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"Geste der Freundschaft"? Streit um Marx-Statue in Trier | BR24

© BR/Jungblut

Bald ist Enthüllung: Marx-Statue in Trier

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    "Geste der Freundschaft"? Streit um Marx-Statue in Trier

    In Trier haben die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Karl Marx begonnen, der am 5. Mai 1818 in der Mosel-Stadt geboren wurde. Am Wochenende öffnen mehrere Ausstellungen, gegen eine Denkmalsenthüllung gibt es Proteste. Von Peter Jungblut.

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    Kurz vor der Enthüllung einer Marx-Statue zum 200. Geburtstag des Philosophen in Trier reißt die politische Debatte darüber nicht ab. Die rund fünf Meter große und 2,3 Tonnen schwere Bronze-Figur ist ein Geschenk aus China und wurde in der Nähe der Porta Nigra aufgestellt, einem römischen Stadttor, das als Wahrzeichen Triers gilt. Kritiker sprachen von einer „Kolossal-Statue“, erinnerten an die Verletzung der Menschenrechte in China und wollen am Samstag demonstrieren. Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft und ehemalige Häftlinge in der DDR protestierten mit einem Aufruf gegen die Annahme des Geschenks, einer Arbeit des chinesischen Bildhauers Wu Weishan.

    Debatte "sehr offensiv geführt"

    Dieser ist einer der einflussreichsten Kulturfunktionäre Chinas und unter anderem Kurator am Pekinger Kunstmuseum, Vorsitzender der chinesischen Akademie für Bildhauerei und Vize-Chef des nationalen Kunst-Verbands. Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) verteidigte auf einer Pressekonferenz gleichwohl die Denkmals-Enthüllung, die für den kommenden Samstag geplant ist.

    Wir bekommen derzeit Briefe, wo die Menschen darauf hinweisen, wie die politische Situation in China ist. Diese Diskussion haben wir eineinhalb Jahre sehr offensiv und in bester demokratischer Kompetenz im Stadtrat geführt und kamen zum Ergebnis, dass es eine Geste der Freundschaft ist, dass China uns diese Statue schenkt. - Wolfram Leibe

    "Moral gehört in Weltpolitik"

    Im Stadtrat von Trier hatten neben Linken und der SPD auch Teile der CDU-Fraktion für das Marx-Denkmal gestimmt. Oberbürgermeister Leibe sagte, er habe auch Protestnoten auf seiner Facebook-Seite erhalten. Gleichwohl verwies er darauf, dass Karl Marx auch „für Pressefreiheit“ stehe und unter Preußen sehr gelitten habe.

    Wir, Stadtrat und Stadt, haben gesagt, wir akzeptieren das als Geste der Freundschaft. Wir haben auch gebeten, dass auf der Ebene der großen Politik diese Themen auch in China immer wieder angesprochen werden. Und selbstverständlich ist das auch Thema, wenn ich Gäste habe, wie entwickelt sich China weiter. Ich denke nur, wir müssen aufpassen, dass wir als Kommune nicht immer mit dem Zeigefinger durch die Welt gehen. Die Moralfrage, die dahinter steht, die gehört, denke ich, in die große Weltpolitik. - Wolfram Leibe

    "Marx nicht für Gräueltaten verantwortlich"

    Die rheinland-pfälzische Ministerpräsident Malu Dreyer (SPD) sagte auf der Pressekonferenz, es gehe bei den Jubiläums-Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag darum, einen „Anstoß“ zu geben, sich mit Marx auseinander zu setzen. Er sei Philosoph, Ökonom und Journalist gewesen, aber vielen seien „nur einzelne Facetten“ seines Lebens bekannt. Marx könne man nicht „die Gräueltaten des 20. Jahrhunderts“ zuschreiben, die Opfer der SED-Herrschaft seien jedoch keineswegs vergessen.