Gesundheitstag


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Diabetes Typ 2 Mit Ernährung und Sport gegen Diabetes

Über sechseinhalb Millionen Deutsche leiden an Diabetes, Typ 2-Diabetiker machen rund 95 Prozent der Zuckerkranken aus. Durch eine Lebensstiländerung können sie die Krankheit entscheidend lindern. Dass mehr Bewegung und bessere Ernährung auch bei der Diabetes-Prävention helfen, wollen Forscher der TU München gerade in einer großangelegten Langzeitstudie zeigen.

Von: Florian Heinhold

Stand: 13.05.2019

Heute ist Sport aus dem Leben von Lars Hesse kaum noch wegzudenken. Aber das war nicht immer so, noch vor drei Jahren sah sein Leben ganz anders aus. Gesundheit! trifft den Familienvater am Institut für Ernährung der TU München, wo er an einer Studie zum Einfluss des Lebensstils auf die Entstehung von Diabetes teilnimmt. Als er vor drei Jahren zum ersten Mal hier war, hatte er noch deutliches Übergewicht.

"100 Kilo. Das war schon extrem. Es hat mich auch immer gestört, dass da so ein Bauch war und ich nicht der sein konnte, der ich sein wollte."

Lars Hesse

Prävention bei Hochrisikopatienten

Dr. Simone Herkenhoff betreut die über zwölf Jahre angelegte Langzeitstudie. Die Teilnehmer wie Herr Hesse haben eines gemeinsam: ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2, das sich in den Laborwerten und in der Familiengeschichte manifestiert.  

"Herr Hesse hat einen Prädiabetes. Patienten mit einem Prädiabetes haben das Risiko in den nächsten Jahren einen Diabetes zu entwickeln."

Dr. med. Simone Herkenhoff, Ernährungsmedizinerin, Klinikum rechts der Isar, TU München

"Mein Vater hat es, meine Großmutter war schwer Diabetikerin, meine Cousine hat es, bei uns liegt das in der Familie und ich möchte einfach verhindern, dass ich zu früh sterbe. Und das allein hat mich überzeugt, als ich gesehen habe, wie meine Blutwerte sind, dass ich was tun muss."

Lars Hesse

Diabetes: gestörte Insulinproduktion

Diabetes hat viel mit unserem Lebensstil, vor allem mit unserer Ernährung zu tun. Bei der Verdauung werden Kohlenhydrate in Glukose, also Blutzucker, verwandelt. Der muss dann in die Zellen geschleust werden, wofür der Botenstoff Insulin in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. In der Folge sinkt der Blutzuckerspiegel.

Bei Typ 2 Diabetikern ist die Insulinproduktion gestört. Der Mangel lässt das Blut überzuckern. Das Insulin, das der Körper nicht mehr selbst herstellen kann, muss in schweren Fällen gespritzt werden.

Diabetes und seine Folgeerkrankungen

Am städtischen Klinikum in München-Schwabing trifft Gesundheit! auf einen Patienten, der schon seit längerem an Diabetes Typ 2 leidet und neben Medikamenten in Tablettenform auch Insulin spritzen muss. Er kennt die Probleme in seiner Ernährung genau – aber wie so vielen fällt ihm die Lebensstilumstellung schwer.  

"Das Gefährliche bei mir sind nicht Süßigkeiten, aber zum Beispiel Spezi. Ich bin als Kind aufgezogen worden mit Limonaden und das war wahrscheinlich ausschlaggebend."

Patient

Gesundheit! begleitet ihn zum regelmäßigen Kontrolltermin bei Professor Robert Ritzel.

"Diabetes ist eine Volkskrankheit, die Zahlen steigen sogar schneller, als es die WHO prognostiziert hat. Und unser Lebensstil begünstigt, dass der Diabetes auftritt."

Prof. Dr. med. Robert Ritzel, Diabetologe, städtisches Klinikum München-Schwabing

Folgeerkrankungen von Diabetes

Und Diabetes kann schwere Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Ein Sorgenkind bei Zucker-Erkrankten: Die Füße.

"Die Empfindung warm-kalt fehlt komplett. Ich kann auf dem heißen Wüstensand laufen und würde das nicht merken. Meine Füße würden verbrennen auf dem Wüstensand."

Patient

Dabei handelt es sich um ein typisches Anzeichen einer diabetischen Nervenschädigung. Eine häufige Folgeerkrankung, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf.

Amputationen, Herzinfarkte, Schlaganfälle

"Diabetes ist weiterhin leider wegen dieser Wunden die häufigste Ursache für Amputationen in unserem Land."

Prof. Dr. med. Robert Ritzel, Diabetologe, städtisches Klinikum München-Schwabing

Auch Durchblutungsstörungen durch Arterienverkalkung und in der Folge Herzinfarkte und Schlaganfälle sind eine große Gefahr. Professor Ritzel rät dem Patienten im Arztgespräch eindringlich, noch einmal seinen Lebensstil zu überdenken. Da seine Bauchspeicheldrüse noch eigenes Insulin produziert, ließe sich in diesem Fall ein besonders positiver Effekt erreichen.

"Der HBA1c-Wert, also der Langzeitzucker, ist leider im Vergleich zu den Voruntersuchungen relativ deutlich angestiegen. Die Chancen durch Bewegung den Blutzucker nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig senken zu können, sind bei Ihnen sehr gut. Und das müssen wir für die Therapie zu nutzen versuchen."

Prof. Dr. med. Robert Ritzel, Diabetologe, städtisches Klinikum München-Schwabing

Maßnahmen einer Lebensstilumstellung

Auch Lars Hesse, der an der Studie der TU München teilnimmt, hat ein erhöhtes Diabetes 2-Risiko. Er hat sein Leben komplett umgestellt. Wichtig findet er vor allem möglichst viel Bewegung im Alltag.

"Ich versuche, Sport so zu machen, so dass es kein Zusatzaufwand ist. Dass ich einen Teil des Wegs zur Arbeit zu Fuß gehe, Treppen statt Aufzug oder Rolltreppe benutze, dass ich mich einfach bewege."

Lars Hesse

Seinen Schrittzähler hat er immer am Handgelenk – als Motivator.

"Das treibt mich weiter an. Wenn ich sehe, dass ich nicht genug Schritte zusammenbekommen habe, versuche ich am nächsten Tag, dann auf jeden Fall meine 10.000 Schritte zusammenzubekommen."

Lars Hesse

Aber die größte Umstellung war für ihn die Ernährung. Gesundheit! begleitet ihn zu einem Picknick im Park zusammen mit seiner Tochter. Das Picknick-Menü sieht heute ein bisschen anders aus als noch vor ein paar Jahren: Viel Obst statt süßer Snacks. Wasser und alkoholfreies Pils statt Bier und süßer Säfte. Frischkäse statt Butter. Allerdings gibt es keine kompletten Tabus, auch hochkalorische Lebensmittel sind ab und zu weiterhin erlaubt.  

"Leberkäse – den esse ich ab und zu noch, er schmeckt mir. Fett ist ja ein Geschmacksträger, aber ich lass2 es meistens weg."

Lars Hesse

So hat Lars Hesse fast 15 Kilo abgenommen und hat heute deutlich bessere Blutwerte. Auch sein BMI und der Bauchumfang sind erheblich verbessert. Dr. Herkenhoff hat ihn über drei Jahre für die Langzeitstudie betreut und ist begeistert von seinem Erfolg.

"Prima! Ich kann nur sagen: Machen sie weiter so wie bisher. Durch diese Lebensstilumstellung kann man den Diabetes verhindern oder zumindest hinauszögern."

Dr. med. Simone Herkenhoff, Ernährungsmedizinerin, Klinikum rechts der Isar, TU München

Wir drücken die Daumen, dass es am Ende bei beiden Patienten, die wir begleiten durften, klappt – mit dem Kampf gegen den Diabetes. 


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