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Howard Jacobson: Pussy

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Trump-Satire von Howard Jacobson: "Pussy"

Der britische Booker-Preisträger Howard Jacobson in seinem jüngsten Buch "Pussy" die kaum verklausulierte Geschichte vom unaufhaltsamen Aufstieg des Donald Trump erzählt - als Satire. Knut Cordsen hat mit ihm darüber gesprochen.

Über dieses Thema berichtet: kulturWelt am .

Knut Cordsen: Sie haben Ihr Buch "Pussy" in einer "aufgebrachten Ungläubigkeit" geschrieben, haben Sie gesagt. Was war der Auslöser dafür?

Howard Jacobson: Der Schrecken ließ es mich schreiben, es war der immense Schrecken darüber, dass so etwas Absurdes geschehen war, - nach dem anderen absurden Ereignis unserer Tage, dem Brexit. Ich habe schon den Brexit für den größtmöglichen Schrecken gehalten, den wir uns selber zufügen konnten, aber dann kam es noch ärger mit der Wahl Trumps. Ich hatte ihn während einer Lesereise in Amerika beobachtet und mir damals gedacht: Nie und nimmer wird diese lächerliche Gestalt Präsident der Vereinigten Staaten. Als es dann doch passierte, musste ich ein Buch darüber schreiben. Ich schrieb es sehr schnell und hoffte, mich danach besser zu fühlen. Aber so war es nicht. So ist es bis heute nicht .

In Ihrem Buch “Pussy” heißt es über Donald Trump, dem Sie den Namen Fracassus Origen geben, er sei der Kopf einer "karnevalesken Revolte gegen all die hart erkämpften Formen des Anstands und damit alles, was man als zivilisiert bezeichnen konnte". Politik scheint er als permanenten Karneval zu begreifen.

Der Begriff Karneval ist problematisch, weil das nach einem großem Spaß klingt. Es ist kein Spaß. Trumps Anhänger mögen es als solchen empfinden und ihm dafür applaudieren, aber jeder, der sorgsam mit Worten umgeht, weiß, dass es das genaue Gegenteil eines Karnevals ist. Mich erinnert es eher an den mexikanischen 'Tag der Toten' mit seinem Maskenspiel, allerdings ohne den Spaß, der dem eigen ist. Vergleichen Sie die Sprache des Karnevals, der eine Feier des Lebens, ein Zeugnis der Lebensfreude, der Leidenschaft ist, mit der rohen und imperativen Sprache von Trump: 'Sperrt sie ein', 'Baut eine Mauer!'. Alles will er ständig beschränken. Er behauptet, Amerika wieder groß zu machen. In Wahrheit macht er Amerika klein. Das alles hat nichts Karnevaleskes. Es ist die Herabwürdigung des menschlichen Geistes.

Was erzählt uns Trumps Erfolg eigentlich über uns selbst, ist er nicht auch ein Spiegelbild unserer Kultur?

Genau darum geht es mir. Der Trump- Cartoon auf dem Buch-Umschlag legt zwar nahe, dass es sich bei ‘Pussy’ um eine Parodie handeln könnte, aber das war nicht meine Absicht. Mein Zorn und schwarzer Humor in diesem Buch richtet sich nicht gegen Trump, sondern gegen uns alle. Denn wir sind doch verantwortlich dafür, dass all das passiert ist. Wir sind fasziniert von seiner Vulgarität, seinen Casinos und seinem Reichtum, wir lieben Reality-TV-Shows wie diejenige, der er präsidierte. Wie konnten wir so einer Kreatur das mächtigste Amt der Welt anvertrauen? Das sagt nichts Gutes über uns. Wir sind auf dem falschen Weg. Die Briten waren schon auf diesem Weg, als sie für den Brexit votierten – das war ein Ausdruck ihres gemeinen, beschränkten Selbst – und Amerika hat sein böses, beschränktes Selbst mit der Wahl Donald Trumps offenbart. Was zur Hölle finden wir wichtig und unterhaltsam? Zählen Werte wie Wärme und Gastfreundschaft nichts mehr? Wie hat es eine so negative Person an die Spitze unserer Gesellschaft geschafft? Es ist ein düsteres Bild, das ich zeichne. Ich wollte ein unterhaltsames Buch schreiben, in dem nicht Trump selbst der Schurke ist; er ist unterhalb jeder Niedertracht. Die eigentlichen Schurken, das sind wir.

"Pussy" von Howard Jacobson ist in der Übersetzung von Johann Christoph Maass im Verlag Tropen/Klett-Cotta erschienen.