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Trebgast wehrt sich gegen Gerüchte um einen Wels im Badesee | BR24

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Ein Wels frisst einen Flusskrebs. Gerüchte, wonach die Tiere im Trebgaster Badesee zuhause sein könnten, weisen Experten zurück. (Symbolbild)

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    Trebgast wehrt sich gegen Gerüchte um einen Wels im Badesee

    Nachdem ein Vater und seine erst vier Jahre alte Tochter im Trebgaster Badesee ertrunken sind, sieht sich die Gemeinde viel Kritik ausgesetzt. Gerüchte von Wels, Waller und Strudel machen die Runde. Bürgermeister und Fischzüchter treten dem entgegen.

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    Von
    • Thorsten Gütling

    Schnell machten nach dem Unglück am Trebgaster Badesee Gerüchte die Runde, wonach ein Wels oder Waller für den Tod eines 27 Jahre alten Mannes und seiner erst vier Jahre alten Tochter verantwortlich sein könnte. Fischzüchter Alexander Krappmann, der seit 20 Jahren Fische in den Trebgaster Badesee einsetzt, spricht von einer alten Mär. Immer wenn sich Menschen ein Unglück nicht erklären könnten, würden mystische Erklärungen gesucht. Trebgasts Bürgermeister spricht angesichts vier Ertrunkener in nur drei Jahren von Schicksalen ohne Zusammenhang.

    Offener Brief: Stammgast des Badesees spricht von Welsen und Wallern

    Die Diskussion über Welse im Trebgaster Badesee hatte Gerhard Büchner, ein Stammgast des Badesees, angestoßen. In einem offenen Brief an die Gemeinde Trebgast forderte er, nach Welsen im See zu suchen, die dafür verantwortlich seien, dass in den vergangenen drei Jahren nun schon vier Personen im Trebgaster Badesee ertranken. Wörtlich schreibt Büchner:

    "Alle Unfälle weisen fast immer das gleiche Muster auf. Sportliche und durchtrainierte Menschen ertrinken. Warum ertrinken sie? Und warum fast immer an der gleichen Stelle, nämlich am Ende des Sees, dort wo er am tiefsten und am schlammigsten ist? Es gibt keine Strudel dort oder Unterströmungen die man für solche Unfälle verantwortlich machen könnte. Daher mein schrecklicher Verdacht: Es handelt sich um einen bzw. mehrere Welse oder Waller." Gerhard Büchner in einem Brief an die Gemeinde Trebgast

    Schnell wurden in den sozialen Netzwerken auch Medienberichte geteilt, wonach unter anderem bei Straubing eine Schwimmerin von einem Wels attackiert worden sei. Wenn es im Trebgaster Badesee einen Wels gäbe, dann wüsste Alexander Krappmann wohl davon. Der Fischzüchter aus Lichtenfels ist seit 20 Jahren damit beauftragt, Fische in den See zu setzen. Anders als in der Donau oder im Bodensee, wo es Welse gebe, sei ihm in Trebgast in all den Jahren kein Exemplar untergekommen.

    Zander, Forellen, Hechte und Karpfen im Trebgaster Badesee

    Krappmann sagt, die Gemeinde Trebgast habe immer darauf geachtet, dass in dem Badesee keine Tiere lebten, die die Gäste beim Baden störten. Auch Krebse gebe es daher nicht, wohl aber Zander, Forellen, Hechte und Karpfen. Hätten Dritte einen Wels unerlaubt in den See gesetzt, hätten Angler das wohl bemerkt, sagt Krappmann. Andere Fische und Enten, von denen sich ein ausgewachsener Wels ernähre, gäbe es dann wohl weniger.

    Fischzüchter: Spuren eines Wels-Angriff sind nicht zu übersehen

    Und selbst wenn es einen Wels im Badesee gäbe, würde er Menschen nicht angreifen, sagt Krappmann. Zur Verteidigung seines Laichs, oder wenn man ihn überrasche, könnte der Fisch zwar zuschnappen, würde aber schnell wieder ablassen. Geschichten, wonach Menschen und Tiere von großen Welsen in die Tiefe gezogen würden, verbannt Krappmann in das Reich der Märchen. Insofern seien Fragen nach typischen Verletzungsmustern durch einen Wels-Angriff eher theoretischer Natur. Wegen der vielen kleinen, nach innen gebogenen Zähne würde sich ein Mensch, der sich aus dem Maul eines Wels zu befreien versucht, praktisch selbst die Haut abziehen, sagt Krappmann.

    Krappmann: Taucher hätten einen Wels bemerkt

    Weil die Gerichtsmedizin an den beiden im Trebgster Badesee ertrunkenen Personen keinerlei Verletzungen fand, hatte auch die Staatsanwaltschaft einen Wels-Angriff auf Nachfrage des BR ausgeschlossen. Auch organische Versagen schlossen die Gerichtsmediziner aus. Eine Obduktion ergab, dass sie ertrunken waren. Dass die Rettungstaucher im Trebgaster Badesee einen Wels, der problemlos über zwei Meter groß werden könne, übersehen hätten, glaubt Fischzüchter Krappmann auch nicht. Die Tiere würden sich Tauchern gegenüber zutraulich verhalten und wären kaum geflohen. Schließlich, sagt Krappmann, werde die Mär von einem Wels, der für das Ertrinken von Menschen verantwortlich sei, immer dann erzählt, wenn sich die Menschen Unglücke wie das in Trebgast nicht erklären könnten.

    "Früher waren es die Wassergeister, heute sind es Wolf und Wels." Alexander Krappmann, Fischzüchter

    Trebgasts Bürgermeister Herwig Neumann (CSU) hat Gerhard Büchner auf dessen Brief geantwortet. Weil er sich, anders als viele andere Briefeschreiber nach dem Unglück, freundlich geäußert habe und seine Befürchtungen nicht völlig an den Haaren herbei gezogen seien, sagt Neumann. Auch Gerüchte, wonach Strudel und Strömungen im Badesee Menschen ertrinken ließen, schieden aus, sagt Neumann.

    Quellen schütten 20 Liter Wasser pro Sekunde in den Badesee

    Zwar schütteten vier Unterwasser-Quellen rund 20 Liter Wasser pro Sekunde in den See. Alle vier befänden sich am südlichen Ufer des Badesees, das jüngste Unglück ereignete sich fünf Meter vor dem nördlichen Ufer. Strudel und Strömungen gebe es nicht, weil der Ablauf in die Trebgast in Höhe des Eingangs zum Seegelände sei und die überlaufenden Wassermassen gering seien.

    Bürger äußern Angst vor Strahlung und Methan

    Neumann erzählt von Schreiben an die Gemeinde, in denen von Strahlungen durch Mobil- und Eisenbahnfunk die Rede sei, die am Badesee aufeinander träfen und Menschen ohnmächtig werden ließen. Andere hätten ihm ihre Furcht vor Methangasen geschildert, die am See aufstiegen und Badende betäubten. Viele Menschen hätten im Rathaus eine sofortige Sperrung des Sees gefordert, andere ein Ablassen oder gar ein Zuschütten des Gewässers.

    2005 wurde Wasser aus Trebgaster Badesee abgelassen

    Vor allem für ein Ablassen sieht Bürgermeister Neumann keinen Grund. Vor 15 Jahren sei das zuletzt geschehen, auch damals auf Drängen der Öffentlichkeit, die eine meterhohe Schlammschicht am Grund des Sees vermutet habe. Über zwei Monate im Winter seien damals für viel Geld und Aufwand das Wasser aus dem See gepumpt und alle Fische entnommen worden. Eine Schlammschicht von rund 15 Zentimetern Tiefe sei zutage getreten, dazu Kenntnisse über die genaue Lage der vier Quellen. Sonst nichts. Ein erneutes Abpumpen des Sees sei nicht zuletzt auch deshalb keine Option, weil man den See danach aufgrund der zuletzt trockenen Jahre unter Umständen gar nicht mehr voll bekomme. Auch die Staatsanwaltschaft Bayreuth erklärte gegenüber dem BR, dass über ein Ablassen des Wassers aus dem See aus Ermittlungsgründen derzeit nicht nachgedacht werde.

    Neumann: 25 Jahre lang ist in Trebgast niemand ertrunken

    Dass in drei Jahren gleich vier Menschen im Trebgaster Badesee ertranken, führt Neumann eher auf Einzelschicksale, denn auf Eigenheiten des Sees zurück. So sei der 2019 im See ertrunkene 79-Jährige zuvor mehrfach wegen eines Herzinfarktes behandelt worden. Die 2018 im See ertrunkene Studentin aus Indonesien sei mit einem schwarzen Burkini im See gewesen, der sich in der Hitze aufgeladen haben könnte. Trotz der jüngsten Häufung der Vorfälle müsse bedacht werden, dass zuvor rund 25 Jahre lang kein einziges Unglück auf dem rund 30.000 Quadratmeter großen Badesee geschah. Alleine der von einem Bademeister überwachte Bereich sei so groß, wie andernorts fünf Schwimmbecken, sagt Neumann.

    Bis Normalität in Trebgast einkehrt, werden Monate vergehen

    Und dennoch: Das Unglück, bei dem am vergangenen Donnerstag (25.06.20) ein 27 Jahre alter Mann und seine vier Jahre alte Tochter ihr Leben ließen, gehe den Menschen in Trebgast nahe. Es werde Monate dauern, bis der Ort zur Normalität zurückkehre. Gerade weil sich die Menschen die Unglücke nicht erklären könnten.

    Wildkameras rund um den See wurden geprüft

    Genauso wie auch die Staatsanwaltschaft versichert, in dem Fall weiter zu ermitteln, wolle auch die Gemeinde alles tun, um zur Aufklärung beizutragen. So habe man zum Beispiel auch die Wildkameras der umliegenden Wälder dahingehend geprüft, ob sie am Unglückstag zufällig in Richtung des Badesees ausgerichtet waren. Denn Zeugen des Badeunfalls gibt es offenbar nicht. Die Polizei bestätigt, dass die gerade einmal rund 20 Personen, die sich zur Unglückszeit auf der etwa 70.000 Quadratmeter großen Liegewiese befanden, allesamt befragt wurden. Auf Nachfrage des BR heißt es, dass sich bislang kein einziger Zeuge des Unfalls habe finden lassen. "Es wird ein Mysterium bleiben", fürchtet Bürgermeister Neumann.

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