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Einkommensschere öffnet sich

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Jörn Kalinski, Oxfam: Soziale Ungleichheit auf Rekordniveau

Die Entwicklungsorganisation Oxfam hat zum Weltwirtschaftsforum in Davos Zahlen vorgelegt über die ungleiche Vermögensverteilung auf der Erde. Sie sind spektakulär.

Über dieses Thema berichtet: radioWelt am .

Bayern 2-radioWelt: Es gibt in viel heiße Luft: Chinas Präsident Xi Jinping hat im vergangenen Jahr in seiner Eröffnungsrede ein flammendes Plädoyer für den freien Welthandel gehalten. Doch China macht das Gegenteil.

Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland: Man kann darüber streiten, ob freier Welthandel immer so gut für alle Beteiligten ist. Denn wenn der Welthandel keine Regeln mehr hat, dann verlieren die Schwächeren - und die großen Konzerne haben einen riesengroßen Vorteil. Also: Freier Welthandel ist sowieso etwas, was man generell in Frage stellen müsste. Der Welthandel und die Globalisierung brauchen Regeln, damit nicht nur eine Minderheit profitiert, sondern auch die sogenannten berühmten 99 Prozent.

radioWelt: Aber versuchen nicht viele, sich diese Regeln zu geben, zum Beispiel durch Freihandelsabkommen?

Jörn Kalinski: Wir haben die Untersuchung zur Vermögensverteilung rechtzeitig zu Davos veröffentlicht. Und wir kommen zu dem Ergebnis, dass die soziale Ungleichheit - auch gerade bei Vermögen, die Ungleichverteilung - dramatisch zunimmt. Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt genauso viel Vermögen wie der Rest der Menschheit. Und das ist unter anderem deshalb möglich, weil es Regeln gibt, die gerade für Superreiche und für Konzerne funktionieren. Die können sich davor drücken, ihren fairen Steueranteil zur Finanzierung des Gemeinwohls zu leisten. Sie können Lieferantenpreise, Löhne und Gehälter drücken. Oftmals müssen am unteren Ende der Kette Menschen zu Hungerlöhnen schuften. Und diese Regeln müssen geändert werden!

radioWelt: Zu wenig Menschen profitieren von der boomenden Wirtschaft. Es wird mehr verdient, aber es kommt bei vielen nicht mehr an. Wie ist das zu erklären?

Jörn Kalinski: In den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass extreme Ungleichheit Gift für unsere Gesellschaften sind. Sie ist ökonomisch unsinnig, weil sie das Wirtschaftswachstum bremst. Es gibt Untersuchungen, nach denen es allein für Deutschland von 1990 bis 2010 sechs Prozent mehr Wirtschaftswachstum hätte geben können, wenn die Ungleichheit nicht so groß gewesen wäre.

radioWelt: Was muss also passieren?

Jörn Kalinski: Wir schlagen drei Maßnahmenbereiche vor: Es muss Steuergerechtigkeit geben. Es kann nicht sein, dass sich Superreiche und Großkonzerne davor drücken, ihren fairen Steueranteil zu zahlen. […] Wir brauchen Investitionen in Bildung und Gesundheit. Und: Es müssen Löhne gezahlt werden auf der Welt, von denen Menschen auch leben können.