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Tanzverbot und Fasttag: Was ist Karfreitag? | BR24

© dpa/Lukas Barth

Flurkreuz im Sonnenuntergang

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    Tanzverbot und Fasttag: Was ist Karfreitag?

    An Karfreitag erinnern Christen an die Kreuzigung Jesu. In der evangelischen Kirche gilt er als einer der wichtigsten Feiertage, bei den Katholiken ist er strenger Fasttag - und über das Tanzverbot wird alljährlich diskutiert. Von Veronika Wawatschek

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    Ein schlichter Wortgottesdienst zur Stunde der Kreuzigung Jesu, keine Musik - so sieht es die Liturgie in der katholischen Kirche am Freitag vor Ostern vor. Mancherorts findet im Anschluss eine sogenannte Feier der Grablegung statt. Das "Heilige Grab" mit dem niedergelegten Kreuz ist bis zum Karsamstag für die Gläubigen zum Gebet zugänglich. Für Katholiken ist er einer der beiden Fast- und Abstinenztage neben dem Aschermittwoch. Auch die Tradition, freitags kein Fleisch zu essen, geht auf das Karfreitags-Geschehen zurück. Im Mittelpunkt steht die Leidensgeschichte Jesu. Das Wort "Kar" stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "Trauer", "Klage" oder "Kummer". Mit der Karwoche wird die Zeit vom Palmsonntag bis Karsamstag bezeichnet.

    Karfreitags-Prozessionen und Kreuzwege

    In München werden zum sogenannten "Kreuzweg der Völker" mehr als 20 Sprach- und Volksgruppen erwartet. Große Karfreitagsprozessionen gibt es vor allem in Südeuropa. In Bayern ist vor allem die Prozession in Lohr am Main bekannt. In Jeruslem spielen Gläubige den Leidensweg Jesu nach, wenn sie mit großen Holzkreuzen durch die Stadt ziehen.

    Tanzverbot am Karfreitag sorgt alljährlich für Debatten

    Karfreitag ist außerdem ein sogenannter stiller Tag, an dem verschiedene öffentliche Veranstaltungen verboten sind. So gilt in den meisten Bundesländern ein komplettes Tanzverbot, in den übrigen zumindest für einige Stunden. Den strengen Feiertags-Schutz zu Karfreitag in Bayern hatte das Bundesverfassungsgericht im November 2016 für verfassungswidrig erklärt. Geklagt hatte der "Bund für Geistesfreiheit" (BfG), dem die Stadt München seit 2007 das Feiern von "Heidenspaß"-Partys am Karfreitag untersagt hatte. Ein generelles Verbot sei unverhältnismäßig, so das Urteil, es müsse auch Möglichkeiten für Ausnahmen von der Pflicht zur Stille geben. Während Kritiker von einem "Relikt aus dem letzten Jahrhundert" sprechen, haben die Kirchen kein Verständnis für die Debatte. So erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, an das Leiden zu erinnern, sei "ein wichtiges Kulturgut" - auch jenseits von Religion.

    "Das Leben des Brian" darf nicht gezeigt werden

    Darüber hinaus sind an diesen stillen Tagen Sport- und Musikveranstaltungen verboten. So gehört "Das Leben des Brian" beispielsweise zu einer Liste von rund 700 Filmen, die am Karfreitag nicht gezeigt werden dürfen. Eine Initiative in Bochum hat dafür allerdings heuer eine Ausnahmegenehmigung bekommen.