Die Medien seien in Ländern wie Polen, Ungarn, der Slowakei und Tschechien zunehmend "medienfeindlicher Hetze durch Regierungen oder führende Politiker" ausgesetzt. Hass und Verachtung gegen Journalisten zu schüren, sei "in Zeiten des Vormarschs populistischer Kräfte ein Spiel mit dem Feuer", erklärte "Reporter-ohne-Grenzen"-Vorstandssprecherin Katja Gloger. "Leider erleben wir das zunehmend auch in Mitgliedsstaaten der Europäischen Union."
Malta fällt stark zurück
Vier der fünf Länder, deren Platzierung sich in der neuen Rangliste am stärksten verschlechtert haben, liegen in Europa: Malta, Tschechien, die Slowakei und Serbien.
Stärkster Absteiger ist Malta, das um 18 Plätze auf Rang 65 zurückfiel. Der Mord an der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia habe deutlich gemacht, wie eng in dem EU-Land das Geflecht von Politik, Justiz und Wirtschaft sei, teilte "Reporter ohne Grenzen" mit.
Deutschland im Mittelfeld
Deutschland hält sich laut Rangliste weiter im Mittelfeld der EU-Staaten. "Reporter ohne Grenzen" kritisierte allerdings die "hohe Zahl an tätlichen Übergriffen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen" gegen Journalisten, vor allem während der Proteste gegen den G20-Gipfel im Juli in Hamburg. Insgesamt zählte die Organisation 2017 in Deutschland mindestens 16 gewalttätige Übergriffe.
USA und Türkei fallen um je zwei Plätze
Im ersten Amtsjahr von US-Präsident Donald Trump haben sich auch die USA erneut um zwei Plätze auf Rang 45 verschlechtert. Trump werde nicht müde, unliebsame Medien als "lügnerisch" zu diffamieren, und habe Journalisten als "Volksfeinde" bezeichnet, heißt es in dem Bericht.
In der Türkei, dass um zwei Plätze auf Rang 157 zurückgefallen ist, sitzen laut "Reporter ohne Grenzen" mehr professionelle Journalisten im Gefängnis als in jedem anderen Land der Welt.
Die 180 Staaten umfassende Rangliste wird von Norwegen, Schweden und den Niederlanden angeführt. Die letzten drei Länder sind wie schon im Vorjahr Turkmenistan, Eritrea und Nordkorea.