A1- und A2-Milcheiweiße.

Ursprünglich gaben alle Rinder A2-Milch

Durch eine Mutation hat sich vor allem unter den europäischen Rassen das A1 Beta-Kasein verbreitet. Der Großteil der europäischen und amerikanischen Rinderrassen produziert demnach A1-Milch und Milch mit einer Mischung von A1- und A2-Kasein. In Bayern sind die Rassen Fleckvieh und Braunvieh verbreitet. Die Ausgangssituation mit reinrassigen A2-Rindern stellt sich in Bayern bei Braunvieh mit über 70 Prozent dar und bei Fleckvieh mit knapp 40 Prozent. Rinderrassen wie das Guernsey- oder das Jersey-Rind sollen aber über deutlich mehr A2-Varianten verfügen. Auch indische Rinder und Rinder der Massai geben A2-Milch, ebenso Ziegen, Schafe, Yaks und Büffel.

Bayern-2-Hörtipp!

A2-Milch – besser verträglich als herkömmliche Milch? Gespräch mit Angela Dietz, Expertin Kompetenzzentrum für Ernährung

© Bayerischer Rundfunk

Das Kompetenzzentrum für Ernährung, KErn, in Freising hat das Institut für Evidenz in der Medizin am Universitätsklinikum Freiburg beauftragt, sich einen Überblick über Studien zur A2-Milch zu verschaffen.