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Bundestagswahl 2017: Die Bedeutung der Nichtwähler | BR24

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Beschmierte Rückseite einer Plakatwand

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    Bundestagswahl 2017: Die Bedeutung der Nichtwähler

    Fast ein Drittel der Wahlberechtigten hat bei der letzten Bundestagswahl seine Stimme nicht abgegeben - nur 2009 waren es noch mehr. Und diesmal? Fest steht, viele Wähler sind noch unentschlossen. Andrea Herrmann hat sich umgehört.

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    "Wahrscheinlich geh ich nicht zur Bundestagswahl…Ich weiß noch nicht, muss mich erst mal informieren…ich werde niemand wählen, weil mit keine der Parteien zusagt…also, ich denke schon, dass ich wählen geh, wenn ich weiß, wen ich wählen soll." Umfrage unter Passanten

    1972 wussten das noch viele: 91,1 Prozent der Wähler gaben damals ihre Stimme ab, ein absoluter Spitzenwert. Danach ging es stetig bergab, sagt Michael Kunert von infratest dimap, dem Wahl- und Meinungsforschungsinstitut. Immer mehr Menschen fühlten sich von den Politikern und Parteien offenbar nicht mehr vertreten und .

    AfD kann Nichtwähler mobilisieren

    "Man muss dazu sagen, das jetzt seit zwei Jahren die Beteiligung bei den Landtagswahl deutlich zugelegt hat." Michael Kunert, Geschäftsführer infratest dimap

    Ausschlaggebend dafür sei schlicht und einfach eine neue Partei gewesen, sagt der Wahlforscher Michael Kunert:

    "Seit 2013 gibt es mit der AfD eine Partei, die ein anderes Politikangebot hat als die etablierten Parteien, und das spricht einen Teil der ehemaligen Nichtwähler an. Es gibt eine Gegenmobilisierung, also Menschen, die sagen, das kann ja wohl nicht sein, dass so viele Stimmen auf die AfD entfallen. Da muss man dagegen halten." Michael Kunert, Geschäftsführer infratest dimap

    Die Erfolgreichen gehen wählen

    Generell, so Kunert, gelte die Faustregel: Wer gut gebildet ist, sozial anerkannt mit einem attraktiven Job und hohem Einkommen, der ist auch motiviert und gehe zur Wahl. Das trifft – laut infratest dimap – auf viele Menschen in den alten Bundesländern zu.

    Die sozialen Verlierer bleiben zuhause

    Im Osten der Republik, vor allem in strukturschwachen Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit, gebe es dagegen viele Nichtwähler. Auch Alter und Geschlecht spielen eine Rolle. So gehen 60-Jährige öfter wählen als Jüngere. Und bei den Jüngeren haben die Frauen aufgeholt.

    "Ich glaube, das ist ein Effekt, die Bildung, die bessere Bildung bei jungen Frauen, die dazu geführt hat, dass die Wahlbeteiligung zugelegt hat." Michael Kunert, Geschäftsführer infratest dimap

    Das Interesse an Politik steigt

    Grundsätzlich habe das politische Interesse wieder zugenommen, sagt Michael Kunert, auch und gerade rund um das Thema Flüchtlinge. Eine gute Entwicklung, denn…

    "Die Demokratie lebt davon, dass man sich auch darum kümmert und seinen Teil beiträgt." Michael Kunert, Geschäftsführer infratest dimap

    So sollte es eigentlich sein, meint auch Dominik Ramsauer, der auf dem Marktplatz von Cham in der Oberpfalz am Stand von Wahlmobil e.V. Halt gemacht hat. Die Studenten-Initiative spricht gezielt Nichtwähler an, um sie zu informieren und zu motivieren, wieder zur Wahl zu gehen und sich einzumischen.

    "Wir haben so unsere kleinen Flyer, die wir Leuten mitgeben, wie sie sich engagieren können. Man kann eine Petition starten, ein Bürgerbegehren, man kann Politikerinnen und Politikern Briefe schreiben oder einfach mal anrufen und nachfragen wie sie zu einer Sache stehen." Sophia Bader, Vorsitzende von Wahlmobil e.V.

    Bußgeld für Nichtwähler?

    Wählen sei nicht nur ein Recht, sondern auch eine , der man sich stellen müsse, sagt Dominik Ramsauer auf dem Marktplatz von Cham. Eine Wahlpflicht – verbunden mit einem Strafgeld für Nichtwähler – sei deshalb gar keine so schlechte Idee, meint der 21-Jährige.

    "Wenn die Leute sagen, jetzt muss ich wählen gehen, ja dann schau ich mir auch an, was ich denn wähle. Und dann kommt vielleicht auch ein ganz anderes Ergebnis raus. Aber ist ja auch gut so! Dafür ist ja eine Demokratie da, dass möglichst alle wählen gehen." Dominik Ramsauer, 21 Jahre aus Cham