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Mobilfunkgipfel: Wer ist schuld am deutschen Netz-Problem? | BR24

© picture-alliance/dpa

Mobilfunk auf dem Land

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    Mobilfunkgipfel: Wer ist schuld am deutschen Netz-Problem?

    Lahme Verbindung oder gleich gar kein Netz: Die Versorgung mit mobilem Internet ist in Deutschland oft schlecht, vor allem auf dem Land. Ein Mobilfunkgipfel soll nun helfen. Doch wer hat eigentlich Schuld an der Misere? Von Florian Regensburger

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    Wer kein Netz hat, ist abgeschnitten von der Kommunikation mit Freunden und Familie, aber auch von vielen praktischen Internetdiensten. Und Unternehmen entstehen durch eine schlechte mobile Internetanbindung oft Wettbewerbsnachteile. Dabei scheint es in anderen EU-Ländern besser zu laufen, als in Deutschland. Heute trifft sich der für die Digitalisierung zuständige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer deshalb mit Vertretern der Länder und der großen Mobilfunkanbieter, um über Strategien für einen besseren und schnelleren Netzausbau zu beraten. Doch wer hat eigentlich Schuld an der aktuellen Misere?

    "Das alles müsste nicht sein"

    Vorbildlich sei beispielsweise Estland, sagt Dusan Zivadinovic von der IT-Fachzeitschrift c’t: "Die haben eine enorme Flächendeckung was LTE angeht. Aber sie sind ja auch wesentlich kleiner als Deutschland." Doch allein die Größe Deutschlands könne nicht als Ausrede gelten. "Gerade im ländlichen Bereich, das weiß man seit Jahren, da ist die Flächendeckung mit moderner Mobilfunktechnik einfach schlecht. Es gibt nach wie vor weiße Flecken. Es gibt Bereiche, vor allen Dingen auf dem Land, die ganz schlecht versorgt sind, wo das LTE gerade mal so ein bisschen hinreicht. Und das alles müsste nicht sein", so der Mobilfunk-Experte.

    Vor allem beim schnellen Datennetz LTE landet Deutschland in europäischen Vergleichstests regelmäßig nur im hinteren Mittelfeld. Um es auch bei uns besser zu machen und wirklich flächendeckend schnelles mobiles Internet anzubieten, wären Anstrengungen notwendig. Mobilfunk-Experte Dusan Zivadinovic nimmt auch die Mobilfunkanbieter in die Pflicht:

    "Auf dem Land, selbst da, wo LTE-Versorgung vorhanden ist, da wird nur ein ganz schmales Funkband dafür verwendet, so dass alleine schon deswegen die Durchsatzraten deutlich geringer sind als in den Städten." Dusan Zivadinovic, IT-Fachzeitschrift c’t

    Wo LTE draufsteht, muss noch kein schnelles Internet drin sein

    Wo also LTE draufsteht, muss deshalb noch keine schnelle Internetverbindung drin sein. Zumal sich auf dem Land tendenziell auch noch mehr Menschen eine einzelne Funkzelle - und damit auch die in dieser Funkzelle maximal verfügbare Bandbreite - teilen müssten, als in der Großstadt, sagt Zivadinovic. Auch Politiker schieben die Verantwortung gern auf die Mobilfunkanbieter. Denn schließlich sind sie es, die neue Funkantennen aufstellen müssen, damit Geschwindigkeit und Netzabdeckung besser werden.

    Mobilfunkanbieter kritisieren Kommunen

    Telekom, Vodafone, O2 und Co. wollen sich aber nicht allein den Schwarzen Peter zuschieben lassen: Allzu oft scheitere es nicht am Willen des Netzanbieters, sondern am Widerstand der Kommunen, in denen ausgebaut werden soll. Zwar wolle jeder gern mobil telefonieren und surfen. Aber kaum einer wolle eine Mobilfunkantenne auf seinem Dach oder auf dem Kirchturm vor dem Haus haben.

    "Eine der großen Herausforderungen ist, dass der Wunsch nach Mobilfunk nicht korrespondiert mit der Bereitschaft, eine Mobilfunkantenne aufzustellen. Das heißt also, wenn Sie an eine Gemeinde herantreten, um einen weißen Fleck zu beseitigen oder Kapazitäten zu erweitern, dann haben Sie dort immer noch sehr viele Diskussionen, die dann immer dazu führen, dass Sie irgendwann in den Konflikt kommen, was politisch gewünscht ist und dem, was für den Funknetzplaner einfach notwendig ist, um wirklich eine gute Versorgung herzustellen." Markus Jodl, Sprecher Deutsche Telekom

    Telefonica fordert staatliche Förderung

    Neben den Kommunen, die geeignete Plätze für Funkantennen zur Verfügung stellen müssen, ist aber auch der Bund gefordert, sagt die Mobilfunkwirtschaft: Mit Blick auf die anstehende Versteigerung der Lizenzen für den neuen, superschnellen Funkstandard 5G teilte der Anbieter Telefonica (O2) dem BR schriftlich mit, man brauche eine, so wörtlich, "investitionsfördernde Ausgestaltung der Vergabe der 5G-Lizenzen". Konkret heißt das: Möglichst niedrige Kosten für Lizenzen und Betrieb des 5G-Netzes - und Geld vom Staat für den Ausbau in Regionen, wo er sich rein wirtschaftlich nicht lohnt.