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Zuviel Abriss in Oberfranken durch Förderoffensive | BR24

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    Zuviel Abriss in Oberfranken durch Förderoffensive

    Im Osten Oberfrankens stehen viele Gebäude leer. Deshalb will die Staatsregierung mit der "Förderoffensive Nordostbayern" viele Millionen Euro zur Verfügung stellen. Manche fragen sich allerdings, ob der Wandel zu ruppig wird. Von Lorenz Storch

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    Das Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach an der Saale erinnert an die geniale Übersetzerin der Donald-Duck-Geschichten - die kleine Stadt im Landkreis Hof hat mit dem Museum seit ein paar Jahren eine deutschlandweit beachtete Attraktion in ihrem Zentrum. 

    Für die Häuserzeile gegenüber sieht es jedoch düster aus - die Gebäude stehen weitgehend leer, die Stadt will sie abreißen. Die Schwarzenbacher fragen sich, was aus ihrer Stadtmitte werden soll. Der Bürgermeister von Schwarzenbach, Hans-Peter Baumann, freut sich, wenn er die Häuserzeile abreißen kann. Er hofft dafür auf Geld aus der Förderoffensive Nordostbayern.

    "Die bisherigen Programme der Sädtebauförderung sehen ja grundsätzlich keine Förderung der Abbruchkosten vor. Das können wir jetzt über das Programm abwickeln und erhoffen uns dadurch, dass es uns leichter fällt, dann wieder eine zukünftige Bebauung, Belebung, für die Bahnhofsstraße auf den Weg zu bringen." Hans-Peter Baumann, Bürgermeister von Schwarzenbach

    Kritik an Abriss ohne Plan

    Gerade aus den Landkreisen Hof und Wunsiedel sind für die Förderoffensive sehr viele Abbruch-Anträge eingegangen. Der Stadtplaner und Architekt Peter Kuchenreuther aus Marktredwitz findet, man kann ein wirklich marodes Gebäude durchaus auch einmal abreißen, und moderne Gebäude haben etwas für sich. Aber stadtbildprägende Häuser erst wegreißen und hinterher überlegen, was stattdessen hinkommt? "Davor ist zu warnen hier einfach Baulücken oder Zahnlücken ins Gesicht einer Stadt zu schlagen.", warnt Peter Kuchenreuther, Stadtplaner und Architekt aus Marktredwitz.

    Kuchenreuther, der mit Planungsbüro und Wohnung in einem alten Haus am Marktredwitzer Markt residiert, sagt, viele Fichtelgebirgs-Städte haben eine "hohe Denkmaldichte".

    Denkmalgeschützte Häuser werden nicht abgerissen

    Oberfrankens Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz gibt zu bedenken, dass angesichts der hohen Anforderungen zum Beispiel an Wärmedämmung und Barrierefreiheit ein Neubau oft wirtschaftlicher ist als eine Sanierung alter Häuser. Ein Abriss ist laut Piwernetz aber nur bei "gesicherter Nachfolgenutzung" möglich: "Der bloße Abriss wird nicht gefördert." Oberfrankens Städte werden also ihr Gesicht verändern. Allerdings gilt Piwetz zufolge der Grundsatz: Denkmalgeschützte Gebäude werden nicht abgerissen.

    Gebäude erneuern statt abreißen

    Ein Beispiel, wie man Bestandsobjekte sinnvoll erhalten kann, sind die alten Winterling-Porzellanfabriken - seit langem pleite. Leer stehen die riesigen Gebäude in Schwarzenbach, Kirchenlamitz, Arzberg und Röslau aber nicht: Ein Kommunalunternehmen vermietet die Gebäude erfolgreich als Gewerbefläche - Vermietungsquote schon jetzt: 85 Prozent. Erhalten ist viel sinnvoller als Abreißen, so Cäcilia Scheffler vom Kommunalunternehmen Winterling, denn man muss beachten, "dass ein Abbruch viele Millionen kostet. Und diese Millionen stecken wir lieber in die Gebäude."

    Leere Gewerbegebiete gibt es schließlich schon genug. Und bezahlbarer Raum ist eine Ressource, die Oberfranken nicht nur Menschen, sondern auch Unternehmen bieten kann. Ein Biogetreide-Händler, eine Radsport-Bahn, eine Textilfirma, Logistiker - solche Unternehmen haben sich bisher eingemietet. Mit den Geldern aus der Förderoffensive Nordostbayern wird jetzt der Brandschutz und die Infrastruktur in den alten Winterling-Fabriken verbessert. Damit sie immer weniger als Lager und wieder mehr zum Produzieren dienen.

    Die Konjunktur im Osten Oberfrankens läuft gut

    Die Wirtschaft brummt inzwischen wieder im Osten Oberfrankens - im Landkreis Hof etwa liegt die Arbeitslosenquote inzwischen unter drei Prozent. Auch die Abwanderung ist gestoppt. Aber in den Stadtbildern liegt oft noch einiges im Argen. Der Industrie-Strukturwandel und zehn Prozent Bevölkerungsrückgang binnen zehn Jahren haben Leerstand hinterlassen. Für die kleinen Städte der Region mit ihren vielfach leeren Kassen kommt die Nordostbayern-Offensive der Staatsregierung daher wie gerufen. 350 Förderanträge sind in kürzester Zeit eingegangen. Das Gesicht Oberfrankens wird sich dadurch verändern.