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Streit um "Engelsgemälde"

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Ein echter Klimt? Streit um "Engelsgemälde" aus Garage

Ein Zufallsfund aus einer Garage erweist sich als Sensationsbild - oder doch nicht? Um einen "Trompetenden Putto" streiten sich die Experten in Hannover, Leipzig und Wien. Ist Jugendstilstar Gustav Klimt (1862 - 1918) der Urheber? Von Peter Jungblut.

Über dieses Thema berichtet: LÖSCHEN Kultur am .

Er gilt als berühmtester aller Wiener Sezessionisten und Superstar des Jugendstils: Gustav Klimt sorgt zuverlässig für Touristen-Ströme und beeindruckt seine vielen Fans bis heute mit seinen zahlreichen Frauen-Affären, seinem hochherrschaftlichen Lebensstil und seiner exaltierten Garderobe. Ein bislang unbekanntes Gemälde von ihm in einer Garage im oberösterreichischen Linz zu finden, das wäre allerdings eine Sensation. Oder ist der "Trompetende Putto" doch nur "schlechte Dekorationsmalerei" irgendeines Künstlers aus der Wiener Hofoper? Darum streiten sich seit Jahren Kunst-Experten.

Chemiker sicher: Es war Klimt

Jetzt behauptete der Chemiker Franz Renz in Hannover nach diversen Analysen und der Restauration des Werkes, es gebe keine Zweifel mehr, der Künstler sei Klimt. Das kreisrunde Bild ist derzeit aus Anlass von Klimts 100. Todestag im örtlichen Sprengel-Museum zu sehen. Allerdings ist Laborchef Renz der Bruder des Kunsthändlers Josef Renz, dem das Bildes gehört und der die Analyse beauftragt hatte.

Als Bestätigung der Echtheit konnten bereits die Signaturen auf der Rück- und Vorderseite entschlüsselt werden. - Professor Franz Renz, Chemiker

"Idee illusorisch"

Klimt-Experten wie der Direktor des Museums der Künste in Leipzig, Alfred Weidinger, zeitweise Vizedirektor des Wiener Belvedere, zweifeln aber nach wie vor an der Urheberschaft von Klimt. An seiner negativen Einschätzung habe "sich nichts geändert", sagte Weidinger der Deutschen Presse-Agentur. Er sei sich sicher, dass das Gemälde ursprünglich an der Decke der Hofoper in Wien hing. Die Hofoper sei allerdings 1869 eröffnet worden, Klimt damals 7 Jahre jung gewesen, so Weidinger. Der Entwurf des Bildes stammt nach seinen Recherchen von Carl Rahl. Der Maler Eduard Bitterlich habe dann das Original-Deckengemälde ausgeführt. Die Idee, dass Klimt die Werkzeichnung von Bitterlich als Vorlage benutzt haben könnte, um eine Studie anzufertigen, sei "illusorisch". Vielmehr hatte Weidinger vor Jahren gemutmaßt, Gustavs Bruder Ernst Klimt könne sich an dem Thema versucht haben. Zwar hatte auch Ernst die Kunstgewerbeschule Wien besucht, er starb jedoch bereits mit 28 Jahre und hinterließ sehr wenig Bilder, darunter vor allem Historiengemälde. Der ungleich berühmtere Gustav kümmerte sich um Ernsts Witwe und soll auch einige von dessen nicht vollendeten Arbeiten "fertig gestellt" haben.

Augenschein schwierig

Das umstrittene Deckenfresko mit einem Durchmesser von 170 Zentimetern hing in Gustav Klimts Wiener Atelier. Beim Einbau eines Aufzugs wurde es verpackt und galt seitdem als vermisst. Unter anderem hatten Wissenschafter herausgefunden, dass das Bild übermalt wurde, was eine Augenschein-Expertise erschwerte und eine naturwissenschaftliche Analyse erforderlich machte.